Das Museum in der Wagnergasse: Eintritt damals nur mit zwei Briketts

Das Museum in der Wagnergasse : Eintritt damals nur mit zwei Briketts

Im März 1947 wurde der Beueler Heimatverein gegründet. Heute hat er 400 Mitglieder, wirbt aber um jüngere Menschen.

Der Winter 1946/47 war bitterkalt. Eine lange, eisige Frostperiode machte den Menschen das Leben schwer. Wem sich die Gelegenheit bot, der „fringste“ Kohlen, um wenigsten für ein paar Stunden im Warmen zu sitzen. „Dafür war der Sommer 1947 extrem heiß“, weiß Inke Kuster vom Beueler Heimat- und Geschichtsverein. „Hitze und extreme Trockenheit ließen die Ernte auf den Feldern verdorren.“

Doch es herrschte Aufbruchsstimmung. Nach den Entbehrungen der vergangenen Jahre wollte man wieder selbstbewusst in eine sichere und vor allem friedvolle Zukunft schauen. „Es gab nur eine einzige Blickrichtung – und zwar nach vorne“, ergänzt Volker Engel. Um diesen Vorsatz in die Tat umzusetzen, trafen sich 13 Beueler Bürger am 8. März 1947 und gründeten einen „Heimatverein“.

„Auch zwei Frauen haben die Gründungsurkunde unterschrieben. Das ist schon eine kleine Sensation“, bemerkt Gertrude Jöbsch, die heutige Geschäftsführerin. Zweck des Vereins ist die Heimatpflege, die Erforschung von Geschichte und Brauchtum sowie die Förderung des Geschichtsbewusstseins.

Erster Vorsitzender war der Kunsthistoriker und Hochschullehrer Heinrich Neu. Schon im Gründungsjahr wurde eine erste Ausstellung konzipiert, die die Entwicklung des Rechtsrheinischen von der Urgeschichte an zeigte.

„Zu sehen war ein Stück Mammutzahn und der Abguss einer römischen Figur“, erzählt Inke Kuster beim Durchblättern des damaligen Katalogs. „Da hatte man sich wirklich sehr viel Mühe gegeben“, bemerkt sie anerkennend.

„Zu Beginn war es sicher eine Art Selbsthilfeverein“, meint Volker Engel, der die Vereinigung heute als Vorsitzender führt. Gerade den Flüchtlingen, die sich in der Region niedergelassen hatten, wollte man einen Einblick in die Beueler Geschichte und ihnen so ein Stück Heimat geben. „Die Organisation von Lebensmitteln, Kleidern, Gartenland und Wohnraum war in den ersten Monaten allerdings das vorrangige Ziel“, so Kuster.

Doch es ging aufwärts. Bereits 1947 wurde gemeinsam ein Silvesterball gefeiert. „Dafür musste jeder Gast zwei Briketts mitbringen“, fand Engel einen entsprechenden Hinweis in den Aufzeichnungen.

Nach diversen Ausweichmöglichkeiten bezog der neue Verein schließlich ein Domizil in der Beueler Goetheallee. „Doch man hatte mittlerweile so viele Exponate gesammelt, dass dieses Quartier aus allen Nähten platzte“, blicken die Vorstandsmitglieder zurück.

Ein Glücksfall, dass die Gemeinschaft 1986 in das älteste Fachwerkhaus Beuels an der heutigen Wagnergasse einziehen konnte. Dort betreibt der Verein das Heimatmuseum Beuel, das erste stadtgeschichtliche Heimat- und Freilichtmuseum Bonns. Bei der Jahreshauptversammlung am 29. Januar 1987 beschloss man schließlich die Umbenennung in „Heimat- und Geschichtsverein Beuel am Rhein e.V.“ Heute hat der Verein 400 Mitglieder.

Auf den Lorbeeren ausruhen will sich der Vorstand auch nach 70 Jahren allerdings nicht. So wird am 17. März die Ausstellung „200 Jahre historische Karten der Landesaufnahmen am Beispiel des Beueler Raums“ eröffnet, unter dem Titel „Pilger, Pluute, Prumme“ gibt es ab Juni einzigartige Exponate zu Pützchens Markt im Heimatmuseum zu sehen. „Natürlich bieten wir auch in diesem Jahr wieder unsere Aktionssonntage zu ganz unterschiedlichen Themen an“, so Engel – „und seit 20 Jahren unternehmen wir Studienfahrten“, ergänzt Gertrude Jöbsch,

Einen Wunsch hat der Vorstand zum Geburtstag: „Es wäre schön, wenn sich auch jüngere Beueler bei uns engagieren. Wir nehmen gerne neue Mitglieder auf.“ Wer Interesse hat, der kann sich unter www.hgv-beuel.de melden.