Beueler Treff zu Kommunaler Neugliederung: Hier reiben sich Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis

Beueler Treff zu Kommunaler Neugliederung : Hier reiben sich Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis

Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis haben 50 Jahre Kommunale Neugliederung bei sich. Die Zusammenarbeit bietet große Chancen. Doch beim Beueler Treff wurden auch die wunden Punkte sichtbar.

Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis sind reich an Stadt-Land-Fluss. Aber auch an allen Problemen, die ein Zusammenleben in einer so großen Bevölkerungsregion mit sich bringt.

Noch viel Entwicklungspotenzial nach oben sah etwa Landrat Sebastian Schuster beim Beueler Treff des General-Anzeigers am Montagabend in der Mühlenbachhalle in Vilich-Müldorf, den die GA-Redakteure Bettina Köhl und Holger Willcke moderierten. Mit Bonn, aber auch intern unter den 19 Bürgermeistern der Kreiskommunen, "alles Fürsten", so Schuster. "Schwierig wird das bei der Planungshoheit für den Wohnungsbau; da lassen die sich nicht reinreden", berichtete er von einer alten Schwierigkeit. Da seien die "Fürsten" nämlich ganz unterschiedlich unterwegs, eine Folge der kommunalen Neuordnung vor 50 Jahren.

Auch Selbstkritik schimmerte bei der Politiker-Herrenrunde durch. So gestand Beuels Bürgermeister Guido Déus, Bonn habe zu lange den Schwerpunkt auf Arbeitsplätze gelegt (und demzufolge zu wenig auf Wohnen), und der Kreis werfe den Bonnern seit Langem und zu Recht vor, dass die einzige Engstelle der Stadtbahntrasse 66 auf Beueler Gebiet liege (am Combahn-Friedhof an der Sankt-Augustiner Straße). Warum das noch nicht gelöst ist, konnte auch Bonns Stadtdirektor Wolfgang Fuchs nicht beantworten und meinte: "Ich bin ja auch erst zehn Jahre hier." Déus räumte übrigens auch ein, es gebe Sitzungen, in denen der eine nicht wisse, was der andere plant, da sei demnach noch viel Verbesserungsbedarf vorhanden.

Andererseits bekannte Sankt Augustins Bürgermeister Klaus Schumacher, dass man auf Bonn auch sauer gewesen sei, als das Aus für die Herzklinik in Sankt Augustin bekannt wurde. Der Landrat führe derzeit aber "an allen Fronten" Gespräche mit Investoren.

Einfache Lösungen wie den kostenlosen ÖPNV gebe es ebenso wenig ("irgendeiner muss die 26 neuen Bahnen ja bezahlen", so Fuchs) wie einen "simplen" Bau von Radwegen in die Bergregion des Kreises - denn gegen die nötige Straßenverbreiterung seien gleich Proteste da, erzählte Königswinters Bürgermeister Peter Wirtz. Viel Luft für neue Bautätigkeit sieht er nicht - allen Wohnbauforderungen zum Trotz. Denn: "Unsere Stadt soll schön grün bleiben."

Zu Radwegen entlang der B 56 kündigte Sankt Augustins Beigeordneter Rainer Gleß eine Kurskorrektur an, indem man die Bundesstraße umbaue, um darauf Angebotsstreifen für Radler einzurichten. Proteste müsse man auch mal aushalten und zu Plänen "stehen", ergänzte Déus, denn: "Einen Tod muss man sterben"; will heißen: Man wird es nicht allen recht machen können in Stadt-Land-Fluss, will man die Region weiter entwickeln. Fehlende Kapazität der Planungsämter könne er als Grund für Stillstand aber auf keinen Fall akzeptieren, so der Beueler Bezirksbürgermeister.

Von einem der rund 50 Gäste der GA-Veranstaltung mussten sich die Entscheidungsträger beim Beueler Treff auch Untätigkeit vorhalten lassen. "Sie haben in all den Jahren nicht für Radwege gekämpft", so der Bürger. Wirtz berichtete, von Planung bis Realisierung könne es schon mal 20 bis 30 Jahre dauern. Und man bekomme die Masse an Menschen auch nicht mit dem ÖPNV den Berg hinauf. "Das geht alles nicht in dieser radikalen Einfachheit", antwortete er dem Kritiker. Eine Lösung, wie man zum Beispiel die gewünschten steigenden Radverkehrsströme über den Rhein führen wolle, konnte gleichwohl keiner der Politiker präsentieren. Die Suche nach neuen Trassen sei angesichts von Protesten aus der Bevölkerung schwierig. Am Ende kritisierte eine Beueler Bürgerin aber auch den Fokus der Themen. "Mir nimmt das Fahrrad hier zu viel Raum ein, denn ich bin in meinem Alter auf mein Auto angewiesen", gab die Seniorin zu bedenken.

Schuster sagte, bei ÖPNV und Müllentsorgung (abgesehen vom "Klärschlammverbrennungs-Tourismus") würden Kreis und Stadt gut zusammenarbeiten, und man bereite sich auf den Wechsel zu einem steuerfinanzierten Nahverkehr vor. "Aber", so der Landrat, "die Bürger werden diese Suppe mit ihrer Grundsteuer auslöffeln müssen." Déus äußerte die Überzeugung, beim Bau von Park-and-ride-Plätzen entlang der Linie 66 werde Bonn den Kreis unterstützen müssen.

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