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Aufatmen nach langem Streit: Die Beueler Markthallen sind verkauft

Aufatmen nach langem Streit : Die Beueler Markthallen sind verkauft

Die Beueler Markthallen haben neue Besitzer: Die Unternehmer Klaus und Thomas Gerwing sowie Investor Jürgen Weltermann. Die gute Nachricht für die Markthändler: Die neuen Eigentümer wollen am Konzept vorerst nichts ändern.

Mit gemischten Gefühlen waren die Händler in den Beueler Markthallen zur Mieterversammlung gekommen. Ihnen sollten die neuen Eigentümer der Markthalle vorgestellt werden, und für sie ist der Verkauf eine Existenzfrage. Käufer sind die Beueler Unternehmer Klaus und Thomas Gerwing sowie der Bad Godesberger Investor Jürgen Weltermann. Für 1,2 Millionen Euro haben sie das Objekt erworben und unter das Dach einer GmbH&Co. KG genommen.

Genau 30 Jahre waren die Markthallen im privaten Eigentum des Familienunternehmens Knuffmann aus Hannover. Vor etwa einem Jahr hatte die Nachricht Unruhe ausgelöst, dass die Immobilie an Bonnorange (AöR) verkauft werden soll. Das kommunale Dienstleistungsunternehmen für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung beabsichtigte, auf dem Grundstück im Gewerbegebiet Beuel-Ost einen Wertstoffhof und ein Salzlager für den Winterdienst einzurichten. Die zwölf Mieter in der Markthalle – Obst-, Gemüse-, Feinkost- und Fischhändler – hätten sehr kurzfristig ihren Arbeitsplatz verloren, obschon das Amt für Wirtschaftsförderung auf der Suche nach Alternativstandorten war. Die Politik blockierte damals den Verkauf. Aber für die aufgeschreckten Händler blieb die Zukunft erst einmal ungewiss.

In einer persönlichen Erklärung warb Unternehmenssprecher Stefan Knuffmann für Verständnis und bat um Entschuldigung für die Turbulenzen, die im vergangenen Jahr durch die Verkaufsankündigung an Bonnorange entstanden waren. Von Hannover aus sei man mit der Disposition des Beueler Standortes nicht mehr vertraut gewesen. Eine derart emotional geführte Diskussion habe er nicht erwartet. „In diesem Fall aber bin ich Investor“, sagte Knuffmann, der selbst als Landschaftsarchitekt arbeitet. „Die Markthallen waren als Renditeobjekt im Familienbesitz. Durch Vererbungen in die nächsten Generationen gab es aber kein langfristiges Interesse mehr.“ Die Immobilie wurde zum Verkauf angeboten.

Neuen Eigentümer haben Visionen

„Jetzt ist der Verkauf abgewickelt. Die neuen Eigentümer haben das Sagen“, so Knuffmann und lud die Mieter zu einem Abschiedsgetränk ein. Gerwing und Weltermann kündigten an, zunächst einmal alles so zu lassen, wie es ist. Die Erleichterung der Markthallenmieter war spürbar. Allerdings ist die Nutzung der Immobilie als Großmarkthalle festgeschrieben. 1988 hat die Stadt dem Unternehmen Knuffmann, das unter „Großmarkthalle Bonn GbR“ firmierte, vertraglich ein Erbbaupachtrecht an dem städtischen Erbbaugrundstück bis 2086 eingeräumt.

Laut Verwaltung wurde die Pachtrechtsnehmerin verpflichtet, auf dem Grundstück eine Großmarkthalle zu bauen, zu betreiben und die Zweckbindung für die Dauer des Erbbaurechts zu erhalten. Daran muss sich auch jeder neue Käufer halten – solange der Rat keine Nutzungsänderung beschließt. Das galt auch für den geplanten Wertstoffhof von Bonnorange.

„Wir werden nichts zerschlagen, nichts abreißen, sondern haben das Bestreben, die Markthallen weiterzuführen“, so Thomas Gerwing. „Wir sind keine Immobilienhaie“, bestätigte Weltermann. Zu der Investition habe er sich entschlossen, weil er Initiative von der Verwaltung vermisse. „Wir haben ein Interesse daran, dass sich das Viertel auch in Hinblick auf das benachbarte Pantheon Theater und die Entstehung eines Kulturquartiers weiterentwickelt“, so Weltermann.

Die neuen Eigentümer haben einige Visionen. Neben möglichen Kulturangeboten sei auch eine Angebotserweiterung in den Markthallen denkbar. Die Gerwing-Brüder wollen auch an der Idee festhalten, auf der freien Fläche ein Bürohaus als weiteren Standort der Gemeinnützigen Werkstätten zu bauen. „Ideen sollten nicht sofort totgeredet werden“, merkte Thomas Gerwing. „Und wir brauchen die Unterstützung der Politik.“ An deren Adresse gerichtet kündigten die neuen Eigentümer an, Mietverträge zunächst weiterlaufen zu lassen und einen Quartiersmanager einzustellen. Händlerin Gabriele Discher fasste ihre Erleichterung in einen Satz: „Endlich kann ich wieder ruhig schlafen.“