Naturschutz in Bonn: Helfer bauen alten Amphibienzaun im Ennert ab

Naturschutz in Bonn : Helfer bauen alten Amphibienzaun im Ennert ab

Natuschutzverbände reinigen den Ennert von Plastikmüll. Dazu gehört auch ein 40 Jahre alter Amphibienzaun. Im Februar beginnt nun die Laichzeit.

Am Rand der Pützchens Chaussee liegen hangabwärts bereits haufenweise viele Meter aufgerollte, alte grüne Plastikzäune, Draht und alte Holzpflöcke. Seit dem Mittag waren 15 Helfer damit beschäftigt, den alten Amphibienzaun aus dem Unterholz zu graben – notfalls auch mit Spitzhake. Der Deutsche Bund für Vogelschutz (DBV), Vorgängerorganisation des heutigen Nabu, hatte den Zaun bereits vor rund vier Jahrzehnten gesetzt. „In den 1990er Jahren waren die Amphibienpopulationen hier aus ungeklärten Gründen dann eingebrochen, und keiner pflegte die Zäune“, sagte Gerrit Klosterhuis.

Der Forstwirt ist Mitarbeiter der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft, die mit dem Nabu Bonn und dem Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft zur Mitmachaktion „Plastic free forest!“ aufgerufen hatte, um am Freitag von Mittag bis zum Einbruch der Dunkelheit den Wald im Naturschutzgebiet Ennert von Plastik und anderem Müll zu befreien. Primär ging es um die Entfernung des alten Amphibienzauns. Eine kleine Gruppe Helfer war mit Müllsäcken und -zangen unterwegs, um auch den weiteren Müll im Wald einzusammeln. Im vergangenen Herbst wurden bereits die alten Zäune auf der gegenüberliegenden Straßenseite entfernt.

Die Population der Amphibien – Erdkröten, Grasfrösche, Molche – in diesem Teil des Ennert hat sich mittlerweile erholt. Abzulesen war das 2015 an zahlreichen überfahrene Kröten, was der Biologischen Station gemeldet wurde. So errichtete die vor zwei Jahren einen Zaun, der zwischen Februar und Mitte April die Tiere vor den relativ stark befahrenen Straßen schützen soll. Ohne diesen Schutz würden die Amphibien-Populationen innerhalb von wenigen Jahren wahrscheinlich wieder verschwinden.

Überwiegend Erdkröten ziehen über die Oberkasseler Straße und Pützchen Chaussee im Frühjahr zu ihren Laichgewässern: zum Dornheckensee und zu den kleineren umliegenden Weihern im Wald. Mit Beginn der Laichzeit wandern die Tiere alle nahezu gleichzeitig los. Meist sind die Weibchen zu Beginn der Saison von der Winterstarre beziehungsweise Ruhezeit im Winter noch nicht so agil und langsamer, außerdem tragen sie die Männchen auf ihren Rücken zum Laichgebiet. Wenn sie dann auf der Straße rasten, werden sie schnell Opfer des Straßenverkehrs. Zurück sind die Tiere nicht nur beweglicher, sie sind dann meist vereinzelt unterwegs.

„Das neue System hat den Vorteil, dass keine dauerhaften Barrikaden im Wald stehen“, meinte Klosterhuis. Langfristig sollen auch neue Amphibientunnel dazukommen. Erhebungen seien jedoch bei diesem System dann nicht mehr möglich. Bisher wurden jährlich entlang der Zäune etwa 700 bis 1000 Amphibien gezählt, die Zahlen sind heute weitgehend stabil. Ehrenamtliche gehen in den rund sechs Wochen die Zäune regelmäßig ab und bringen die Tiere sicher auf die andere Straßenseite. „Ohne unser Netz aus den vielen ehrenamtlichen Helfern wäre die Arbeit gar nicht leistbar“, sagte Klosterhuis.

Die Helfer haben meist ganz unterschiedliche Gründe, mit anzupacken. Ein Mann hatte früher mit seinem Sohn, „als der noch klein war“, vor allem an Exkursionen teilgenommen. Heute erhält er den Newsletter und nimmt gelegentlich an solchen Aktionen teil. „Ich genieße die körperliche Arbeit draußen mit Umweltschutzbezug“, meinte eine junge Geographiestudentin. Max und Janina, zwei der vier Teilnehmer eines Freiwilligen  Ökologischen Jahres, nehmen seit einem halben Jahr regelmäßig an den Pflege- und Schutzmaßnahmen teil.

Nächste Woche werden in den Siegauen dann wieder die Kopfweiden geschnitten.