Sankt-Adelheid-Gymnasium: Dürrenmatt einmal anders

Sankt-Adelheid-Gymnasium : Dürrenmatt einmal anders

Langsam füllt sich der Theatersaal des Sankt-Adelheid-Gymnasiums. Die Darstellerinnen des Stückes "Güllen" lassen sich von dem eintrudelnden Publikum jedoch nicht beirren und sind fleißig am putzen. Nicht, weil sie die Zeit aus den Augen verloren hätten.

Nein, die 20 Schülerinnen des Literaturkurses der Jahrgangsstufe elf sind sozusagen bereits in Aktion und präsentieren eine eigene Fassung von Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame". Am Montag feierten sie Premiere.

"Wir erwarten jeden Moment hohen Besuch", wendet sich eine Darstellerin an das Publikum. "Bitte nehmen Sie eine gerade Haltung an, Kaugummi kauen ist auch nicht angebracht." Derweil malt auf der Bühne eine weitere Darstellerin ein Schild. "Grüezi Kläri!" ist darauf zu lesen. Plötzlich ist sie dann da, die Milliardärin Claire Zachanassian (Nathalie Kniesel), die gekommen ist, um sich an ihrer alten Liebe Alfred Ill (Mira Wickert) zu rächen. "Güllen" heißt der Ort, an dem die Geschichte ihren Lauf nimmt.

Seit August vergangenen Jahres haben die Schülerinnen eine eigene Interpretation des Schulklassikers erarbeitet und geprobt. "Bei uns wird traditionell Theater gespielt", berichtet Spielleiterin und Lehrerin Kristina Haverkamp über den einjährigen Literaturkursus. "Ich fand es interessant, mal einen Mann zu spielen", sagt Mira Wickert, die auch sonst in Theatergruppen mitspielt. Sie hätten selbst am Wochenende ganze Nachmittage und auch abends geprobt. Vor der Premiere sei sie total nervös gewesen, meint die 17-Jährige.

Auch den dritten Akt haben die Schülerinnen aktiv mitgestaltet. Das Besondere: Als die Zuschauer nach der Pause den Theatersaal wieder betreten, sind die Stühle weggeräumt. Stattdessen wird der weitere Verlauf des Stücks an verschiedenen Stationen präsentiert. Während in der Mitte des Saals eine Szene zwischen Alfred Ill und dem Bürgermeister gezeigt wird, thront auf der Bühne Claire Zachanassian und verteilt Schecks. An weiteren Stationen werden unter anderem eine Modenschau gezeigt oder Kredite verteilt.

"Alle spielen gleichzeitig", erläutert Haverkamp. Für den Zuschauer bedeute das zunächst Stress. Bis er dann merkt, dass die verschiedenen Szenen in Endlosschleife wiederholt werden. Sie finde das Konzept sehr gut, meint Zuschauerin Antje Kroon aus Sankt Augustin. "Ich bin vollkommen überrascht, weil ich nicht wusste, was mich hier erwartet."

Das Theaterstück "Güllen" wird am Mittwoch, 3. Juli, um 19 Uhr ein weiteres Mal im Sankt-Adelheid-Gymnasium, Pützchens Chaussee 133, aufgeführt. Der Eintritt kostet fünf, Schüler zahlen drei Euro.