Städtepartnerschaft zwischen Beuel und Mirecourt: Eine Glocke, zwei Orte, 50 Jahre Freundschaft

Städtepartnerschaft zwischen Beuel und Mirecourt : Eine Glocke, zwei Orte, 50 Jahre Freundschaft

Es sind diese kleinen Gesten, die Freundschaft und Verbundenheit zwischen Beuelern und Mirecourtern ungeschminkt widerspiegeln. Ein Bild, das Bände spricht: Wenn sich die Ehrenvorsitzenden der beiden Partnerschaftskomitees, Hans Lennarz und Jean-Marie Bastien, in die Arme nehmen und sich voneinander verabschieden, dann sagen sich zwei gute alte Freunde: "Au revoir, mon ami - auf Wiedersehen, mein Freund".

Das geschah gestern Nachmittag, als sich die französische Delegation von ihren deutschen Gastgebern verabschiedete. Zuvor hatte man zwei Tage lang den 50. Jahrestag der Glockenrückrückführung von Mirecourt nach Beuel festlich gefeiert.

52 Franzosen waren aus der kleinen Vogesenstadt an den Rhein gereist, um sich mit deutschen Freunden an ein Ereignis zu erinnern, dass in der deutsch-französischen Aussöhnung ein Alleinstellungsmerkmal besitzt. Keine Geringeren als Napoleon, Papst Paul VI., Konrad Adenauer und Charles de Gaulles spielen in dieser ungewöhnlichen Geschichte (siehe Kasten) eine Rolle. Und eben an diese Besonderheit erinnerten Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus, Mirecourts Bürgermeister Yves Séjourné, der Generalvikar der Diözese St. Dié, Claude Durupt, und Beuels Dechant Wilfried Evertz in ihren Festansprachen.

Die heutigen Vorsitzenden der beiden Städtepartnerschaftskomitees, Klaus Ebert (Beuel) und Bernard Schmitt (Mirecourt), legten in ihren Grußworten besonderen Wert darauf, dass sich die Beziehungen und Austausche nicht nur auf der offiziellen Seite abspielen würden. Diese Partnerschaft werde vor allen in den Herzen vieler Bürger in beiden Städten gelebt. "Beuel ist mehr als zehn Mal so groß wie Mirecourt. Wenn man das berücksichtigt, erkennt man erst, was es bedeutet, dass sich 52 Mirecourter in einem Bus aufmachen, um für 24 Stunden zwei Mal 400 Kilometer zurückzulegen und dieses Glockenfest zu feiern", sagte Ebert.

Für diese knappe Zeit war das Besuchsprogramm mit vielen Höhenpunkten gespickt. Im Kurzdurchgang: Eröffnung einer Ausstellung über die Städtepartnerschaft im Heimatmuseum, Pflanzung einer Weinrebe auf dem Finkenberg, französischer Kulturabend im Zeughaus der Stadtsoldaten, zweisprachiges Festhochamt in der Doppelkirche, Festakt in Haus Michael und gemeinsames Mittagessen mit Ausklang der Fahrt im Restaurant Assenmacher in Schwarzrheindorf. Die Dolmetscherinnen Elke Kiesel und Regina Haunhorst konnten kaum durchatmen, ständig waren sie gefordert.

Trotz des engen Programms kam es immer wieder zu bewegenden Momenten. Zum Beispiel nach dem Festhochamt, als die Glocke "Michael" - der wahre Verursacher der Städtepartnerschaft - minutenlang geläutet wurde, bahnten Stille und Gedenken sich den Weg in der Doppelkirche. Oder als Lucie Claude, die vielen Beuelern seit 1994 als Wäscherprinzessin Lucie I. liebevoll in Erinnerung geblieben ist, den Festteilnehmer 300 kleine selbstgebastelte Glocken als Anstecker schenkte. Oder als Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch Hans Lennarz als "Apostel einer einzigartigen Städtepartnerscherschaft" bezeichnete, applaudierten viele Gäste.

Déus und Séjourné versprachen, den Weg, den die "Väter und Mütter der Städtepartnerschaft" vor 50 Jahren eingeschlagen haben, weiterzugehen. Man werde versuchen, den Gedanken der Völkerverständigung an die nächste Generation weiterzugeben. "Wir haben jetzt die Verantwortung, die Arbeit fortzusetzen", sagte Déus. Über diese Worte freute sich besonders ein Mann, der die Feierlichkeiten mit der Gelassenheit des Alters aus den hinteren Reihen miterlebte: Kurt Krämer. Der 89-Jährige ist Zeitzeuge. Er nahm 1965 als Stadtverordneter von Beuel an der Glockenrückführung teil. "Es freut mich zu sehen, was sich daraus entwickelt hat."