1. Bonn
  2. Beuel

Der Sound einer kompletten Band: Das ist Gitarrist Simon Wahl aus Oberkassel

Der Sound einer kompletten Band : Das ist Gitarrist Simon Wahl aus Oberkassel

Der 29-jährige Musiker beeindruckt mit einer besonders virtuosen Spieltechnik. Er ist bekannt für "Bass slapping", "Fingerpicking", "Percussion" und "Melodiespiel" auf seiner Akustikgitarre. Und das alles gleichzeitig.

Durch die hölzerne Tür im Alten Rathaus Oberkassel klingen die Gitarrensounds von Simon Wahl. Sein Auftritt bei der Oberkasseler Matinee lockt so viele Besucher, dass die Veranstalter irgendwann Schluss machen müssen mit dem Einlass. Und so stehen noch einige Musikfans vor der Tür, um wenigstens akustisch noch etwas mitzubekommen von dem virtuosen Gitarrenmeister.

Auf der kleinen Bühne stehen ein Verstärker, ein Aufnahmegerät, ein Hocker mit Gitarrenplektren, Ersatzsaiten und einem Kapodaster. Mehr braucht der 1989 in Bonn geborene Gitarrist nicht, dessen Elternhaus nur wenige Meter entfernt ist. Bekannt ist Wahl für "Bass slapping", "Fingerpicking", "Percussion" und "Melodiespiel" auf seiner Akustikgitarre. Und das alles gleichzeitig. Diese Ausdrücke stehen für die Techniken, die der 29-Jährige anwendet: So werden mit dem Daumen die Basssaiten und der Korpus der Gitarre angeschlagen, mit den restlichen Fingern einzelne Saiten gezupft und zwischendurch mit der flachen Hand bassdrumartige, wummernde Sounds erzeugt. Damit verbindet er alle Elemente einer Band – Bass, Schlagzeug und Gitarre – in nur einem Instrument. Nur der Gesang fehlt. "Wenn ich es früher probiert habe, haben die Freunde immer gesagt: ,Simon hör' bitte auf zu singen, es reicht, wenn du Gitarre spielst'", sagt Wahl lachend. Er nimmt zwar mittlerweile auch Gesangsunterricht, ist aber "noch weit entfernt, um öffentlich mit Gesang aufzutreten".

Er begann mit Posaune und Flöte

Seine Leidenschaft für die Gitarre entdeckte er mit 13 Jahren. Vorher spielte er bereits Posaune und Flöte. Allerdings hatten ihm die einstimmigen Instrumente irgendwann nicht mehr gereicht. Anfänglich war es die E-Gitarre, die ihn zum Saiteninstrument bewegte. Die Red Hot Chilli Peppers, die er im Radio hörte, waren dabei Mitauslöser. Kurz darauf spielte Wahl in einer Band, mit der er als 15-Jähriger seine ersten Auftritte hatte. Doch da Termine für gemeinsame Proben immer schwieriger zu koordinieren waren, erkannte er die Vorteile eines Solo-Künstlers.

Schon bald wurde die akustische Westerngitarre immer spannender. Beeindruckt durch die Fingerstyle-Videos auf YouTube des Amerikaners Andy McKee, widmete er sich ab 2006 diesem Stil. Da sich kurz vorher wegen einiger Umzüge seiner Mitmusiker seine Band aufgelöst hatte, kam "Andy McKee genau zum richtigen Zeitpunkt".

Schon zu Bandzeiten war Simon Wahl derjenige, der für die musikalische Umsetzung der Songs zuständig war. Er kreierte die Beats, die Bassläufe und auch die Melodien. Das alles setzte er jetzt auf einem einzigen Instrument um. Mit 17 Jahren standen dann die ersten Auftritte als Solo-Künstler an. In Freiburg studierte der Musiker Klassische Gitarre. Über das Erasmus-Programm kam er später nach Linz in Österreich, wo er seine Freundin kennenlernte, mit der er mittlerweile in Wien lebt.

Am 15. Februar in der Trinitatiskirche

Auf der Bühne immer dabei: eine Maton Gitarre. Die Gitarren des australischen Herstellers bieten für das Perkussionsspiel einen besonderen Klang und "halten auch mehr aus".

Seine Auftritte folgen keiner festen Abfolge. Zwar schreibt er sich vor jedem Auftritt eine Setlist. Die werde aber nur selten eingehalten, da er die Reihenfolge seiner Stücke immer individuell auf die Stimmung seines Publikums anpasse, erklärt er. Die Nähe zu seinen Zuhörern sei ihm wichtig. Daher liebt er es, auf kleineren Bühnen aufzutreten. Neben den Konzerten bietet Wahl auch Fingerstyle-Workshops für Hobbygitarristen an.

Simon Wahl ist das nächste Mal am Freitag, 15. Februar, ab 19.30 Uhr in der Trinitatiskirche, Brahmsstraße 16, zu hören. Der Eintritt an der Abendkasse beträgt zehn Euro. Weitere Informationen gibt es auf: www.simonwahl.com.