Sea Life in Königswinter: Frühjahrsputz im Sea Life-Aquarium

Sea Life in Königswinter : Frühjahrsputz im Sea Life-Aquarium

Einstieg hinter den Kulissen

Horst zeigt sich vom Frühjahrsputz maximal unbeeindruckt: Der gut einen Meter lange Wrackbarsch zieht stoisch seine Runden durch das 600.000 Liter fassende und sieben Meter tiefe Atlantikbecken im Königswinterer Sea Life, während Antje Schäfer-Hendricks den quer durch das Aquarium verlaufenden gläsernen Besuchertunnel mit einem Mikrofasertuch von Algen und kleineren Polypen säubert.

Die 56-jährige Taucherin betreibt mit ihrem Mann Horst Schulte einen Tauchclub im zu Holtorf gehörenden Beueler Ortsteil Ungarten. Alle paar Monate tragen die beiden ehrenamtlich dazu bei, dass die Besucher des Königswinterer Aquariums freie Sicht auf Haie, Rochen und eben Horst haben: „Meinem Namensvetter begegne ich mit dem allergrößten Respekt“, erzählt Schulte lachend, während er seiner Frau nach getaner Arbeit über eine kleine, hakelige Bootsleiter wieder aus dem Becken hilft.

Normalerweise sei das Tier zwar friedlich, aber wenn er in Panik gerate, könne der „schuppige Horst“ durchaus ganz schön feste zubeißen, erklärt der Tauchlehrer. Die Vertreter der verschiedenen Haiarten, die ebenfalls in dem Becken ihre Runden drehen, seien da deutlich zahmer.

Von den meisten Besuchern unbemerkt, gelangen die Taucher durch eine kleine Holztüre im Obergeschoss des Gebäudes hinter die Kulissen: Von der kleinen Plattform aus werden die Bewohner des Meeresaquariums nicht nur gefüttert oder gegebenenfalls mit Medikamenten versorgt: „Hier ist auch der Einstieg für unsere ehrenamtliche Putzkolonne“, erläutert Standortmanager Philipp Schöning.

Wobei das Wort Putzkolonne deutlich zu kurz greife: Vom eigentlichen Säubern über kleinere Ausbesserungsarbeiten bis zum Fangen „umzugswilliger“ Tiere reiche das Aufgabenfeld. Anfangs habe man noch versucht, eigene Tierpfleger zu Tauchern ausbilden zu lassen, die dann die anfälligen Unterwasserarbeiten hätten durchführen sollen. Leider sei allerdings die Personalfluktuation so groß gewesen, dass man ständig neue Kräfte hätte ausbilden müssen. „Da kam das Angebot der beiden Beueler Taucher gerade recht“, meint Schöning.

„Für uns ist das eine schöne Abwechslung – dazu kommt das gute Gefühl, sinnvolle Hilfe leisten zu können“, so Schulte. Wobei es durchaus auch mal traurige Anlässe gegeben habe: „Ich hatte schon einmal die undankbare Aufgabe, acht Totgeburten aus dem Becken zu bergen“, erinnert sich Schäfer-Hendricks. Die Nachzucht in Aquarien ist nicht immer ganz einfach und die jungen Glatthaie hatten den Schlupf aus den zwischen dem künstlichen Seetang hängenden Eiern nicht überlebt.

Ablenkung im nassen Alltag

Neben den eigentlichen Arbeiten sei auch die „Bespaßung“ der Fische ein wichtiger Faktor: Nicht nur sein Namensvetter wüsste nämlich ein bisschen Ablenkung vom nassen Alltag durchaus zu schätzen. Wichtig sei nur, dass man sich sehr vorsichtig und zurückhaltend bewege, damit keiner der Bewohner des Aquariums in Panik geraten könne.

Davon sind die „Hausherren“ allerdings weit entfernt: Mit sichtbarer Neugier beäugen zum Beispiel die Marmor-, Nagel- und Adlerrochen Schäfer-Hendricks’ Frühjahrsputz: Sie freuen sich allerdings weniger darüber, dass sie die Besucher im Tunnel nun wieder klar sehen können, als vielmehr über den „Free Lunch“, der aus den unzähligen abgewischten Mini-Polypen besteht.