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Güterbahnhof Beuel: Halbjährliche Existenzverlängerung

Güterbahnhof Beuel : Halbjährliche Existenzverlängerung

Der Mietvertrag zwischen der Deutschen Bahn (DB) und dem VW-Ersatzteiledienst verlängert sich derzeit nur noch halbjährlich. Seit 1999 hat die Autozubehörfirma das Dienstgebäude des ehemaligen Güterbahnhofs Beuel gemietet, aber die Zukunft des Unternehmens ist ungewiss. Grund ist der geplante Bau der S13.

Geschäftsführer Florian Kalff ist ein weit über die Grenzen Bonns bekannter S13-Skeptiker. Davon abgesehen, dass er die Schnellbahnverbindung zwischen Oberkassel und Troisdorf für verzichtbar einstuft, glaubt er auch nicht, dass die Trasse jemals gebaut werden wird. Nährboden seiner These ist zum einen die "Halbherzigkeit", mit der Land, Bund und Bahn an die Sache herangehen, und zum anderen das Prinzip Hoffnung.

Kalff weiß, dass der Bau der S13 das wirtschaftliche Aus für sein Unternehmen bedeuten könnte. Soweit will er es aber gar nicht kommen lassen: "Wenn die S13 realisiert werden sollte, werde ich die Firma verkaufen und dann ist Schluss."

Allerdings ist diese Ankündigung nur als Notfall-Maßnahme zu sehen. Eigentlich ist Kalff bereit, am Standort zu investieren und die Firma zu vergrößern: "Mittlerweile beschäftige ich 16 Personen, die ich fast alle aus der Zeitarbeit in eine sozialversicherungspflichtige Anstellung übernommen habe. Darauf bin ich stolz. Es wäre schade, wenn diese Arbeitsplätze verloren gingen. Aber ich benötige Planungssicherheit."

Für die neue, 437 Millionen Euro teure Gleisverbindung müssten rund zwei Drittel des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes abgerissen und 1,50 Meter weiter östlich wieder aufgebaut werden. Grund ist der Mauerversatz auf der westlichen Seite. Der Gebäudevorsprung liegt in der "Einflugschneise" der neuen S-Bahn. "Ein Ingenieurbüro hat die Translozierung geplant und ist auf Kosten in Höhe von 312.748,66 Euro gekommen. Ein teurer Spaß", sagte Kalff.

Seine Sorge ist nun, dass die Deutsche Bahn schon in den nächsten Jahren mit dem Abriss beginnen könnte, die Steine in den benachbarten Holzschuppen lagert und erst dann wieder aufbaut, wenn die Bauarbeiten für die S13 abgeschlossen sind.

Auch die Aussage der DB, wonach von Bonn nach Beuel umgeleitete Fernzüge auch während der S13-Bauzeit in Beuel anhalten können, bezweifelt Kalff: "Laut neuester Planung soll ein 396 Meter langer Bahnsteig an Gleis 1 und 2 zur Verfügung stehen. Die meisten Fernzüge sind aber mindestens 410 Meter langt. Das wird ziemlich knapp für die Lokführer."

Kalff vermutet deshalb, dass umgeleitete Fernzüge bis Köln durchfahren, die Bonn-Passagiere erst in der Domstadt aussteigen können und wieder mit einem anderen Zug nach Bonn zurück müssen. Wegen des nach wie vor unklaren Zeitplans für die S 13 fordert Kalff, den seit Jahren versprochenen Lärmschutz von der Neubaustrecke zu entkoppeln und unabhängig davon zu errichten.