Kaninchenzucht in Oberkassel: Groß, schwer und süß

Kaninchenzucht in Oberkassel : Groß, schwer und süß

Die Karnickelzucht ist für Bert Lummerzheim der Lebensinhalt. Der 77-Jährige liebt seine "Schmusetiere". Auch Simone Schiffmann ist verrückt nach den kleinen Hoppeltieren, 80 Kaninchen hält sie in ihrem Garten.

Wenn Bert Lummerzheim morgens aufsteht, warten 35 hungrige Mäulchen schon ungeduldig darauf, endlich gestopft zu werden. Seit nunmehr 30 Jahren lebt der Tierliebhaber aus Königswinter sein ungewöhnliches Hobby: Der 77-Jährige ist Kaninchenzüchter mit Leib und Seele: „Die Tiere sind mein Lebensinhalt“, erklärt Bert Lummerzheim vom Verein R 415 Dollendorf-Oberkassel.

Neugierig kommt „5.6.6“ an die Gitterstäbe gehoppelt und steckt seine Nase hindurch. Der kleine Zwergwidder tapst munter von einer Seite der Box zur anderen und mümmelt vor sich hin. Um bei so vielen Vierpfotlern den Überblick zu behalten, erhalten die Tiere jeweils eine Nummer, die ihnen ins Ohr tätowiert wird. Die erste Ziffer gibt Aufschluss über den Geburtsmonat, die zweite über das Jahr und die dritte ist die laufende Zahl der angemeldeten Kaninchen des Vereins. Lummerzheims Kaninchen wurde demnach im Mai dieses Jahres geboren.

Rassen mit dicken Köpfen

Zwei seiner Kaninchen liegen Lummerzheim ganz besonders am Herzen: „Schmutzfink und der liebe Jung sind wie Hunde für mich“. Bei seinen beiden „Schmusetieren“ habe die Chemie direkt gestimmt. „Es muss direkt funken, das ist wie bei den Menschen auch“, sagt er. Deswegen kauft er Tiere immer direkt beim Züchter vor Ort. „Ich lasse mir meine Kaninchen nie schicken. Ich will ja auch sehen, wie sie gehalten werden.“

Simone Schiffmann hält ihre 80 Kaninchen im Garten. Wie viele es genau sind, kann die frisch gekürte dritte Vereinsmeisterin nicht sagen. Vor zehn Jahren begeisterte ihr Mann Konrad sie für die Kaninchenzucht. Seitdem hat sie eine spezielle Vorliebe: „Ich mag vor allem Rassen mit dicken Köpfen“, erklärt sie und zeigt auf ihre „Deutschen Widder“.

Die zeigen sich vollkommen unbeeindruckt von dem Aufruhr, der um sie veranstaltet wird und strecken gelassen ihre kräftigen Läufe aus. Etwa sieben Kilo bringen Schiffmanns Haustiere auf die Waage. Die großen dunklen Ohren hängen bis zum Boden. Geht es auf eine Kaninchenschau, bedeutet das viel Vorbereitung. Denn die Preisrichter legen nicht nur Wert auf das richtige Gewicht und die Körperform, sondern auch auf den Pflegezustand. Krallen schneiden, Fell blank putzen und Pfoten säubern. Schiffmanns Lieblinge bekommen das volle Programm.

"Menschen enttäuschen, Tiere nie"

Nur knapp fünf Minuten begutachtet der Preisrichter jedes Tier, wiegt es, tastet es nach hervorstehenden Knochen ab und pustet ins Fell: „Nur so erkennt er die Unterfarbe. Es ist wichtig, dass ein Farbübergang von hell zu dunkel zu sehen ist“, erklärt die Züchterin aus Hennef. Das Wohl der Tiere stehe immer an erster Stelle, und so werde bei der Planung von Ausstellungen im Verein auch immer auf die Kleinen Rücksicht genommen. „Das ganze Hin und Her stresst die Tiere natürlich, nach einer Schau haben sie dann erst mal Pause.“

Für Simone Schiffmann sind die Kaninchen mehr als Nummern, die bei Wettbewerben Auszeichnungen gewinnen: „Ich habe schon eine Beziehung zu meinen Tieren“. Daher sei ein Todesfall immer schrecklich. „Es sind ja unsere Haustiere.“ Für Bert Lummerzheim steht letztlich fest: „Ein Mensch kann ein Tier nicht ersetzen, Menschen enttäuschen, Tiere aber nie.“

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