1. Bonn
  2. Beuel

Amtsgericht informiert: Einspruch gegen Vorstandswahlen beim Heimatverein Beuel

Amtsgericht informiert : Einspruch gegen Vorstandswahlen beim Heimatverein Beuel

Das Ränkespiel um die Gültigkeit der Vorstandswahlen beim Heimat- und Geschichtsverein Beuel (HGV) geht in die nächste Runde. Danielle Wiesner-von den Driesch hat das Amtsgericht Bonn über angebliche Unregelmäßigkeiten bei den Wahlvorgängen informiert.

Danielle Wiesner-von den Driesch hat ihre Ankündigung wahrgemacht und das Amtsgericht Bonn über angebliche Unregelmäßigkeiten bei den Vorstandswahlen informiert. Sie fordert eine Absetzung des neu gewählten Vorstands des Heimat- und Geschichtsvereins Beuel (HGV) und anschließende Neuwahlen. Auf Nachfrage des GA teilte die Pressestelle des Amtsgerichts mit, dass „wegen der derzeitigen Umstände“ noch keine Stellungnahme zu dem Fall abgegeben werden könnte.

Was ist geschehen? Danielle Wiesner-von den Driesch kündigte bereits nach den Vorstandswahlen am 12. März noch während der HGV-Jahreshauptversammlung an, dass sie aus verschiedenen Gründen die Wahlen anfechten werde. Wenige Tage später folgte der Einspruch beim Vereinsregister des Amtsgerichts.

So hat sich der neue Vorstand des Heimatvereins um den Vorsitzenden Thomas Raderschall (3.v.l.) im Rathaus vorgestellt. Foto: Rainer Schmidt

Es seien "grobe Fehler" gemacht worden

Danielle Wiesner-von den Driesch, die nach GA-Informationen für nahezu alle anwesenden HGV-Mitglieder überraschend selbst für den Vorsitz im Verein kandidierte und ihrem Gegenkandidaten nach Stimmenanzahl deutlich unterlag, sagte jetzt dem GA: „Die groben Fehler des Wahlleiters machten eine Anfechtung für mich als Demokratin unumgänglich. Der Ausgang der Wahlen an sich ist dabei völlig unerheblich. Für mich sind das rein juristische Gründe.“

Als grobe Fehler bezeichnet sie, dass Personen wählen durften, die zum Stichtag noch gar nicht ordentliche Mitglieder im Verein waren, dass eine dieser Personen sogar für ein Amt kandidierte und gewählt wurde, dass der Wahlleiter einen Wahlgang leitete, für den er selber kandidierte, dass es für jeden Wahlgang hätte nur einen Stimmzettel pro Person geben dürfen und dass einer der Kandidaten selber die Stimmzettel eingesammelt hat.

Zu diesen Vorwürfen bezog Wahlleiter Wolf Lenze gegenüber dem GA Stellung: „Die Gültigkeit der Stimmrechte der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder wurde bestätigt. Die Unterstellung eines fragwürdigen und parteiischen Verhaltens im Rahmen der mir übertragenen Wahlleitung weise ich entschieden zurück.“ Als Konsequenz ihres Missfallens hat Danielle Wiesner ihren Austritt aus dem Verein zum Jahresende erklärt.

Vorstand weist Kritik zurück

„Der Vorstand des HGV betont, dass er eine formal ordentliche Mitgliederversammlung durchgeführt hat und erklärt die Anfechtung der Wahlen von Frau Wiesner-von den Driesch für haltlos. "Er hat die Angelegenheit seinem Rechtsvertreter Werner Koch übergeben“, heißt es in der Stellungnahme des Vereins für den GA.

„Meine Motivation, überhaupt zur Wahl anzutreten“, teilte Wiesner-von den Driesch auf Anfrage mit, „war, dass ich gesehen habe, dass der Vorstand überaltert ist und dass die Geschäftsführerin aufhören wollte. Außerdem war ich angesprochen worden, ob ich nicht Lust hätte, in verantwortlicher Position im Verein mitzuarbeiten. Deshalb dachte ich mir, ich sei die richtige Frau für diesen Posten.“ Bis zwei Tage vor der Wahl habe man sie im Glauben gelassen, es würden nur drei bis vier der bisherigen Vorstandsmitglieder wieder kandidieren. „Die Vorgänge auf der Mitgliederversammlung stellten sich dann aus meiner Sicht als abgesprochene Intrige dar“, betonte Wiesner-von den Driesch.

Dennoch habe sie am Ende des Wahlabends sowohl HGV-Geschäftsführerin ePetra Clemens als auch dem stellvertretenden HGV-Vorsitzenden Rainer Krippendorff signalisiert, dass sie immer für Gespräche offen sei. Die Bemerkung von Krippendorff, dass sie sich „strafbar“ gemacht habe (der GA berichtete), habe sie tief getroffen.

Nachwuchs fördern statt vergraulen

„Der Heimat- und Geschichtsverein und das Museum müssen erhalten bleiben, aber ich scheine ja nicht die Richtige zu sein, die hier etwas bewirken kann. Ich bin schon ziemlich unglücklich, dass es so ist, wie es ist“, sagte sie jetzt mit ein paar Tagen Abstand. Sie ist zur Erkenntnis gekommen, dass sie die persönlichen Beziehungen und die Strukturen im Verein falsch eingeschätzt habe. Auch sei ihre Anmerkung über die Verschönerung des Museums und die Verjüngung verantwortlicher Mitarbeiter nicht gut angekommen: „Man schreckt immer nur auf, wenn jemand wie Herr Schmerbeck stirbt. Doch einen geordneten Übergang an Jüngere, das macht man nicht.“

Eines hätten ihre Worte, mutmaßt sie, jedoch bewirkt: Sie hätten die Altvorderen noch mehr zusammengeschweißt. „Bei allem Respekt vor dem Alter sollten sich allmählich vergreisende Vereine fragen, wie sie mit der Überalterung ihrer Vorstände und dem fehlenden Nachwuchs in der Mitgliedschaft umgehen wollen?“, äußerte sich Wiesner-von den Driesch gegenüber dem GA.

Viel klüger wäre es doch, „Macht“ rechtzeitig zu übertragen und den Nachwuchs kräftig zu fördern anstatt ihn mit Argumenten wie „man muss sich erst hochdienen“ zu vergraulen. Nur so würden sich Jüngere für die Vereine finden, die guten Willens seien, ihr Knowhow in den Heimat- und Geschichtsverein einzubringen und ehrenamtlich, natürlich in Kooperation mit den Alten, mitzuarbeiten, so Wiesner-von den Driesch.