Wäscheprinzessin Tessa I. in Beuel: Ein Herz für Pferde und den Karneval

Wäscheprinzessin Tessa I. in Beuel : Ein Herz für Pferde und den Karneval

Wer sich dem zweiten Zuhause der designierten Wäscherprinzessin nähern will, braucht ein Navi oder Ortskenntnis. In Oberscheuren bei Königswinter stehen Tessa Steimels Pferde. Mit durchaus schöner Aussicht, aber eben kleiner Anreise der Besitzerin.

"Ich schätze die Stallgemeinschaft hier, die ist so familiär", sagt die 20-Jährige, die am Samstag den Beueler Narrenthron erklimmen wird.

Dressurpferd "Falco", der als Ersatz für Rentner "Renzo" im März 2015 gekauft wurde, muss dann einen Monat auf Tessa verzichten. Die Uni Bonn ebenfalls. "Ich studiere Jura und könnte mir beruflich etwas mit Steuerrecht vorstellen." Der eher trockenen Materie steht der Einsatz fürs Brauchtum von klein auf gegenüber. Als Kinder starteten sie und ihr älterer Bruder Max bei den Stadtsoldaten durch. Auf eigene Initiative, nicht auf Drängen der Eltern. "Aber jetzt sind die beiden natürlich Feuer und Flamme für den Karneval."

Während Mutter und Vater einfach nur stolz sind, begleitet der Bruder, im Gegensatz zur "inaktiven" Tessa mittlerweile in der Kavallerie der Stadtsoldaten angekommen, die Auftritte mit kritischen Augen. "Bislang ist mir aber kein Fehler aufgefallen", sagt Max mit einem Schmunzeln. Die Chemie stimmt zwischen den Geschwistern.

Viele Bühnen, auf die die Wäscherprinzessin nun treten wird, kennt sie aus ihrer Zeit als tanzende Kadettin. Allerdings als Teil einer Gruppe. "Es gibt da schon die Angst vor dem ersten Ton, zudem denke ich immer, ich würde zu langsam sprechen", meint sie zu ihrer neuen Rolle. Ihre Proklamationsrede, "nicht zu kurz, nicht zu lang und in gebrochenem Platt", hat sie selbst geschrieben und mit Obermöhn Ina Harder überarbeitet. Darin wird sicher auch vorkommen, warum sie sich für das Amt beworben hat. "Ich finde Beuel schön, und es ehrt mich, das Brauchtum zu repräsentieren", meint sie. Man nimmt ihr das ab.

Das Kleid war vielleicht auch ein klitzekleines Argument. "Es ist wunderschön geworden, die Spitze habe ich selbst ausgesucht." Bei ihrer Größe von 1,80 Meter musste es ein neues Kleid sein, ältere hätten nicht gepasst.

Wie reagieren eigentlich Partner und Freunde, wenn man Prinzessin wird? "Mein Freund steht voll dahinter, kommt zu vielen Auftritten mit." Beim Weiberfastnachtszug wird er sogar mit zwei weiteren Freunden den Kamelle-Anreicher spielen. Und ihre zwei engsten Gefährtinnen hat sich die 20-Jährige ganz gewitzt als Wäscherinnen mit ins Boot geholt: Julia Resch (23) und Rebecca Kutscheid (22).

"Wir kennen uns schon immer, da unsere Eltern befreundet sind", sagt die neue Regentin, die seit 2014 Mitglied im Alten Beueler Damenkomitee ist. Außerdem wären da noch die Stadtsoldaten. "Ich kenne viele noch, und sie in meinem Rücken zu wissen, tut gut." Einige Freundinnen werden sogar an Weiberfastnacht statt nach Köln nach Beuel pilgern. Und dann hoffen, dass am 4. Februar vor allem der Sonnenaspekt aus ihrem Sessionsmotto trägt: "Ov Rään, Sönnche oder Schnii - Beuele Wieve sen su jeck wie nie."

Blieben noch die Eltern. Im Gegensatz zu Pferd Falco werden sie Tessa wieder häufiger sehen. "Ich werde öfter da schlafen." Zur Erholung, aber da ist sie ehrlich, auch damit ihre Mutter das Kleid über Nacht waschen kann. Für fleckfreie Auftritte, wie es sich für eine Wäscherprinzessin gehört.

[Die Damenkomitees]

Mehr von GA BONN