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Güterbahnhof Beuel: Eisenbahner wollen Weichen neu stellen

Güterbahnhof Beuel : Eisenbahner wollen Weichen neu stellen

Die Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) will einen erneuten Anlauf starten, um den Beueler Güterbahnhof als Umschlagplatz für Handelsgüter langfristig zu sichern und parallel als Hauptverladestation für die Region auszubauen.

"In der jüngsten Vergangenheit haben wir viele Gespräche mit Firmen, Kommunen und Verbänden geführt, um die Stimmungslage einzufangen und die Bereitschaft abzuklopfen, wen wir an unserer Seite haben", erklärte RSE-Geschäftsführer Rainer Bohnet in einem Gespräch mit dem GA.

Dabei kristallisierte sich heraus, dass es mehrere Firmen in der Region gibt, die ihre Produkte und Waren vermehrt über die Schiene transportieren wollen. Auslöser für die RSE-Initiative ist das vor einem Jahr vom Rhein-Sieg-Kreis veröffentlichte Gutachten über die "Potenziale für den Schienengüterverkehr in der Region Bonn/Rhein-Sieg".

"Das Kölner Fachbüro KE-Consult kommt darin zu der Erkenntnis, dass dem Güterbahnhof Beuel im konventionellen Schienengüterverkehr eine einmalige Position in der gesamten Region Rhein/Sieg/Ahr zukommt", sagte Bohnet. Hauptgründe für diese Einschätzung seien die gute verkehrliche Anbindung und die intakten, zugänglichen Gleisanlagen. Alle anderen untersuchten Güterbahnhofsstandorte in der Region stehen laut Gutachter als öffentlicher Umschlageplatz aus unterschiedlichen Gründen nicht zur Verfügung, so Bohnet.

Allerdings, und das bereitet dem RSE-Team Sorgen, stufen die Gutachter den Standort Beuel als gefährdet ein. Grund: Der geplante Bau der Schnellbahnverbindung S13 von Troisdorf nach Oberkassel. Während der Bauphase, die nach Experten-Meinung nicht vor 2017 beginnen wird, fällt die komplette Ladestraße der RSE weg, weil die Deutsche Bahn (DB) als Grundstückseigentümer das Gelände als Baustelleneinrichtungsfläche nutzen will.

Nach Auskunft von Bohnet hat die DB der RSE mitgeteilt, dass sie die Laderampe für ungefähr fünf Jahre in Beschlag nehmen wird. "Wenn wir gemeinsam zu keiner anderen Lösung kommen sollten, könnte es für die RSE am Standort Beuel eng werden", mutmaßt Bohnet.

Er hat sich in den vergangenen Monaten intensiv nach einem Alternativstandort umgeschaut, kommt aber ebenso wie das Fachbüro aus Köln zu der Erkenntnis, dass es keinen verfügbaren Ausweichplatz in der Region gibt. Für den Ernstfall hat Bohnet einen Lösungsansatz für das Problem entwickelt: Es muss auf dem Güterbahnhofsgelände eine neue Laderampe errichtet werden. Platz wäre zwischen der heutigen Rampe und der Königswinterer Straße genug. "Die Kosten müssten allerdings noch ermittelt werden.

Eine Bezuschussung durch das Gleisanschlussförderprogramm des Bundes und eine Förderung durch EU-Mittel sind möglich. Dadurch kann die Investitionssumme deutlich reduziert werden", betonte Bohnet. Grundsätzlich muss sich die RSE keine Sorgen um ihre Zukunft machen. Der Betrieb besitzt laut Bohnet als Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen zwar keinen Rechtsanspruch auf Güterumschlag, dafür aber einen Rechtsanspruch auf Anschluss an das DB-Netz. "Es muss also eine Lösung gefunden werden, um unsere Existenz zu sichern", so der Geschäftsführer.

Enttäuscht ist Bohnet von der Stadt Bonn, die seiner Meinung nach kaum Interesse am Güterbahnhof Beuel bekundet. "Die Bundesstadt hat sich weder an dem Gutachten beteiligt noch sonst Initiativen zur Rettung des Standortes ergriffen", ärgert sich der RSE-Geschäftsführer. Enttäuscht sei er auch von einer Äußerung von Bonns Wirtschaftsförderin Victoria Appelbee gewesen, die sich Mitte Oktober bei einer Podiumsdiskussion der Gewerbe-Gemeinschaft Beuel nicht eindeutig zum Güterbahnhof bekannt habe.

"Die Stadt schiebt immer wieder die S13 als Grund für ihre Untätigkeit bei diesem Thema vor. Warum treffen sich Politik, Verwaltung und Wirtschaftsunternehmen nicht mal in Beuel und schauen sich die Potenziale des Güterbahnhofs genau an", fragt sich Bohnet. Wenn der Standort mit Hilfe der Stadt und der DB ausgebaut und damit langfristig gesichert werden könnte, würden RSE und der VW-Entfallteiledienst in ihre Unternehmen investieren. "Beide Firmen haben Ausbaupläne in den Schubladen und wären bereit, Neubauten zu errichten", so Bohnet.

Güterbahnhöfe in der Region

Sieben weitere mögliche Standorte für einen Güterbahnhof hat der Gutachter untersucht und alle verworfen. Untersucht wurden: Güterbahnhof Bonn (kein Containerumschlag möglich, weil die DB alle Flächen verkauft hat), Sankt Augustin-Menden (Flächen für den Bau der S13 verkauft), Troisdorf-Friedrich-Wilhelmshütte (Mannstaedt-Werke stimmen einer Mitnutzung ihrer Gleisflächen wegen eigener Expansionswünsche nicht zu), Troisdorf Industriepark (Stadt Troisdorf ist wegen der Zunahme des Lkw-Verkehrs dagegen), Troisdorf Zündorfer Weg (Fläche liegt im Naturschutzgebiet), Bornheim-Sechtem (Stadt Bornheim lehnt dort Schienengüterverkehr ab) und Niederkassel-Lülsdorf (Evonik AG lehnt Mitnutzung der eigenen Gleisanlagen ab).

Stellungnahme der Stadt Bonn

Für die Stadt Bonn hat die Realisierung der S13 am Bahnhof Beuel Priorität. Marc Hoffmann vom Presseamt: "Da das Gelände als Eisenbahnverkehrsfläche gewidmet ist, wäre dort eine Verstärkung der Aktivitäten im Schienengüterverkehr möglich, soweit die im Rahmen der Planfeststellung der S13 getroffenen Regelungen sowie der von der Oberen Denkmalbehörde verfügte Denkmalschutz für die Anlagen des Güterbahnhofs auch außerhalb des zu translozierenden historischen Güterschuppens beachtet werden. Die DB als Grundstückseigentümerin und Betreiberin der Hauptstrecke, an die der Güterbahnhof angeschlossen ist, wäre zu beteiligen." Fehlendes Geld und Personal nennt die Stadt als Grund für die Nichtbeteiligung am Güterverkehrsgutachten.