Adelheidisfesttage: Der Oberbürgermeister grüßt auf althochdeutsch

Adelheidisfesttage : Der Oberbürgermeister grüßt auf althochdeutsch

Das Fest zu Ehren der Beueler Heiligen, organisiert von Vereinen, Schulen und Institutionen, lockt zahlreiche Besucher zur Burg Lede.

In seiner Predigt bei der Freiluft-Messe hatte Pfarrer Dörr in einem "Zwiegespräch mit der Handpuppe Adelheidis" erfahren, dass sich Adelheidis bei Petrus um das richtige Wetter für das große Fest anlässlich ihres 1.000 Todestages gekümmert habe. Das muss sich in Windeseile in Vilich und Umgebung herumgesprochen haben, denn bereits während der Messe strömten die Besucher zur Burg Lede.

Zu Ehren der heiligen Adelheid hatten Beueler Gruppierungen, Vereine, Schulen und Kitas ein großes Fest vorbereitet. Mit Aufführungen, Handwerkskunst, Gaukelei und diversen Ständen sollte ein mittelalterliches Lebensgefühl vermittelt werden.

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch, Monsignore Wilfried Schumacher, Stadtdechant in Bonn, eröffneten zusammen mit dem Burgherren, Ferdinand Freiherr von Loe, den Markt.

Nimptsch wurde als "Zuchtmeister des Magistrates" und Schumacher als "oberster Pfaffe in Bonn" angekündigt. Schumacher beschränkte sich auf das alte Wort: "Wer glaubt ist nicht allein" - er sei über das Bild, das er beim Reinkommen gesehen habe, sehr bewegt gewesen und eröffnete den Markt mit den Worten: "Mercatus apertus est".

Nimptsch zog sich bei seinen Eröffnungsworten auf sein Studium der Germanistik zurück und hatte mit einer in Althochdeutsch vorgetragenen Rede die Lacher auf seiner Seite. Er wollte, dass es Adelheidis leicht fällt zu verstehen, was er sagt. "Das ist gut für Adelheid und schlecht für euch", gestand er. Die Worte Freude, Feiern und Arbeit kamen darin öfters vor. "Du Adelheid wärst immer der Ansicht gewesen, dass Erzieherinnen und Erzieher einen angemessenen Lohn bekommen müssen", übersetzte er unter großem Gelächter und unter Beifall der Zuhörer.

Theater, Tänze und Musik gab es auf der großen Bühne sowie Puppenspiel beim Kindertheater "Papperlapapp". Die Anbieter an vielen Ständen waren in alte Kostüme gekleidet und gaben ein buntes Bild ab. Zu Hungern und zu Dursten brauchte niemand. "Orientalische Pilgerspeise" mit Kräutern aus dem Klostergarten, "Trefflicher Eintopf" mit Linsen und Erdäpfeln oder einfach ein "Deftiges Brot aus der Hofbeckerey" standen z.B. auf dem Speiseplan der Caritas.

Für Kinder wurde nebst vielem Anderem ein Ritterspiel und Mäuseroulette angeboten. Beim Ritterspiel saß ein Kind auf Decken auf einem Bollerwagen, der als Pferd verkleidet war und der von Hand gezogen wurde. Mit einem Holzspieß sollte ein Reif aufgespießt werden, der hoch aber in erreichbarer Höhe aufgehängt war. Beim Mäuseroulette setzt man seinen Einsatz auf Häuschen, angeordnet wie die Zahlen beim richtigen Roulette. Der Spielleiter lässt eine Maus laufen und das Häuschen, in das sich Maus verzieht, hat gewonnen. Wer es zu doll getrieben hatte, der konnte bei den Messdienern Ablassbriefe kaufen.

Der Besuch war so gut, dass am Nachmittag zwischen 14 und 15 Uhr einige Stände meldeten: rien ne va plus, ihre Speisen waren nämlich bereits ausverkauft. 300 Portionen Brotsuppe hatte der BV Vilich-Müldorf verkauft, dann war der Topf leer. Das war gut abgepasst, denn genau in diesem Augenblick setzte der Regen ein. Beim Rausgehen sagte eine Frau zu ihrem Mann: "Viel Mittelalter war da aber nicht." Sie muss auf einer anderen Veranstaltung gewesen sein.