Rudolf Schwarz aus Beuel: Im Beiwagen einer Zündapp - 91-Jähriger erfüllte sich Herzenswunsch

Rudolf Schwarz aus Beuel : Im Beiwagen einer Zündapp - 91-Jähriger erfüllte sich Herzenswunsch

Ein eigenes Motorrad hatte Rudolf Schwarz nie. Nach dem Krieg fehlte dem heute 91-Jährigen das Geld, später, als die Familie ernährt werden musste, war es ihm zu riskant. "Aber wenn mich ein Bekannter fahren ließ, bin ich natürlich aufgesprungen", sagt er.

Stattdessen radelte er bis vor wenigen Jahren noch über 10 000 Kilometer im Jahr. Enkel Dario Zwick wusste von dieser Leidenschaft für Zweiräder und bescherte seinem Großvater, der in einem Beueler Pflegeheim lebt, noch einmal eine Motorradtour. Schnell wurde das zu einer Herausforderung für die gesamte Familie: Denn seit Rudolf Schwarz an einer Nervenkrankheit leidet, sitzt er im Rollstuhl.

Das machte die Suche nach einem passenden Motorrad schwierig, fahren konnte er schließlich nicht mehr selbst. "Aber ein Freund bot an, seine alte Zündapp samt Beiwagen zur Verfügung zu stellen", erzählt Tochter Ute Zwick, die wie alle in der Familie passionierte Motorradfahrerin ist. Obwohl die Idee schon ein halbes Jahr alt war, machte sich die Gruppe erst vergangenen Monat auf die Reise. "Es gab viel zu planen, es musste ja alles passen", erzählt Ute Zwick.

Sie gaukelten dem Großvater mit einer Wette vor, wissen zu wollen, ob sein Kopf größer ist als der von Ute Zwicks Ehemann Gerd. "Wir mussten natürlich einen passenden Helm haben." Auch der Start der Tour gestaltete sich schwierig, mit einem kleinen Personenkran hievten die Biker Rudolf Schwarz in den engen Beiwagen. "Als ich drin saß, kamen sofort Erinnerungen hoch", erzählt er.

Seinen Motorradführerschein hatte er beim Militär gemacht, als er für die Deutsche Nachschubeinheiten im Zweiten Weltkrieg in ganz Europa unterwegs war. Er wusste sofort Bescheid, in welchen Beiwagen er bei der Motorradtour stieg. Die 26 PS starke Zündapp mit Tankschaltung, Rückwärtsgang und Allrad hatte er damals selbst gefahren.

"Mit dem hoch liegenden Schalthebel am Tank konnte man auch im tiefen Schlamm noch schalten", erzählt er. Die flexiblen Motorräder versorgten die Truppenfahrzeuge mit Ersatzteilen, erinnert sich Schwarz. Es seien nicht immer schöne Bilder gewesen, die er gesehen hat. Doch das Abenteuer, viel zu reisen, habe ihn stets gereizt. Und so reizte ihn auch die Tagestrip im Tross mit seiner Familie.

Von Beuel ging es über die kurvenreichen Strecken rund 50 Kilometer bis nach Much. Peter Tschocke, der neben Schwarz am Lenker saß, hatte während der Fahrt alle Hände voll zu tun. "Wegen der Hitze wollte mein Vater immer das Visier geöffnet haben", erzählt Ute Zwick. Sobald der Windzug zu stark wurde, musste es aber auch wieder geschlossen werden. Nach einer Pause in der Eisdiele ging es wieder zurück.

Rudolf Schwarz schwärmt noch immer vom Gefühl, den Motor zu hören und zu spüren. "Viele Senioren hier im Heim wünschen sich so etwas, aber das Freizeitangebot gibt das nicht her", sagt Ute Zwick. Als nächstes würde ihr Vater gerne mit einem Trecker fahren. Ob die Familienmitglieder ihm diesen Wunsch erfüllen, wollen sie nicht verraten. Sonst wäre es auch keine Überraschung mehr.

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