Gespräch am Wochenende: Fasziniert von der Vielfalt der Musik

Gespräch am Wochenende : Fasziniert von der Vielfalt der Musik

Stefanie Ingenhaag, geborene Dröscher, 33 Jahre jung, ist bereits seit sechs Jahren Kantorin der Evangelischen Kirchengemeinde Oberkassel-Dollendorf. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Über ihre Aufgaben als Kantorin und ihre ersten Jahre hier sprach sie mit Rainer Schmidt.

Wie kamen Sie dazu, Orgel zu spielen?
Stefanie Ingenhaag: Ich hatte das große Glück, dass ich in meiner Heimatgemeinde in Rheinland-Pfalz eine Lehrerin hatte, die selbst Kantorin war. Bei ihr hatte ich zunächst Klavierunterricht. Als ich elf war, fragte sie mich, ob ich mal ausprobieren möchte, Orgel zu spielen. Ich habe dann ein paar Stunden bei ihr genommen, und es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin.

Wie ist es, wenn man erstmals an einer Orgel sitzt?
Ingenhaag: Für mich war es hilfreich, dass ich zuvor schon Klavier gespielt habe, obwohl es eine andere Technik ist und die Füße noch hinzukommen. Es war einfach toll, am Spieltisch zu sitzen an einer Orgel, die ich schon von Kleinkind an gehört habe.

Haben Sie eine Lieblingsorgel?
Ingenhaag: In der Großen Evangelischen Kirche in Oberkassel spiele ich auf einer Orgel vom Kölner Orgelbauer Peter, in Dollendorf haben wir eine Klais-Orgel, aber eine Lieblingsorgel habe ich nicht. Ich mag grundsätzlich gerne romantische Orgeln mit einem runden und warmen Klang.

Wo und wie war Ihre musikalische Ausbildung?
Ingenhaag: Ich habe Kirchenmusik in Heidelberg und Bremen studiert. Das Studium beinhaltet Orgel und Klavier, aber auch Gesang und Chor- sowie Orchesterleitung, außerdem viele theoretische Fächer.

Welche Instrumente spielen Sie noch außer Orgel?
Ingenhaag: Klavier spiele ich immer noch, auch in den Gottesdiensten und Konzerten. Früher habe ich auch verschiedene Blockflöten gespielt.

Was machen Sie musikalisch in der Gemeinde außer im Gottesdienst Orgel zu spielen?
Ingenhaag: Wir haben verschiedene Chöre in der Gemeinde, die ich leite. Da ist der Erwachsenenchor, der zwei größere Konzerte im Jahr mit Solisten und Orchester gibt. Hinzu kommen insgesamt fünf Kinderchöre und ein Jugendchor. Mit allen Gruppen singe ich regelmäßig in den Gottesdiensten. Mit der Gruppe der älteren Kinder (2. bis 5. Klasse) führe ich einmal im Jahr ein Musical auf. Außerdem haben wir in der Gemeinde ein kleines Kammerorchester, mit dem ich immer im Frühjahr ein Konzert gebe.

War das hier in Oberkassel Ihre erste Stelle und wie lief Ihre Bewerbung?
Ingenhaag: In der Fachzeitschrift "Forum Kirchenmusik" sind deutschlandweit Kirchenmusikstellen ausgeschrieben. In meiner Abschlussphase 2011 in Bremen habe ich diese Zeitschrift durchgeblättert und mich einfach mal auf einige Stellen beworben. Ich war glücklich, dass es mit dieser Bewerbung, meiner ersten, geklappt hat. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass die Lage zwischen Rhein und dem Siebengebirge das richtige für mich ist.

Was fasziniert Sie an der Kirchenmusik? Haben Sie einen Lieblingskomponisten?
Ingenhaag: Die Vielfalt und die Bandbreite, die die Kirchenmusik seit so vielen Jahrhunderten bietet, fasziniert mich einfach. Außerdem finde ich es toll, diese Vielfalt auch an Gruppen und mit Menschen zu haben und mit diesen aus vielen Anlässen zu musizieren. Die Frage nach einem Lieblingskomponisten ist schwer zu beantworten, denn es gibt so viele gute Komponisten. Aber Bach finde ich einfach immer wieder toll.

Und was werden Sie einmal musikalisch machen, wenn Sie 60 sind?
Ingenhaag: Ich kann mir im Moment nichts anderes vorstellen, als dann immer noch Kantorin zu sein. Meinen Beruf finde ich ganz toll, ich habe die richtige Wahl getroffen.

Zur Person

Stefanie Ingenhaag wurde im Jahr 1985 in der Pfalz geboren. Sie studierte Kirchenmusik in Heidelberg und Bremen. Seit 2012 ist sie Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde Oberkassel-Dollendorf.

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