Pützchens Markt: Der Rummel liegt auf Rekordkurs

Pützchens Markt : Der Rummel liegt auf Rekordkurs

910.000 Gäste besuchten an den ersten drei Tagen die Kirmes. Die Bestmarke liegt bei 1,3 Millionen an fünf Tagen.

Der 647. Pützchens Markt ist auf Rekordkurs: An den ersten drei von insgesamt fünf Tagen sind nach Schätzung der Stadt Bonn ungefähr 910.000 Besucher über das Kirmesgelände geschlendert. Sollte der Besucherandrang sich am heutigen Montag und morgigen Dienstag fortsetzen, dann könnte der Rekord von 1,3 Millionen Gästen eingestellt oder sogar verbessert werden.

Marktmeister Günter Dick und Schausteller-Chef Peter Barth strahlten gestern um die Wette und steigerten sich gegenseitig mit den Superlativen: "Es ist fantastisch. Wir haben einen bombastischen Aufschlag hingelegt. Grandioses Wetter, insgesamt friedliche Stimmung, bestens gelaunte Menschen - es stimmt einfach alles." Pützchens Markt hat sich über die Jahre zum "Fest der Feste" entwickelt.

"Der Jahrmarkt ist die größte und aufwendigste Open-Air-Veranstaltung in Bonn. Kein anderes Fest zieht so viele Menschen an", betonte Dick. Den Duft von Zuckerwatte, gebrannten Mandeln und sauren Gurken gibt es auf vielen Jahrmärkten - womit ist die Anziehungskraft von Pützchens Markt also zu begründen? Albert Ritter, als Präsident des Deutschen Schaustellerbunds (DSB) oft Gast auf den Marktwiesen, kennt das Geheimnis: "Pützchens Markt ist eine Kirmes, die mitten im Ort spielt, getragen von einer christlichen Tradition, fest verankert in der Bürgerschaft. Das sind Werte, die für viele Menschen wichtig sind. Ganz Bonn hat Bock auf dieses Fest." Und deshalb sei es so wichtig, das alle Beteiligten an diesem Erfolgskonzept festhalten.

[kein Linktext vorhanden]Ein weiterer Pluspunkt: Veranstalter und Schausteller ziehen an einem Strang. Die Stadt Bonn versucht die Standgebühren in einem erträglichen Rahmen zu halten. Das Marktamt muss zwar kostendeckend arbeiten, aber durch das Instrument der Gewinn- und Verlustvorträge, die auf drei Kalenderjahre verteilt werden dürfen, kann die Stadt unerwartete Kostensteigerungen abfedern.

Im Gegenzug kalkulieren die Schauteller die Preise für Fahrgeschäfte und Bier mit Augenmaß. "Von 1993 bis 2013 habe ich meinen Bierpreis für ein 0,25-Liter-Glas nur um 50 Cent angehoben. Weil der Bierverlag jetzt angezogen hat, musste ich in diesem Jahr 50 Cent teurer werden. Ein Glas Kölsch kostet nun 2,50 Euro", sagte Peter Barth. Die Preise für die Fahrgeschäfte liegen zwischen 1,80 und sechs Euro. Und was sagen die Besucher zu den Preisen? "Pützchens Markt vergleiche ich mit einem Besuch im Outlet-Center. Da weiß ich, dass ich dort nicht wenig Geld lasse.

[kein Linktext vorhanden]Aber dafür fahre ich abends auch zufrieden nach Hause", sagte Marianne Engels, die jährlich mit ihrer Familie 70 Kilometer aus dem Oberbergischen nach Pützchen anreist. Für die Schausteller kommen Pützchens Markt und die aktuell guten Wetterbedingungen gerade recht. "Durch Fußball-WM und mäßiges Sommerwetter haben wir bislang keine guten Einnahmen gehabt. Mit dieser Kirmes können wir aufholen", sagte Barth. Und wie wirkt sich der Rummel auf die städtische Kasse aus? Der DSB hat vor wenigen Jahren ein Gutachten zur Wirtschaftskraft von Jahrmärkten in Auftrag gegeben.

"Pro Besucher bleiben drei Euro Gewerbesteuer in Bonn. Und wenn man dann noch berücksichtigt, dass alle Unkosten von den Schaustellern bezahlt werden, weiß man, warum Kommunen gerne eine Großkirmes im Stadtgebiet haben", erklärte DSB-Präsident Ritter. Auch das morgige Abschlussfeuerwerk (22 Uhr) wird von den Schaustellern finanziert.

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