30 Jahre mit dem Taxi unterwegs: Der Chef steht nicht gern im Stau

30 Jahre mit dem Taxi unterwegs : Der Chef steht nicht gern im Stau

Was einen Vollbluttaxifahrer so richtig auf die Palme bringen kann? Klar, da wäre zum einen das Thema Stau. „Das wird wirklich von Jahr zu Jahr schlimmer“, meint Stephan Krog, der mit seinem Taxiunternehmen in diesem Jahr 30. Geburtstag feiert.

Noch mehr auf die Stimmung schlagen dem eigentlich stets gut gelaunten Geislarer aber Bürotage. „Spätestens nach vier Stunden muss ich raus“, sagt der 56-Jährige. Was ihm dann fehlt, sind Luft um die Nase und Menschen.

Mit der Konzession für einen Wagen ist er 1986 gestartet, damals noch in Küdinghoven. „Gelernt hatte ich Radio- und Fernsehtechniker und danach noch Kfz-Mechaniker, die Ausbildung aber nicht zu Ende gemacht“, erzählt Krog. Vom abgebrochenen Zweig scheint ziemlich viel hängen geblieben zu sein, denn seine mittlerweile drei Autos wartet er alle selbst. „Nur an die Motoren gehe ich nicht ran.“

Zu Beginn der Achtziger war ein Bekannter Taxi in Bonn gefahren und hatte dem Zivildienstleistenden von der Freiheit auf der Straße vorgeschwärmt. Zunächst übernahm Krog nur Wochenend-Schichten, war aber schon bald „angefixt“.

80.000 Kilometer fährt jedes Auto pro Jahr

Mit 26 kaufte sich der Motorradfan, jung verheiratet, die Konzession für den Mercedes BN-XU 3. Schnell jedoch übernahm er seine Kennung 13-9, also die Nummer für den Funkkontakt, aufs Kennzeichen. Bis heute Markenzeichen seiner Autos. Von Mercedes halte er nicht mehr so viel, aber es seien auch praktische Gründe, warum er heute auf weinen Mittelklassewagen setzt: „Wir haben viele Behinderten- und Krankentransporte sowie Schülerfahrten, da brauchen wir mehr Platz.“

Die Ehe, aus der ein Sohn hervorging, hielt nicht. Seit 16 Jahren aber ist Annette an Krogs Seite, vor zwei Jahren wurde geheiratet. „Ich bin für ihn die Nachtschichten gefahren, arbeite seit 20 Jahren für ihn“, erzählt die 45-Jährige, die Biologie und Geografie auf Lehramt studiert hat. „Ich wollte dann doch lieber was mit Autos machen.“ Früher sei nachts viel mehr los gewesen: „Weil Bonn Regierungssitz war und wir die Sitzungswochen hatten.“

Kürzer geworden sind die Strecken deshalb nicht. 80 000 Kilometer fährt jedes Auto pro Jahr. Sie haben jede Menge Stammgäste und auch feste Auftraggeber. „Wir haben schon viel Stress, aber meist ist er positiv“, sagt der Firmenchef. Dass sein Geschäft gut laufe, liege auch an den fünf zuverlässigen Fahrern in Tag- und Nachtschicht.

Motorrad- oder Fahrradfahren in der Freizeit

Seine Frau und er sitzen ebenfalls hinter dem Steuer – aber nicht mehr nachts. Schwere Unfälle hat es in den 30 Jahren keine gegeben, nur Blechschäden. Und natürlich viele Knöllchen. „Lustigerweise haben unsere schnellsten Fahrer die wenigsten Strafzettel“, bilanziert Annette Krog. Wenn das Ehepaar frei hat, unternimmt es gerne Städtereisen, ist mit Motorrad oder Fahrrad unterwegs oder spielt Badminton.

Zurück zum Stau vom Anfang. Eine Idee, die schwirrt dem 56-Jährigen schon länger im Kopf herum. „So ein Motorrad-Taxi, das wär's doch. Damit würde man auch im dichtesten Verkehr Geschäftsleute schnell zum Flughafen bringen können.“ Er habe ja noch ein paar Jährchen für die Umsetzung Zeit.

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