Fackelschwimmen: GA-Mitarbeiter wagte sich in den sechs Grad kalten Rhein

Fackelschwimmen : GA-Mitarbeiter wagte sich in den sechs Grad kalten Rhein

Es ist gewöhnungsbedürftig, sich auf einem Parkplatz komplett auszuziehen. Schlüpft man dann auch noch in einen Neoprenanzug, kann man sich den neugierigen Fragen der Passanten nicht entziehen. "Wollen Sie etwa im Rhein schwimmen gehen?" ist die ungläubige Standardfrage. Irgendwann wird aus einem zögerlichen "Joa" ein entschiedenes "Ja, beim Fackelschwimmen, das sollten Sie sich angucken".

Sonntagabend ist der Rhein sechs Grad Celsius kalt, die Lufttemperatur am Ufer noch etwas niedriger. "Aber im Neoprenanzug kann man das gut aushalten", sagt Organisatorin Valerie Wehage. Von einem Bekannten habe ich mir also einen sogenannten halbtrockenen Anzug ausgeliehen. Im Gegensatz zum Nassanzug, der komplett durchlässig ist, strömt durch ihn nur ein bisschen Wasser ein.

"Diese Schicht wärmt sich dann auf und schützt vor der Kälte", erklärt mir Wehage. Sie soll recht behalten - jedenfalls auf den ersten paar Metern im Rhein. Denn als unerfahrener Nicht-Taucher habe ich zwei Fehler begangen: Zum einen ist mein Anzug viel zu kurz, weil er einem 30 Zentimeter kleineren Bekannten gehört. Zum anderen habe ich die innere Haut des Anzugs an Armen und Beinen nicht umgestülpt, so dass das Wasser ungestört nachlaufen kann.

Hätte sonst ja auch blöd ausgesehen, in einem Taucheranzug Hochwasser zu haben. Der Gedankengang, dass es ja nicht so viel werden könnte, weil der Anzug viel zu eng sitzt, ist ein Trugschluss. Nachdem die Fackeln angezündet, die Knicklichter zum Wiederfinden umgehangen sind und es mit den Flossen an den Füßen rückwärts am "Blauen Affen" in den Rhein geht, drückt bei jeder Bewegung etwas mehr sechs Grad kaltes Wasser hinein.

In Höhe der Rheinnixe wird es dann schon schwierig, die Teerfackel über Wasser zu halten. Zwar lässt mich der Neoprenanzug immer oben treiben, die Finger sind trotz Handschuhen aber so kalt, dass ich nicht mehr richtig zupacken kann. Doch es geht gut. Als alle 24 Schwimmer aufhören zu quatschen und der Lärm des vorbeifahrenden Schiffes verstummt, wird es sogar ein wenig besinnlich. Das hatte Valerie Wehage schon angekündigt: "Das sind die ruhigsten Minuten, die ich in der Weihnachtszeit habe."

Gewarnt hat man mich vor Krämpfen und einem Herzinfarkt. Da um mich herum aber stets gut ausgebildete Schwimmer sind und die Wasserwacht auf uns aufpasst, wird all das zu einem kalkulierbaren Risiko. Ein Herzinfarkt ist schließlich auch an Land gefährlich.

"Einfach so soll man auf gar keinen Fall in den Rhein springen", rät Wehage von Experimenten ab. Die Strömung mache einen zum Spielball der Gewalten. Weil wir zwar nah an, aber nicht in der Fahrrinne treiben, können ein paar Schläge mit den Schwimmflossen den Kurs noch korrigieren. Richtig schnell, etwa sechs Stundenkilometer, wird es am Chinaschiff.

Da hat der Fackelschwarm auch das meiste Publikum: Binnen Sekunden drücken die Gäste ihre Gesichter wie Koikarpfen an die Fensterscheiben. Von der Kennedybrücke aus jubeln schon die Ersten unserem Zieleinlauf hinter der Anlegestelle der Wasserschutzpolizei entgegen. Nach einer halben Stunde ist das Fackelschwimmen vorbei.

Beim erneuten Umziehen auf dem Parkplatz brauche ich Hilfe, der Anzug klebt regelrecht auf der Haut. Da stellt sich auch heraus, dass sich das Pflaster mit blanken Füßen noch viel kälter anfühlt, als der Rhein.