Beueler Schiffer-Verein: Hilfe in der Not war stets das Motto

Beueler Schiffer-Verein : Hilfe in der Not war stets das Motto

Die Kinder der städtischen Kita an der Limpericher Straße staunten, denn das konnten sie sich nicht vorstellen: Fernsehen, Radio, Videospiele und dergleichen gab es vor 154 Jahren nicht.

Abends, so erklärte ihnen Hans Paul Müller, setzte man sich vor die Haustüre und erzählte sich im Schein von Kerzenlicht, was am Tag so alles passiert war. So war das damals, als der Beueler Schiffer-Verein gegründet wurde.

Der besucht seit Kurzem Kindergärten, um die Kleinen für Nächstenliebe und Toleranz zu sensibilisieren, ganz im Geiste des Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron des Vereins. Außerdem will man natürlich den Verein selber bekannt machen. Und so berichten Schifferbrüder wie Müller über die Arbeit und die Anfänge. Auch Käpt'n Reiner Burgunder machte mit: In seiner Uniform beschrieb er die Anfänge des Vereins.

„Früher war es nicht immer selbstverständlich, einen reich gedeckten Tisch zu haben“, sagte er. „So alltägliche Dinge wie fließendes Wasser oder elektrischen Strom gab es damals nicht. Armut und oft bittere Not begleiteten die Menschen von der Geburt bis zum Tode. Erst recht gab es keine Krankenkasse und keine Rentenversicherung.“ Der Schiffer-Verein kümmerte sich um Mitmenschen, die unverschuldet in Not geraten waren. So hätten es sich die Mitglieder zur Aufgabe gemacht, Verstorbene in Leinentücher zu wickeln und auf einem Karren zum Friedhof nach Vilich zu bringen, um ihnen eine „anständige“ Bestattung zu ermöglichen. „Heute hat der Verein natürlich andere Aufgaben, aber der Besuch von Kranken und die Begleitung bei einer Beerdigung gehören nach wie vor zu den wichtigen Aufgaben.“ Claus Werner Müller erklärte den Kindern, was der Verein heute macht, wobei auf besonderes Interesse das Glockenspiel im Turm von Sankt Josef stieß, das der Schiffer-Verein hat restaurieren lassen.

Die Kleinen wussten genau, wovon Müller sprach, denn sie hatten das Glockenspiel bereits vor dem Besuch der Schifferbrüder besichtigt. Die riefen den Nachwuchs auch dazu auf, sich ebenfalls für Notleidende, etwa für Flüchtlinge, einzusetzen. Einige Kinder hatten dazu auch schon etwas zu berichten.

Die Idee für den Besuch kam von Kindergärten, die an der Nikolaus-Bootsfahrt des Schiffer-Vereins auf der „Rheinnixe“ teilgenommen hatten. Neben der städtischen Kita hat der Schiffer-Verein den katholischen Kindergarten in Schwarzrheindorf besucht und eine Jugendgruppe aus dem Haus Sankt Michael im Beueler Heimatmuseum getroffen. Weitere Besuche sind geplant. Man führe schon Gespräche mit weiteren Einrichtungen, sagte Müller. Jede Kita könne sich melden unter 02 28/47 32 09.