1. Bonn
  2. Beuel

Ärger um "Checkpoint Charlie von Beuel": Eigentümer sperrt Straße für Anwohner in Pützchen

Ärger um "Checkpoint Charlie von Beuel" : Eigentümer sperrt Straße für Anwohner in Pützchen

Anwohner können die Abkürzung am "Checkpoint Charlie von Beuel" nicht mehr fahren. Die Eigentümer einer Privatstraße in Beuel-Pützchen haben diese mit Betonringen für den Verkehr gesperrt.

Vier Kanalrohre aus Beton gefüllt mit Schotter genügen, und schon wird in Pützchen aus einer kleinen Durchgangsstraße eine Sackgasse. Als „Checkpoint Charlie von Beuel“ bezeichnen Anwohner des Bröhlwegs und der Straße „Im Bonnet“ die Straßensperre mitten in ihrem Wohngebiet. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ – einen Zettel mit dem Zitat von Walter Ulbricht hatten verärgerte Anlieger erst vor wenigen Tagen an den Betonringen angebracht.

Der neue „Grenzstreifen“ stößt im Ort auf geteiltes Echo. Während sich die Anlieger nahe der Müldorfer Straße darüber freuen, dass sie nun in einer verkehrsberuhigten Zone leben, schimpfen andere darüber, dass sie gezwungen sind, Umwege zu nehmen.

„Seit Jahrzehnten benutzen wir diesen Weg, um zu unserem Haus zu kommen. Als wir jetzt aus dem Urlaub zurückkehrten, standen die Sperren plötzlich mitten auf der Straße“, ärgert sich Marga Wester, die dort seit 31 Jahren wohnt. Mehr als 60 Jahre sei die Straße von allen genutzt worden. In einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“, so erzählt ein Nachbar aus dem Bröhlweg, seien die großen Kanalrohre aufgestellt und mit Schotter gefüllt worden. Informiert worden sei man nicht.

Verwaltung ist nicht gefragt

Die Sperrung der Straße wurde allerdings nicht von der Stadt angeordnet. „Damit haben wir nichts zu tun“, versichert Isabel Klotz vom Presseamt auf GA-Anfrage. „Es handelt sich um eine Privatstraße. Der Eigentümer hat das offenbar veranlasst.“ Nach Informationen der Nachbarn gehört die Straße einer Erbengemeinschaft im Ausland. „Jeder kann sein Eigentum absperren“, sagte Klotz. „Wenn ein Eigentümer den Zugang zu seinem Grundstück blockieren will, dann können wir auch nicht tätig werden.“

Allerdings gelte der Grundsatz „Eigentum verpflichtet“, und der Besitzer muss die Verkehrssicherheit gewährleisten. „Wahrscheinlich ist das der Grund für die Sperrung“, mutmaßt ein Anwohner. Denn der private Streckenabschnitt ist in keinem guten Zustand. Durch den Durchgangsverkehr seien immer wieder Straßenschäden entstanden, die der Besitzer auf seine Kosten beseitigen musste. An der Straßeneinfahrt von der Müldorfer Straße aus weist ein Schild darauf hin, dass es sich um eine Privatstraße handelt.

Mittlerweile haben die verärgerten Anlieger Kommunalpolitiker auf das Problem aufmerksam gemacht. Sie trafen sich mit CDU-Ratsherr Reiner Burgunder und dem CDU-Bezirksverordneten Hans Seidl an Ort und Stelle. „Wir müssen hier einen Weg finden, der für alle vertretbar ist und in persönlichen Gesprächen eine einvernehmliche Lösung suchen“, sagte Burgunder. „Wir werden über dieses Thema noch einmal mit der Verwaltung sprechen“, versicherte er.

Unter einen Hut lassen sich die verschiedenen Interessen jedoch nicht so einfach bringen. Während die einen die Straßensperrung begrüßen, lehnen die anderen die Blockade grundsätzlich ab. Ärgerlich ist für einige Betroffene auch, dass die Absperrung nicht beleuchtet ist. So seien schon mehrfach Fahrzeuge gegen die Barrieren gefahren. Eng ist es in dem Streckenabschnitt für die Müllabfuhr. Denn die großen Fahrzeuge können in der Straße nicht wenden und müssen rückwärts hinausfahren.

Wenig Platz gibt es zudem für Radfahrer oder Senioren, die auf Gehhilfen angewiesen sind. Ihnen steht nur ein kleiner Seitenstreifen zum Umfahren der Hindernisse zur Verfügung. „Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wer für die Straßenbeleuchtung zuständig ist“, fragt sich Seidl. „Geht das auf Kosten der Allgemeinheit oder des Eigentümers?“ Einen weiteren Aspekt sprach Anlieger Matthias Voss bei der kleinen Ortsbesichtigung an. „Wie sieht es mit dem Rettungsweg aus? Können die Fahrzeuge die enge Kurve aus Richtung Blankert nehmen?“, reagiert er auf die Sperrung. „Können sie“, versicherte ein Anwohner, der sich bereits bei den Rettungsdiensten erkundigt hat.

Pflanzen statt Schotter

Eine weitere Frage war, ob durch das Aufstellen der tonnenschweren Rohre eventuell Leitungen überbaut wurden und was im Falle einer Reparatur zu tun sei. „Drei schlanke Poller hätten es auch getan“, meint Matthias Voss. „Man hätte die Kanalrohre nicht mit Schotter füllen, sondern bepflanzen sollen“, wünscht sich ein anderer Anlieger. „Gegen das Aufstellen habe ich nichts, nur bei der Gestaltung hätte man kreativer sein können.“ Ein Vertreter der Eigentümer war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.