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Eins der bedeutendsten Glockenspiele Deutschlands

Carilloneurin Ariane Toffel aus Beuel : Wer auf einem der bedeutendsten Glockenspiele Deutschlands musiziert

Carilloneurin Ariane Toffel musiziert häufig auf dem St.-Adelheidis-Spiel in der Kirche St. Josef. Mit seinen 62 Glocken ist es eines der größten und bedeutendsten in Deutschland.

Im Turm der Beueler Josefskirche hängt neben den klassischen Kirchenglocken ein besonders Geläut aus vielen unterschiedlich großen Glocken, das täglich zum Klingen gebracht wird: ein Carillon. Ein weiteres hängt beziehungsweise steht in Bad Godesberg – und seit zwei Jahren gibt es in Beuel auch ein mobiles, das bei Veranstaltungen eingesetzt werden kann. Es sind besondere Kompositionen, die ausgebildete Carrilloneure auf diesen Glockenspielen zum Klingen bringen.

In Beuel ist es neben Andreas Strauß und Georg Wagner die studierte Carilloneurin Ariane Toffel. In einem illustrierten Vortrag gab sie in der Burg Lede im Rahmen des Stroof-Kollegs des Denkmal- und Geschichtsvereins Bonn-Rechtsrheinisch den gut 30 Besuchern einen Einblick in die Geschichte und die Konstruktion dieser Musikinstrumente sowie in die Kunst dieses Glockenspielens.

Carillon ist die französische Bezeichnung für ein „Turmglockenspiel“. Der Name ist von „quatrillionem“ abgeleitet, dem rhythmischen Anschlag von vier Glocken, wie er bereits im 14. Jahrhundert vom Turmwächter angewandt wurde. Früher, so Toffel, hatten die Kirchenglocken eine Signalfunktion. Sie wurden nicht nur zu Messen oder Gottesdiensten geläutet, sondern auch bei Brand oder Sturm, bei Geburten oder Todesfällen. Und sie teilten die Uhrzeit mit. „So dass auch der Bauer im Feld wusste, was die Uhr geschlagen hat“. Damit auch jeder die genaue Zeit hören und nicht etwa den ersten Schlag verpassen konnte, gäbe es oft noch ein Glockenvorspiel. So kam es, dass gewöhnliche Kirchenglocken zu einem Glockenspiel wurden, der Glöckner zum Musiker.

Das sind einige der Glocken in St. Josef, deren Klöppel durch den Carillonneur bewegt werden., Foto: Rainer Schmidt

Bereits ab drei Glocken kann eine bescheidene Melodie intoniert werden. Doch wie wird eigentlich gespielt? Bei der ältesten überlieferten Form werden Seile an Klöppeln befestigt, damit der Glöckner die Glocken anschlagen kann. Diese direkte Spielweise wird „Beiern“ genannt. „Dieses auch im Rheinland besonders bekannte Beiern darf nicht mit dem Bespielen eines Carillons verwechselt werden“, schreibt Claus Werner Müller in seinem Buch „Das St. Adelheidis-Spiel“. Beim Beiern wird direkt gespielt, das heißt der Glockenspieler hat die Seile zum Klöppel direkt an der Hand oder am Bein, kann also maximal vier Glocken bespielen, während der Carillon-Spieler an einem Spieltisch sitzt und auf Tasten mit der seitlich gehaltenen Faust einschlägt, also indirekt spielt. Das fahrbare Carillon in Beuel wird dementsprechend gebeiert.

Das Glockenspiel in St. Josef ist hingegen ein klassisches Carillon. Gespielt wird oben im Turm an einem Spieltisch oder an einer Klaviatur. Oder mechanisch, ähnlich wie eine Drehorgel. „Und man darf nur spielen“, so Töffel, „wenn man es kann.“ So hat sie sich gleich zwei Carillons in ihr Haus geholt, um mit ihrem Mann, Georg Wagner, zu üben.

Das „St. Adelheidis-Spiel“, wie das Glockenspiel in Beuel genannt wird, eines der größten und bedeutendsten in Deutschland, hat 62 Glocken. Dass es heute überhaupt erklingen kann, hat Beuel größtenteils dem Schiffer-Verein zu verdanken, der sich für die Restaurierung eingesetzt hat. Seit 2010 erklingt es wieder über den Dächern von Beuel. Und man hat es Menschen wie Ariane Toffel und ihren Carillons-Kollegen zu verdanken, die mit Leidenschaft und großem Können die Glocken erklingen lassen.

Wenn das Ehepaar Toffel-Wagner in Urlaub fährt, dann nur zu solchen Orten, wo auch Carillon gespielt wird. Denn die Verschiedenheit der ‚Instrumente‘ macht es für beide sehr interessant. So wundert es nicht, war abschließend auf Burg Lede zu erfahren, dass sie mit ihrer Erfahrung und mit ihrem Können zum Carillonspielen europaweit eingeladen werden.