Gespräch am Wochenende: Der Ordensmacher der Bonner Ehrengarde

Gespräch am Wochenende : Der Ordensmacher der Bonner Ehrengarde

Seit 25 Jahren entwirft Walter Hirschmann die Orden der Ehrengarde der Stadt Bonn. Die Idee für diese Session kam ihm mitten in der Nacht.

Die Ehrengarde ohne einen eigenen Orden? Das geht gar nicht, oder?

Walter Hirschmann: Nein, das käme nicht infrage. Seit 25 Jahren entwerfe ich die Orden für den Verein.

Wie sind Sie dazu gekommen?

Hirschmann: Weil ich meinen Mund nicht halten konnte (Hirschmann lacht). Auf einer Vereinsfahrt nach Trier haben wir in der Stadt Bitburg einen Zwischenstopp gemacht. An der Theke unterhielten wir uns darüber, dass es nach Jupp Roggendorf niemanden mehr geben wird, der sich um die Orden kümmert. Leichtsinnigerweise habe ich gesagt: „Dann mache ich das“.

Sie schauen anderen Jecken wahrscheinlich immer erst auf die Brust?

Hirschmann: Meistens jedenfalls. Man will schließlich wissen, welche Orden die anderen Vereine haben. Vielleicht kann man sich ja die eine oder andere Anregung holen.

Gehen Ihnen die Ideen denn niemals aus?

Hirschmann: Bis jetzt nicht. Die Idee für unseren aktuellen Orden kam mir beispielsweise mitten in der Nacht. Um drei Uhr morgens wurde ich plötzlich wach und wusste wie er auszusehen hat.

Wie denn?

Hirschmann: Ein Kreuz sollte es sein, schön mit Diamanten verziert. Strahlen sollte er und natürlich das Sessionsmotto aufnehmen. Darüber hinaus war mir wichtig, dass auf das 60-jährige Bestehen unserer Artillerie hingewiesen wird.

„Mir all sin Bönnsche“ lautet das Sessionsmotto. Wie haben Sie dieses Thema umgesetzt?

Hirschmann: Der Orden besteht aus drei Ebenen. Der Ordensring mit Kreuz ist die unterste. Darauf habe ich vier bekannte Persönlichkeiten abgebildet und darüber noch die Kanonen der Artillerie.

Vier bekannte Persönlichkeiten?

Hirschmann: Jawohl, vier Personen, die jeder Bonner kennt. Neben Beethoven ist das Peter Brust von den „Vier Sterneburgern“, Egon Venus, alias Mandel Hein, sowie Camillo Fischer.

Wo werden die Orden hergestellt?

Hirschmann: Natürlich bei Orden Bley in Beuel. Nach meinen Kritzeleien hat dort eine sehr begabte Grafikerin die entsprechenden Schablonen mit den Gesichtern angefertigt. Anschließend startete dann die Produktion. Fertig ist der Orden aber erst, wenn er das passende Band der Ehrengarde der Stadt Bonn hat.

Wie viele Orden wurden produziert und kann man sie auch kaufen?

Hirschmann: Wir lassen 800 große Orden und noch einmal rund 500 Damen- oder Schmuckorden fertigen. Kaufen kann man sie selbstverständlich nicht. Entweder man bekommt einen Orden verliehen oder man kann ihn gegen eine Spende erwerben.

Die neue Session geht zwar jetzt erst richtig los, aber Sie sind mit Ihren Gedanken sicher schon ein Jahr weiter.

Hirschmann: Natürlich, ich habe bereits genaue Vorstellungen, wie unser Orden für die nächste Session aussehen wird. Verraten werde ich natürlich nichts. Aber man kann sich denken, dass Beethoven eine Rolle spielen wird.

Wann ist ein Orden für Sie gelungen?

Hirschmann: Ich finde ihn dann gelungen, wenn der das jeweilige Motto widerspiegelt.

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