Vilich hofft auf EU-Fördergelder: Ein Bunker als Kulturzentrum

Vilich hofft auf EU-Fördergelder : Ein Bunker als Kulturzentrum

Die Stadt beantragt 1,5 Millionen Euro EU-Fördermittel für Projektpläne des Bürgervereins. Die Chancen für eine Bewilligung stehen bei fünf Prozent.

Es ist viel Arbeit für eine Fünf-Prozent-Wahrscheinlichkeit. Aber auch, wenn das Projekt nicht angenommen werden sollte, wird der Aufwand nicht umsonst gewesen sein: „Bonns Bunker baut Brücken“ lautet der Titel eines Projektkonzepts, mit dem der Bürgerverein Vilich-Müldorf sich gemeinsam mit der Stadt Bonn um Mittel aus einem EU-Förderprogramm bewirbt. Das haben die Vereinsmitglieder auf einer Versammlung nun offiziell und einstimmig beschlossen. Das ursprüngliche Kernthema „Urbane Landwirtschaft“ ist in dem neuen Entwurf nur noch ein Feld neben Sport, Brauchtum und Geschichte.

Bis zu 1,5 Millionen Euro könnte die Europäische Union im Rahmen ihres Programms „Urban Innovative Action“ in den kommenden drei Jahren beisteuern, um in dem Beueler Ortsteil „Integration und bürgerliches Miteinander“ zu fördern. Die Chancen, dass die Bewerbung für das erst im Jahr 2015 aus der Taufe gehobene Stadtentwicklungsprojekt auch positiv berücksichtigt würden, lägen bei ungefähr fünf Prozent, so Projektleiter Joachim Clemens. „Aber selbst, wenn wir abgelehnt werden, haben wir Unterlagen erarbeitet, mit denen wir uns dann auch bei anderen Förderprojekten bewerben könnten“, ergänzt Thomas Biedermann. Der entscheidende Hinweis auf das EU-Programm sei von der Stadt gekommen, so der Vorsitzende des Bürgervereins.

Über die Nutzungsmöglichkeiten konnten die Vilich-Müldorfer bereits im vergangenen Sommer mitentscheiden. Auf einer Bürgerversammlung definierten sie vor allem weitere Ziele für die Bereiche Sport und Brauchtum: So sollen zum Beispiel abschließbare Räume für Sportgeräte, große Umkleideräume und funktionierende Duschen her. Außerdem soll das vorhandene Sportportfolio mit Blick auf die Integrationsleistung des Sports durch neue Sportarten wie Volleyball oder Handball ausgeweitet werden.

Die Pflege und Vermittlung der „Rheinischen Identität“ liegt den Bürgern ebenfalls besonders am Herzen: Im Bereich Brauchtum wünschen sich die Bürger einen Raum für Vereinsinventar, einen Versammlungsraum oder eine Feuerstelle für Martinsfeuer als festen Ausgangs- und Schlusspunkt des Martinszugs sowie Umkleideräume für die Künstler und eine Ton- und Lichtanlage.

Das Ziel: Im Rahmen des Projekts sollen viele Menschen unterschiedlicher Herkunft in die lokalen Aktivitäten eingebunden und damit nicht zuletzt fremdenfeindlichen Tendenzen vorgebeugt werden. Biedermann ruft die Bürger zu tatkräftiger Mitarbeit und verstärktem Engagement auf: Nicht nur, um den Antrag zu unterstützen, sondern auch für die spätere Projektabwicklung wünscht er sich feste Zusagen der Ortsvereine und weiterer Gruppierungen. Nur so könne das Projekt im Falle eines positiven Förderbescheides auch verwirklicht werden.

Das Konzept kombiniere zentrale Aussagen der europäischen Idee, nämlich Integration verschiedener Nationalitäten und die Förderung der europäischen Ideale in der Bevölkerung mit einem Alleinstellungsmerkmal des Ortsteils, so Clemens. Als Alleinstellungsmerkmal diene der Hochbunker, der zu einem Zentrum für gemeinsames Arbeiten und kulturelle Aktivitäten umgewandelt werden solle.

„Das Förderprogramm bietet für die Stadt die Chance und die nötigen Mittel, aktuelle europäische Herausforderungen mit neuen erfolgversprechenden Lösungsansätzen zu begegnen“ so Lutz Udally vom Referat Stadtförderung. Nach der Zustimmung der Mitglieder des Bürgervereins sei nun die große Herausforderung, diese Idee im Antrag mit konkurrenzfähigen, innovativen Ansätzen und starken Partnern zu hinterlegen.

Den Projektantrag will die Stadt nun bis zum 14. April stellen. Im Falle eines positiven Bescheids müsste sie auch 20 Prozent der Investition übernehmen – die EU-Gelder werden als 80-prozentiger Zuschuss bereitgestellt.