Buchveröffentlichung von Beueler Autor: Das bewegende Schicksal der jüdischen Familie Loewenberg

Buchveröffentlichung von Beueler Autor : Das bewegende Schicksal der jüdischen Familie Loewenberg

Der Beueler Autor Bernhard Hagemeyer hat über die Nachkriegs-Emigrantenszene in Südamerika einen Roman geschrieben. Dieser handelt von der jüdischen Familie Loewenberg.

Bernhard Hagemeyer zeigt auf eine GA-Meldung: Kulturstaatsministerin Monika Grütters wolle die NS-Wurzeln im Kanzleramt der Nachkriegszeit wissenschaftlich untersuchen lassen, liest der 67-jährige Rechtswissenschaftler vor. „Grütters zielt damit auf Hans Globke, den langjährigen Kanzleramtschef unter Adenauer.“ Globke, rechte Hand des Kanzlers von 1953 bis 1963, habe 1936 einen Kommentar zu den Nürnberger Rassegesetzen mitverfasst. Soweit die Meldung.

Hagemeyer hat sich daraufhin selbst an Grütters gewandt: Er lasse in seinem neuesten Buch eine Zeitzeugin zu Wort kommen, die für 1957 eine Verbindung Globkes zu dem damals in Argentinien lebenden SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann vermute. Danach hätte der Politiker wohlmöglich den Mann, der die Deportation Hunderttausender Juden in die NS-Vernichtungslager organisierte, in Südamerika treffen wollen.

Eine steile These über den 1973 auf dem Godesberger Zentralfriedhof begrabenen Hans Globke, die Widerspruch auslösen dürfte. Der Historiker Erik Lommatzsch etwa bestreitet in seiner Globke-Biografie von 2009 jeglichen Kontakt zu Eichmann. 1961 hatte die Bonner Staatsanwaltschaft ein entsprechendes Ermittlungsverfahren eingestellt. Da war der „Fall Dr. Globke“ mit dem Eichmann-Prozess in Israel politisch akut geworden.

Der Beueler Hagemeyer wiederum hat um seine Vermutung herum einen „biografischen Roman“ über die jüdische Emigrantenfamilie Loewenberg in Uruguay gestrickt. Er hat Fotografien, Briefe und Dokumente ausgewertet. Und vor allem: Er hat die Geschichte der Flüchtlinge in Südamerika zum Leben erweckt, mit all ihrem Leid, dort auf ebenfalls geflohene Nazis getroffen zu sein. Bisher hat Hagemeyer politische Bücher veröffentlicht.

Seit 2013 geht er im Selbstverlag ins Fiktionale. In seinem Roman „Balkenstube“ stöberte er auf einem Dachboden, gleichsam im „Oberstübchen, einem Ort der Erinnerung“. Nun kratzt Bernhard Hagemeyer an einem plötzlich hochaktuellen Thema. Warum habe sich ein herzkranker Kanzleramtschef 1957 auf eine zweitägige Flugreise begeben wollen, nur um kurz auf einem drittrangigen Empfang in Montevideo zu sprechen, wiederholt Hagemeyer damalige Medienfragen.

Seine Spekulation: Adolf Eichmann sei nicht weit gewesen. Der habe damals ja begonnen, möglicherweise Unliebsames auszupacken. Globke stornierte übrigens noch den Flug. Die Emigranten vor Ort hatten gegen seinen Besuch rebelliert. Autor Hagemeyer ist jetzt vor allem eines: sehr gespannt auf Grütters Forschungsprojekt.

Im Handel erhältlich: Bernhard Hagemeyer, Chalet Grunewald, Bonn 2016, 14,50 Euro.

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