Nach der Pensionierung: Das zweite Leben gilt der Literatur

Nach der Pensionierung : Das zweite Leben gilt der Literatur

Gibt es ein zweites Leben nach der Pensionierung? Und ob. Marlies Förster lebt nach dem Ausscheiden aus ihrem Job als Lehrerin für Erziehungswissenschaften am Robert-Wetzlar-Berufskolleg ihren Traum.

Die 68-jährige liebt den Rhein, das Beueler Ufer und die Literatur. Und all das bringt sie in ihrem zweiten Leben zusammen. Unter ihrem Mädchennamen Marlies Förster hat die Diplom-Pädagogin ihr zweites Buch veröffentlicht. "Herbstmond" heißt der Gedichtband, in dem es vor allem auch um das Älterwerden geht.

Erschienen ist er im Verlag Iatros, wie auch schon Försters erstes Buch. Denn Schreiben war schon immer ihre Passion. Auch wenn sie Wert darauf legt, wie wichtig ihr der Job gewesen ist: "Ich kann mich über nichts beschweren. Ich habe genau den Beruf gehabt, den ich wollte." Auch wenn der gelegentlich mit dem Drang zum Schreiben kollidierte: "Ich kann am besten morgens schreiben - und genau da musste ich in die Schule."

Doch zumindest temporär fand die gebürtige Ostwestfälin dafür eine Lösung und bewarb sich mit einer Probe ihres Könnens um ein Jahresstipendium des Deutschen Literaturfonds. Mit Erfolg. Beurlaubt vom Schuldienst verbrachte Förster ein Jahr in Griechenland und besuchte die Schauplätze ihres Romans "Das bisschen Schillern einer Spur". Wie Goethes Iphigenie das Land der Griechen mit der Seele suchend, sammelte sie Inspiration für den Roman, auch wenn bis zu dessen Erscheinen noch viele Jahre ins Land gehen sollten.

Erst 2012 erschien das Buch. Was unter anderem daran gelegen hat, dass es schwer war, einen Verlag zu finden. Aber zu den von den Lektoren angeregten Kürzungen sei sie erst Jahre später in der Lage gewesen, erinnert sich die Beuelerin, die in der Rheinaustraße wohnt.

"Der Inhalt ist fiktiv", betont Förster, deren Griechenland-Faible bei einer Reise nach Kreta erwachte, allein die Schauplätze seien authentisch. Sie lässt ihre Ich-Erzählerin in dem Roman drei Episoden ihres Lebens und Liebens erleben, beginnend mit einer enttäuschenden Beziehung auf Kreta über eine Familienreise über verschiedene Inseln bis hin zu einem späteren Besuch ohne Begleiter.Verbindendes Element ist eine kleine kretische Göttin namens Britomartis, die an verschiedenen Stellen des Romans auftaucht und wieder verschwindet.

Heutzutage wendet sich Förster dagegen der Lyrik zu. Wenn sie mit ihrem Mann Gerd zu Fuß oder mit dem Fahrrad am Rhein unterwegs ist, hat sie stets Papier und Stift in der Tasche, damit ihr keine Inspiration verloren geht. Ihr erster Leser ist ihr Mann, der selbst Gedichte schreibt und seiner Frau durchaus mal einen Hinweis gibt, wo die Reime aus dem Rhythmus geraten sind.

Nicht nur das Altern, sondern auch die Natur, der Rhein und das Rheinland liefern Förster Themen, die sie in ihren Gedichten verarbeitet. Zum Beispiel in "Bilderbuchwetter": "“Frau im Sonnenschein am Fluss„/ dem Meister der naiven Malerei/ direkt ins Bild gelaufen:/ zweifellos an der richtigen Stelle". Ihre Verse schreibt Förster alle mit der Hand, eine langjährige Freundin tippt sie ab. Nur das Lesen anderer Gedichte ist für die Autorin tabu. "Dann habe ich den fremden Rhythmus im Kopf."

Dafür liest sie wieder jede Menge Romane, die sie sich wiederum während des Schreibens an ihrem ersten Buch versagt hat. Ihre derzeitige Lieblingsautorin: Elizabeth Strout.

Marlies Förster: Herbstmond. Gedichte. Iatros-Verlag, Potsdam. ISBN 978-3-86963-023-6

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