"Beueler Treff": Hitzige Debatte bei Dauerregen

"Beueler Treff" : Hitzige Debatte bei Dauerregen

Freibad-Wetter sieht anders aus: Strömender Regen erwartete die rund 100 Bürger, die am Donnerstagabend zum "Beueler Treff" ins Ennertbad gekommen sind. Der General-Anzeiger hatte zum Dialog über das Thema "Schwimmen in Beuel" eingeladen.

Und trotz des nasskalten Dauerregens entspann sich rasch eine teils hitzige Debatte über die Situation und Zukunft der Bäder im Stadtbezirk - aber auch in der gesamten Stadt Bonn. Doch die Teilnehmer hatten nicht nur Kritik, sondern auch Anregungen dabei.

Unverhohlen äußerten einige Bürger und Vereinsvertreter ihre Wut über die reduzierten Öffnungszeiten in der diesjährigen Freibadsaison, die am Wochenende zu Ende geht. Er fahre inzwischen lieber nach Sankt Augustin-Menden, so ein älterer Mann. "Bundesweit schaffen es alle Kommunen, vernünftige Öffnungszeiten anzubieten - nur Bonn nicht."

Er habe im Rahmen des Haushalts die Vorgabe, in seinem Bereich 1,3 Millionen Euro zu sparen, so Martin Herkt, Leiter des städtischen Sport- und Bäderamts. Dem Vorschlag der Verwaltung, dazu vier Bäder zu schließen, sei die Politik nicht gefolgt und habe entschieden, in diesem Sommer alle Freibäder zu öffnen. "Ich konnte in diesem Jahr nicht anders darauf reagieren. Das ist für meine Mitarbeiter auch nicht schön, die Frühschwimmer, unsere Stammkunden, derart zu verprellen."

Gemeinsam mit Ralf Laubenthal, Vize-Bezirksbürgermeister in Beuel, Klaus Pott, Vorsitzender SC Rhenus Beuel, Anne Johannsen, Vorsitzende der TSV Bonn-rechtsrheinisch, Thomas Stockhorst, Vize-Bezirksleiter der DLRG Bonn, Michael Scharf, Vorsitzender des Stadtsportbunds, und Lutz Thieme, Vorsitzender der SSF Bonn, stellte Herkt sich während der Dialogveranstaltung, die GA-Redakteur Holger Willcke moderierte, den vielen Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum.

Ein anderes Reizthema: Das angedachte neue Kombi-Bad in der Beueler Rheinaue. "Luftschlösser zu bauen ist leicht, sie zu zerstören schwer", so ein Teilnehmer. Sie befürchte, dass Kinder, Jugendliche und ärmere Menschen sich die Eintrittspreise dann nicht mehr leisten könnten, sagte eine Mutter.

"Wir haben alle nicht die Taler, um 7,70 Euro Eintritt oder mehr zu bezahlen." Auch beim neuen Haus der Bildung habe sich erst nachher gezeigt, dass dafür Stadtteilbibliotheken geschlossen werden müssten, sagte Ruth Breiholz. "Wir erfahren vorher gar nicht, was wir dafür aufgeben."

Wie in anderen Bereichen der städtischen Infrastruktur sei mehr als 20 Jahre lang nichts an den Bädern gemacht worden, so Herkt. "Das rächt sich jetzt." Es stünden an den Hallenbädern Sanierungen mit Kosten von über 40 Millionen Euro an. "Deswegen die Frage: Macht es nicht viel mehr Sinn, ein neues Kombi-Bad zu bauen?"

Ralf Laubenthal zeigte sich skeptisch. "Ich bin sehr irritiert, dass bei der Untersuchung nicht die Frage gestellt wurde, ob man nicht aus dem Ennertbad ein Kombi-Bad machen könnte." Er persönlich sei sich gar nicht sicher, wie er zu der Idee stehe, sagte der SSF-Vorsitzende Thieme. "Es ist jedenfalls nicht damit zu rechen, dass sich in Bonn plötzlich eine Ölquelle auftut, und der Haushalt saniert ist.

Wir werden sparen müssen." Wenn das Kombi-Bad gebaut werde, müssten also andere Bäder geschlossen werden. Ihm sei vor allem wichtig, dass endlich eine Entscheidung über die Zukunft der Bäder getroffen werde - am besten innerhalb des nächsten halben Jahres.

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