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Im Ernst-Kalkuhl-Gymnasium: Hilfe aus Oberkassel für Haiti geht weiter

Im Ernst-Kalkuhl-Gymnasium : Hilfe aus Oberkassel für Haiti geht weiter

Zehn Jahre nach dem Erdbeben in Haiti plant der Verein Integer am Ernst-Kalkuhl-Gymnasium in Oberkassel neue Projekte. Bisher werden in Cap Haitien, eine Hafenstadt an der Nordküste der Karibik-Insel Hispaniola, ein Waisenhaus und eine Schule unterstützt.

Der Verein „Integer – die ganze Welt“ am Ernst-Kalkuhl-Gymnasium (EKG) in Oberkassel feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. „Das ist schon eine kleine Erfolgsgeschichte“, sagt Monika Willcke, Lehrerin am EKG und Vorsitzende des Vereins. Nach dem schrecklichen Erdbeben auf Haiti im Januar 2010 hatten sieben Lehrer des EKG einen Verein gegründet, um langfristig ein Waisenhaus und eine Schule in Cap Haitien, eine Hafenstadt an der Nordküste der Karibik-Insel Hispaniola, zu unterstützen.

Der Kontakt zur Schule Ecole Notre Dame de la Médaille Miraculeuse war durch Marie-Josée Franz entstanden, eine Haitianerin, die in Bonn lebt und deren Schwester das Waisenhaus leitet. Durch vielfältige Aktionen wie beispielsweise der Sozialtag, das Maikäferfest oder der Weihnachtsmarkt sowie durch viele großzügige Spenden konnte der Verein in diesen zehn Jahren mehr als 200.000 Euro zusammentragen und weitergeben. „Damit haben wir einen wichtigen Beitrag für die Finanzierung der Lehrergehälter und die Ausstattung der Einrichtung geleistet“, sagt Willcke. Und Franz ergänzt: „Der Verein Integer hat es verstanden, dass es mit einer einmaligen Aktion allein nicht getan ist. Gerade diese Ausdauer des Vereins hat uns hervorragend geholfen.“ Denn oft fehle es bei solchen Maßnahmen an Kontinuität. „Die langfristige Hilfe, das ist der entscheidende Unterschied.“ Derzeit fehle Geld, um den Innenausbau von Schule und Kindergarten zu Ende zu bringen.

Nachhaltige Landwirtschaft lehren

Und dann habe man in Cap Haitien noch eine Idee. „Wir würden gerne ein landwirtschaftliches Projekt umsetzen, um uns selber versorgen zu können“, so Franz. Doch Geld allein sei nicht alles, auch das Know-how ist gefragt. So wie der Oberkasseler Dachdeckermeister Eckhard Behm den Haitianern gezeigt hat, wie man ein Dach deckt, so wünscht sich Franz Menschen, die bereit sind, vor Ort zu zeigen, wie man nachhaltig Landwirtschaft betreibt. „Wir möchten die Kultur des Scheiterns durch eine Kultur des Erfolgs ersetzen“, sagt sie.

Carl Eck, der nach seinem ­Abitur am EKG ein Sozialpraktikum in Cap Haitien absolvierte, kann bestätigen, dass die Hilfe durch Menschen vor Ort so wichtig ist. „Als die Schule wegen politischer Querelen ausfiel, haben wir einfach die Kinder unterrichtet“, berichtet er. Was prima bei den Kindern angekommen sei. „Es war eine spannende Zeit vor Ort und ich habe viele neue Freunde gefunden“, resümiert er.

Feier des zehnjährigen Bestehens verschoben

Das zehnjährige Bestehen des Vereins Integer hätte eigentlich am Mittwoch, 13. Mai, mit einem Haiti-Abend im EKG gefeiert werden sollen. Aufgrund der Corona-Krise muss die Feier in den Herbst verlegt werden. Auch die Teilnahme am Maikäferfest und die Aktion zusammen mit der Werbegemeinschaft Oberkassel (WOK) „Oberkassel hilft Kindern auf Haiti“ ist bereits gestrichen worden. „Wir haben das Maikäferfest in den Spätsommer verschoben“, sagt Oliver Lohr, Vorsitzender der WOK. „Auch die Aktion in den Geschäften, einen kleinen Obolus bei jedem Umsatz für Integer zu spenden, muss auf die Zeit nach der Corona-Krise verlegt werden.“ Er weiß jedoch aus Erfahrung: „Die Hilfsbereitschaft in Oberkassel ist sehr groß.“

„Unter dem Motto ‚Viele kleine Spenden erzielen eine große Wirkung‘ werden wir hoffentlich gemeinsam die Fertigstellung der Häuser für die Waisenkinder ein großes Stück voranbringen“, zeigt sich Willcke optimistisch für die nahe Zukunft.

Weitere Informationen zum Hilfsprojekt gibt es im Internet: www.integer-ev-bonn.de