Neuer Weg für LKW: Evonik verlegt das Werkstor

Neuer Weg für LKW : Evonik verlegt das Werkstor

20 Lastwagen fahren jeden Tag am Beueler Standort der Evonik ein und aus. In der alten Werkseinfahrt haben aber nur zwei Lkw Platz, weshalb die Siegburger Straße immer verstopft ist, sobald ein dritter kommt. Das soll nun nicht mehr passieren: Innerhalb von vier Monaten hat der Chemiekonzern das Werkstor ins Innere des Geländes verlegt.

"Damit dürfte die Straße nicht mehr blockiert sein", sagte Standortleiter Gerd Wolter bei der gestrigen Inbetriebnahme.

Die Zustände waren teils chaotisch. Der Verkehr staute sich auf mehreren Hundert Metern die Siegburger Straße hinauf. Aber auch die Kreuzung zur Königswinterer Straße hin war betroffen, wenn ein schwerer Laster sie lahmlegte, weil er nicht einfahren konnte. "Wir haben natürlich versucht, An- und Ablieferung zu steuern", so Wolter.

Das habe jedoch nicht immer funktioniert, weil Verkehrsbehinderungen auf anderen Straßen die Kraftfahrer aufhielten. "Damit der Verkehrsfluss weiter verbessert wird, müsste die Ampelkreuzung durch einen Kreisverkehr ersetzt werden", sagte Wolter. Wie berichtet, braucht die Stadt Bonn dafür Flächen des Konzerns. Eine Evonik-Sprecherin hatte im Juni mitgeteilt, dass man grundsätzlich dazu bereit sei.

"Da die Planungen noch nicht hinreichend konkretisiert sind, liegt uns aktuell kein konkreter Grunderwerbswunsch vor", so Edda Schulze. Die Verkehrsanbindung als solche ist für Wolter ein Plus: Man sei nicht weit von den Autobahnen 59 und 565 entfernt. Die Produktionsstätte in Beuel ist kein eigenständiger Standort, sondern gehört zu dem in Wesseling. Dort ist auch die Verwaltung untergebracht. An der Siegburger Straße werden Mattierungsmittel hergestellt.

"Die Wahrscheinlichkeit, beim Kauf von Möbeln eine matt lackierte Oberfläche mit Bestandteilen aus Beuel zu haben, ist sehr hoch", erklärte Betriebsleiter Stefan Fiedler. Weitere Anwendungsbereiche sind Maler-, Dekorations- und Industrielacke, aber auch Folien. Für die tägliche Produktion braucht es etwa einen Tankwagen Schwefelsäure und sechs Lastwagen mit Wasserglas. "Das ist flüssiger Quarzsand, der wie Wasser aussieht", sagte Fiedler. Aktuell sei das Werk ausgelastet, weil Mattierungen im Trend lägen. "Man sieht auch immer öfter Autos, die matte Lacke haben", so Fiedler.

Konkrete Pläne, den Standort in Beuel zu vergrößern oder zu verkleinern, gebe es laut Gerd Wolter nicht. Vor einigen Jahren wurde der Großteil der alten Marquart-Hallen abgerissen, weshalb es nun viele Freiflächen gibt. Die machten erst möglich, dass die Einfahrt verlegt wurde.

Chemiestandort seit mehr als 100 Jahren

Evonik hat vor einigen Jahren das 1891 von Bonn nach Beuel verlagerte Chemie-Werk Marquart übernommen und die Aktivitäten auf dem fünf Hektar großen Areal umstrukturiert. Etwa 40 Mitarbeiter produzieren dort Mattierungsmittel zum Beispiel für Farben und Lacke. Seit 2001 wurden nach und nach mehrere Gebäudeteile abgerissen: Kantine, Speisesaal, Kesselhaus, Ölschieberhütte und der Verwaltungssitz direkt an der Kreuzung. Mehr als 10 000 Quadratmeter liegen heute brach. Die Nutzung der Freiflächen hänge laut Evonik von einem konkreten Verkehrskonzept ab, das eine gute Erschließung des Standortes sicherstellt.