Feuerwehr im Großeinsatz: Giftiger Stoff bei Beueler Firma ausgelaufen

Feuerwehr im Großeinsatz : Giftiger Stoff bei Beueler Firma ausgelaufen

Mehrere Tausend Liter eines Asphalt-Haftklebemittels sind am Montagmorgen vom Gelände eines Industriebetriebs für Straßenbauwerkstoffe an der Maarstraße in Beuel in die Kanalisation gelaufen. Ein rund dreieinhalbstündiger Feuerwehrgroßeinsatz war die Folge.

Wie Feuerwehreinsatzleiter Albert Lehmann der Presse am Einsatzort sagte, hatte ein Leck an einer Rohrverbindung einer Siloanlage auf dem Betriebsgelände dazu geführt, dass ab dem Morgen möglicherweise bis zu 15 000 Liter des Asphalt-Haftklebemittels austraten und in die Kanalisation sowie das Erdreich gelangten. Von den Angestellten habe davon niemand etwas bemerkt.

Erst die Klärwerker, die gegen 7.30 Uhr den Bitumen-Geruch in einem Vorklärwerk festgestellt hatten, schlugen laut Lehmann Alarm und alarmierten die Feuerwehr. Diese suchte daraufhin mit Mitarbeitern des Tiefbauamtes nach der Ursache. Über eine Liste von Unternehmen, die mit dem Werkstoff arbeiten, kamen sie auf den Betrieb an der Maarstraße.

35 Liter pro Minute ausgetreten

65 Einsatzkräfte rückten gegen 10 Uhr mit mehreren Sonderfahrzeugen aus. Mit bis zu 35 Litern pro Minute sprudelte laut Miteinsatzleiter Hans-Peter Halbach zu diesem Zeitpunkt das Klebemittel aus dem Leck. Die Feuerwehr versuchte darauf, die Flüssigkeit in Behältnissen aufzufangen. Kanaleinläufe, in die der Haftkleber weiterhin zu fließen drohte, dichtete sie ab.

Die Helfer wollten unbedingt verhindern, dass das schädliche Klebemittel in die Kläranlage fließt und dort die biologische Reinigungsstufe beeinträchtigt, wie Tiefbauamtsleiter Peter Esch der Presse sagte: „Das kann im Extremfall zu einem Ausfall der Anlage und damit zu einem entsprechenden Schaden führen.“ Abwasser, das in Beuel ankam, leiteten die Mitarbeiter der Stadtentwässerung nach Angaben Eschs deshalb in ein Regenrückhaltebecken ab.

Erst nachdem das Wasser sich gegen Mittag endgültig frei von Rückständen des Klebers zeigte, wurde das Kläranlagensystem, so Marc Hoffmann vom Presseamt, wieder in Betrieb genommen. Auf die rund 400 Kubikmeter verunreinigtes Wasser, die laut dem später veröffentlichten Pressebericht der Feuerwehr während des Einsatzes in das Becken flossen, wurde laut Hoffmann ein Mittel aufgetragen, das in den nächsten zwei Tagen den größten Schmutz binden soll.

Untersuchungen, die das städtische Umweltamt anhand einer Probe anstellen will, sollen Auskunft darüber geben, ob das gesammelte Wasser fachmännisch entsorgt werden muss oder auf normalem Wege nach und nach in das Kanalisationssystem abgeleitet werden kann.

Keine Gefahr für die Bevölkerung

Der betroffene Industriebetrieb wolle Boden, der auf seinem Grundstück verunreinigt wurde, in Absprache mit dem städtischen Amt für Umwelt selbst mit einem entsprechenden Splitt binden und – falls erforderlich – fachgerecht entsorgen, so Hoffmann.

Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand laut Feuerwehr-Chemieberater Matthias Drobig nach dem Austritt nicht. Lediglich ein direkter Hautkontakt mit der Chemikalie hätte zu Reizungen führen können. Ob der Betrieb für den Einsatz zahlen muss, soll sich laut Hoffmann in den kommenden Tagen herausstellen.

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