Junggesellen-Schützenbruderschaft: Bruderschaft aus Beuel feiert 225-jähriges Jubiläum

Junggesellen-Schützenbruderschaft : Bruderschaft aus Beuel feiert 225-jähriges Jubiläum

Dennis Pacht und Phillip Fritzsche führen die Bruderschaft ins 225-jährige Jubiläum. Die beiden jungen Männer sind aus Überzeugung und aus Verpflichtung für die Traditionen Mitglied geworden.

Jesus-Maria-Josef Junggesellen-Schützenbruderschaft in Oberkassel

Nicht Fußball, nicht Tambourcorps, nicht Karneval. Nein, die Jesus-Maria-Josef Junggesellen-Schützenbruderschaft in Oberkassel ist ihre Leidenschaft. Ansonsten ist alles wie bei anderen ihrer Generation auch: Freunde, Job, Facebookprofil, Auto. In der Freizeitgestaltung allerdings stehen sie sehr auf Brauchtumspflege. Dennis Pacht (28) und Phillip Fritzsche (27) sind Vereinsvorsitzende, genauer: Brudermeister. Und auf dem Amt liegt die Schwere einer 225-jährigen Tradition mit allen Pflichten.

„Weil schon die Vorgänger viel Freizeit geopfert haben, ist die Bruderschaft überhaupt so alt geworden.“ Für Pacht und Fritzsche ist das völlig okay. Für die jeweilige Freundin nicht unbedingt; Frauen werden schon mal zur Nebenfigur. Da lassen die althergebrachten Aufnahmebedingungen keinen Interpretationsspielraum: „Aktives Mitglied kann jeder Oberkasseler Junggeselle werden, der das 16. Lebensjahr vollendet hat, einer christlichen Konfession angehört und sich zur Satzung und den Regeln der Bruderschaft bekennt“, heißt es in Paragraf 6.

„Bis vor etwa 40 Jahren mussten die Mitglieder katholisch sein. Das wurde aber im Sinne der Ökumene geöffnet“, erläutert Fritzsche. Auch bei der geforderten Oberkasseler Bodenständigkeit würde schon mal eine Ausnahme gemacht. „Viele Jungs studieren woanders. Bei strikter Auslegung könnten sie nicht mitmachen.“ Immerhin bekennen sich aktuell rund 100 Junggesellen aktiv zur Bruderschaft und den Statuten. Die wurden im Verlauf des 225-jährigen Bestehens nur viermal angepasst, zuletzt in den 1980er Jahren. Hand anlegen darf nur der jeweilige Präses. Im Kern sind es die Paragrafen, die von Hochwürden Jacob Anton Wirz Anno 1794 festgeschrieben wurden. „Grundidee sind Brüderlichkeit, christliche Werte und Nächstenliebe sowie die Förderung des religiösen und kirchlichen Lebens“, fasst Pacht zusammen. Zudem ist den Mitgliedern Brauchtumspflege und der Ausübung des Schießsports auferlegt. Die Heirat beendet die aktive Mitgliedschaft.

Leben nach christlichen Werten

Aus Überzeugung sind Fritzsche und Pacht Mitglied geworden. Den Einwand, dass die konservative Tradition doch wohl aus der Zeit gefallen ist, können sie nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: „Es ist eine Grundsatzentscheidung für ein Leben nach christlichen Werten“, betonen beide. „Wir im Ort stehen zusammen, besuchen erkrankte Mitglieder, sind bei Hochzeiten dabei. Fronleichnam beispielsweise ist die Teilnahme an Messe und Prozession Pflicht.“ Biertrinken und Partymachen sei ganz und gar nicht der Sinn und Zweck. „Das ist kein Saufverein.“

Gewiss habe auch eine Rolle gespielt, dass bereits mehrere Generationen Familienangehöriger während ihrer Junggesellenzeit der Bruderschaft angehörten. „Das Wissen wurde in der Familie weitergegeben.“ Und offenbar schon früh der Wunsch geweckt, auch dabei zu sein, wie Pacht bestätigt. „Ich wollte schon immer Brudermeister werden“, sagt er. Fritzsche nickt zustimmend. Beide sind mit 16 Jahren in die Bruderschaft eingetreten. Dennis Pacht wird das Amt des Ersten Brudermeisters zwar im kommenden Jahr aus beruflichen Gründen abgeben, aber selbstverständlich Mitglied bleiben. Sein Vize, Phillip Fritzsche, wird sich dann zur Wahl stellen.

Doch bis dahin gibt es noch viel zu tun. Die Feierlichkeiten für das große Jubiläum stehen an. Die meistgestellte Frage unter den Bruderschaftsmitgliedern sei: „Hast du vor oder nach dem Fest Urlaub?“ Allein der Aufwand für die in den Regeln minuziös festgelegte Organisation erfordert eine große Zahl helfender Mitglieder. Das 225-jährige Jubiläum wird am Wochenende 31. Mai bis 2. Juni gefeiert.

„Es ist, als würde man ein kleines Unternehmen führen“, erklärt Pacht. „Man lernt fürs Leben. Organisieren, planen, die Finanzierung kalkulieren, Anträge stellen.“ Das alles und auch, sich etwa gegenüber Arbeitskollegen zu rechtfertigen, warum sie es tun, sei schon eine Herausforderung. Nicht selten würden diese abwinken: „Um Himmels Willen.“ Die beiden Brudermeister sehen das anders. Für sie gehört es zum Leben – wie Freunde, Job und Auto.

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