Tag der offenen Tür in der Kläranlage Beuel: Der Kreislauf der Geißeltierchen

Tag der offenen Tür in der Kläranlage Beuel : Der Kreislauf der Geißeltierchen

Besucher erfahren beim Tag der offenen Tür in der Kläranlage Beuel, wie das Abwasser gereinigt wird. Wasser für 98.000 Menschen wird in Schwarzrheindorf gesäubert.

. Aufmerksam folgte Bastian (9) den Ausführungen von Karl-Heinz Isenbeck. Zulauf-Schneckenpumpwerk, Rechen, Anaerobbecken, Schieber: Die Technik in der Kläranlage Bonn-Beuel, die das rechtsrheinische Ab- und Regenwasser reinigt, faszinierte ihn. „Ich finde das interessant, weil hier so viele schöne Maschinen sind“, sagte er. Aber besonders die biologische Klärung des Wassers fand er beeindruckend, weil sie ohne Technik funktioniert. „Da sind kleine Tiere drin, die den Schmutz wegfressen.“

Isenbeck, der die Kläranlage in Bad Godesberg leitet, führte am Samstag beim Tag der offenen Tür, den das Bonner Tiefbauamt in der Beueler Anlage erstmals ausrichtete Besucher über das Grundstück. Er zeigte ihnen den Rechen, der grobe Verschmutzungen aus dem Beueler Abwasser filtert. „Wir haben schon Fahrradhelme aus der Pumpe gezogen“, erklärte Mitarbeiter Thomas Matt. Auch Fußbälle, eine komplette Spüle und anderes lande mitunter darin und verstopfe dann die Anlage.

Im Sandfang setzen sich kleinere Feststoffe wie eben Sand am Boden ab und werden aus dem Wasser entfernt, in der Vorklärung werden auch feinere Stoffe abgelagert. Dann folgt die biologische Reinigung: In der „Belebung“ fressen Mikroorganismen, vor allem Geißeltierchen, die gelösten Stoffe, die sich nicht mechanisch filtern lassen, aus dem bräunlichen Wasser. Sie wandeln die Stoffe in Belebtschlamm um.

Mikroorganismen im Belebtbecken

Den wiederum kann man dann nach weiteren Prozessen in der Nachklärung entfernen. Der Schlamm samt Mikroorganismen wird wieder zurück ins Belebtbecken gepumpt, wo sie weiterfressen können. Das gereinigte Wasser wird letztlich in den Rhein geleitet. In der Beueler Anlage stehen laut Isenbeck demnächst einige Veränderungen an. Unter anderem wird ein Hochwasserpumpwerk erneuert. Viel wichtiger: Die Kapazität der Anlage wird erweitert, von bislang 80.000 auf dann 98.000 Einwohnerwerte. Der Grund: „In Beuel wird viel gebaut.“ Dadurch entstehe mehr Abwasser. Deshalb würden das Reinigungsverfahren geändert und neue Belüfter eingebaut.

Für einen wie Bastian war der genau das Richtige. Seine Eltern wollten ihm zeigen, was mit dem Wasser passiert, das durch die Kanäle fließt. Sie habe das als Kind schon kennengelernt, sagte seine Mutter Imke Ball. „Es ist interessant, dass sich seitdem nicht viel geändert hat.“ Jedenfalls am Prinzip. An der Anlage sei heute einiges anders als früher, meinte Udo Heinzen, der die Anlage als Kind mal besichtigt hatte. Er wohnt mit der Familie in Schwarzrheindorf und geht regelmäßig an der Kläranlage vorbei, wenn er im Rhein angelt. „Wir wollten wissen, wie es hinter den Zäunen aussieht“, sagte er.

Viele Familien kamen zum Besuchstag, worüber sich Richard Esser, Betriebsleiter aller vier Bonner Kläranlagen und der Klärschlammverbrennungsanlage, sehr freute, denn viele Kinder waren dabei. Man könne den jungen Leuten zeigen, dass dieser Arbeitsplatz, der auch Ausbildungsbetrieb ist, nicht nur „anrüchig“ ist – an den Geruch gewöhnt man sich recht schnell –, sondern auch interessant.