Brandstiftung in Beuel: Opfer kritisiert Ermittlungen der Polizei

Bonner Behörde prüft Beschwerde : Opfer von Brand in Beuel kritisiert Polizei

Nach einer mutmaßlichen Brandstiftung fühlt sich ein Beueler von der Polizei im Stich gelassen. Die Polizei, so sein Vorwurf, spiele den Fall herunter und ermittele nicht ausreichend. Die Behörde prüft seine Beschwerde.

Es riecht immer noch nach Feuer, selbst im Garten. Neben der Einfahrt stehen Körbe mit geschmolzener Motorradkleidung, liegen verkohlte Regalbretter. „Ich habe die verbrannten Sachen herausgeräumt, aber der Gestank in den Räumen geht einfach nicht weg.“ Genauso wie die seelischen Spuren, die der Brand, der das Haus von Alfred Schmitz verwüstete, hinterlassen hat. Seinen richtigen Namen möchte er nicht öffentlich machen – aus Angst, dass ihm etwas Ähnliches wieder passieren könnte. Denn Unbekannte haben einen Brandsatz durch das Fenster geschmissen. Doch die Polizei, so sein Vorwurf, spielt den Fall herunter und ermittelt nicht ausreichend.

Donnerstag, 19. Dezember, 5 Uhr morgens. Schmitz schläft im Obergeschoss des Hauses, in dem er seit fast 40 Jahren lebt. Der Brandmelder schrillt. „Ich habe erst gedacht,  dass ich Essen auf dem Herd vergessen habe“, erzählt er. Doch als er bemerkt, dass die Rauchschwaden durch den Holzboden aus dem Parterre nach oben ziehen, ist ihm klar: Es brennt. Er rennt nach draußen. Aus den Arbeitsräumen sieht er bereits die Flammen lodern, die Fensterscheiben sind pechschwarz. Vom Vortag hat Schmitz noch einen Hochdruckreiniger angeschlossen. Damit kann er die Flammen in Zaum halten, bis schließlich die Feuerwehr den Brand löscht.

Durch das Oberlicht der Eingangstür flog der Brandsatz. Bewohner Alfred Schmitz (Name geändert) wurde durch Rauchmelder geweckt. Foto: Nicolas Ottersbach

Die Polizei trifft noch vor den Rettern ein – das Polizeipräsidium Ramersdorf liegt nur wenige hundert Meter von der Dornheckenstraße entfernt. Die erste Einschätzung der Beamten sei deutlich gewesen, sagt Schmitz: „Sie haben einen Feind, das war Brandstiftung.“ Und auch die Feuerwehr hat laut seinen Schilderungen keinen Zweifel daran, dass ihm jemand etwas Böses wollte. Wären die Rauchmelder nicht gewesen, wäre er vermutlich binnen weniger Minuten am giftigen Rauch erstickt – das Feuer hätte auf das ganze Haus übergegriffen.

Dennoch: Die Ermittlungen der Polizei kommen nur schleppend voran. Oder werden kaum vorangetrieben, so scheint es zumindest. Die ersten Brandermittler, die noch am Donnerstag vorbeikommen, schauen sich laut Schmitz nur oberflächlich um, können das Geschehen aber grob rekonstruieren. Vermutlich flog ein Brandsatz durch das Oberlicht der Eingangstür. Von der Straße ist der zurückgesetzte Eingang nicht zu sehen, das Grundstück ist eingezäunt. Am Boden entzündeten sich Zeitschriften und Kleidungsstücke, die dann die darüberliegenden Regale in Brand steckten. Auch die Türzargen fingen Feuer, durch die Hitze platzte der Putz ab. Rauch und Ruß zogen in die beiden angrenzenden Räume, die Werkstatt und ein Arbeitszimmer.

„Ich hätte erwartet, dass umfangreich Spuren gesichert und Nachbarn befragt werden“, sagt Schmitz. Die hätten nämlich, wie er herausfand, einiges bemerkt. Einer Nachbarin fiel im Tatzeitraum ein auffälliges Zischen auf, eine andere berichtete von zwei Stimmen und einem Poltern. Das Poltern, so mutmaßt Schmitz, stammte von einer zu Bruch gegangenen Amphore im Garten. „Wahrscheinlich sind die Täter an der abgelegenen Grundstücksseite über den Zaun geklettert und dann daraufgesprungen.“ Das erzählte er tags darauf auch dem Brandermittler. „Die Antwort war, dass die Polizei schon wisse, was sie mache.“ Spuren wie DNA zu sichern sei sinnlos gewesen, weil es geregnet hätte. „Aber an dem Tag hat es definitiv nicht geregnet“, sagt Schmitz. Er machte für den darauffolgenden Montag einen Termin mit dem Brandermittler aus. Denn Schmitz hatte auch eine ihm unbekannte Sprühdose im Vorraum, in dem das Feuer ausbrach, gefunden. Der Termin verstrich – erst Tage später kamen nach einem neuerlichen Anruf Spurensicherer vorbei, konnten aber aufgrund der verstrichenen Zeit nichts mehr feststellen. Einen öffentlichen Zeugenaufruf, wie sonst üblich, gab es nicht.

„Wir nehmen die Darstellung des von einem Brandfall betroffenen Geschädigten ernst“, sagt Polizeisprecher Robert Scholten. Schmitz hat zwischenzeitlich einen Brief an Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa geschrieben. Die Beschwerde werde man prüfen und beantworten. „Die von ihm dargestellte Brandsache wird von speziell ausgebildeten Brandsachbearbeitern des zuständigen Fachkommissariats bearbeitet und schließlich mit der zuständigen Bonner Staatsanwaltschaft abgestimmt“, erläutert Scholten. Dass es keine öffentliche Meldung zu dem Brand gegeben habe, hänge damit zusammen, dass es manchmal schwierig sei, bei der Fülle an Einsätzen alle Sachverhalte abzubilden. Aus Sicht der Polizei sei der Brand überschaubar gewesen, es hätte keine Lebensgefahr bestanden. Den Sachschaden beziffere man auf rund 3000 Euro, da lediglich Regalbretter und Zeitungen gebrannt hätten. Offen bleibt allerdings die Frage, ob und inwiefern Fehler in der Ermittlungsarbeit passiert sind.

Die Versicherung geht in einer ersten Einschätzung von einem weit höheren Schaden aus. Weil das gesamte Untergeschoss leergeräumt und saniert werden müsse, liege er bei mehreren zehntausend Euro. Für Schmitz ist eine andere Belastung aber viel schlimmer. „Ich kann nachts kaum schlafen, weil ich immer daran denken muss, was als Nächstes passieren könnte.“ Die Frage, wer ihm das antun wollte, möglicherweise seinen Tod in Kauf genommen hat, lässt ihn nicht los. Deshalb seien die Ermittler gefordert. Doch sein Vertrauen in die Polizei ist erschüttert. „Ich werde jetzt alles mit einer Alarmanlage sichern.“