Möglicher Wohnungsbau in Limperich: Gartenbetrieb Kissener will Flächen verkaufen

Möglicher Wohnungsbau in Limperich : Gartenbetrieb Kissener will Flächen verkaufen

In Christian Kisseners Brust schlagen mindestens zwei Herzen: das eine für den mittlerweile an die Kinder weitergegebenen Gartenmarkt am Landgrabenweg, das andere für die anliegende Baumschule und Pflanzenbeete mit der eigenen Produktion. Von Letzteren wird sich die Familie nun wohl trennen, um den Weg für Wohnungsbau freizumachen.

„Es ist auch eine wirtschaftliche Entscheidung für den weiteren Betrieb“, sagt der frühere Geschäftsführer des Gartenbaubetriebs Kissener, den der Großvater 1904 gegründet hat. In osteuropäischen Ländern wie Polen und Lettland seien die Lohnnebenkosten so niedrig, die Böden zugleich so gut, dass die Produktion in Deutschland aus Sicht Kisseners nicht mehr sinnvoll sei.

Den Gartenmarkt will die Familie aber auf der bisherigen Fläche in Limperich halten. „Der Enkel hat Interesse, das Geschäft weiterzubetreiben, wenn er seinen Meisterbrief hat“, sagt Kissener. Die 25 000 Quadratmeter große Fläche hinter dem Betrieb soll verkauft werden.

Die Überlegungen, an dieser Stelle zwischen Himmerichsweg und der Telekom Wohnungen zu errichten, sind nicht neu. Sie gehen nun aber in eine entscheidende Phase. In der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Beuel am 26. Oktober wird sich die Politik mit dem Areal befassen. Die Verwaltung empfiehlt in einer nun veröffentlichten Beschlussvorlage, den Bebauungsplan für das Gelände so zu ändern, dass dort bis zu 180 Wohneinheiten entstehen können.

Die M & LP Rhein-Wohnen mit Sitz in Eppelborn hat sich in einem notariell beglaubigten Vertrag Verfügungsberichtigungen auf zwei Jahre sichern lassen. Die Verwaltung empfiehlt weiter, den Investor einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan ausarbeiten zu lassen und stuft das Projekt mit Blick auf den engen Wohnungsmarkt im Stadtgebiet als vordringlich ein. Die Erschließung des Gebiets soll über den Landgrabenweg erfolgen.

Die Verwaltung hat außerdem die Vorgaben formuliert, dass das Bauprojekt Rücksicht auf die umliegende Nachbarbebauung, eine Durchmischung der künftigen Bewohner nehmen soll und der Bau eines Kindergartens ausgewiesen wird. Da die Stadtplaner sich schon vor einigen Jahren mit einer Bebauung auseinandergesetzt haben, liegen drei unterschiedliche Planungsentwürfe vor: Aus Sicht der Verwaltung hat das Bonner Büro SKT die schlüssigste städtebauliche Arbeit vorgelegt – „mit abwechslungsreichen Räumen“ und „einer Vielzahl unterschiedlicher Wohnformen“, wie es in der Beschlussvorlage heißt.

Die Pläne sehen eine überwiegend dreigeschossige Bebauung zum Himmerichsweg vor und einen viergeschossigen Gebäuderiegel an der Bahnschiene. Für diskussionswürdig hält die Stadt allerdings die durchgängige fünfgeschossige Bebauung hin zur Telekom.

Die Ausarbeitung des Büros Hupperich, Niedner-Siebert mit einer fast durchgehend dreigeschossigen Bebauung halten die Planer aus städtebaulicher Sicht für weniger geeignet, weil es zu gleichförmig sei. Beim Entwurf der Scherf-Architekten fehle „ein einheitliches städtebauliches Gesamtkonzept“.

Bereits 2009 hatten Überlegungen, 60 Einfamilienhäuser an der Stelle zu bauen, bei Anwohnern für Unmut gesorgt. Sie befürchteten Einbußen in ihrer Lebensqualität. Christian Kissener betont deshalb: „Die Pläne sind zuvor mit Klimagutachtern abgestimmt worden.“

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