Kläranlage: Brandschaden in Beuel ist noch nicht ganz behoben

Kläranlage : Brandschaden in Beuel ist noch nicht ganz behoben

Vor einem Jahr zerstörte ein Feuer die empfindliche Elektronik der Kläranlage Beuel. Die Schäden sind noch nicht komplett behoben.

Die Beueler Kläranlage wird – genau wie ihre Pendants in Bonn, Duisdorf und Bad Godesberg – permanent modernisiert. "Wir arbeiten vorbeugend", sagt Betriebsleiter Achim Höcherl. Es wird nicht gewartet, bis Teile defekt sind, sondern stetig saniert, um Ausfälle zu vermeiden. In der Anlage in Schwarzrheindorf rüstet man sich zudem für das Bevölkerungswachstum. Künftig soll das Abwasser von bis zu 98.000 Einwohnern gereinigt werden. Die Schäden zweier Brände vor einem Jahr sind noch nicht komplett behoben.

Gleich zweimal kurz hintereinander, im September und im Oktober 2018, hatte es in der Beueler Kläranlage gebrannt. Auch wenn das Feuer schnell unter Kontrolle gebracht wurde, war der Schaden enorm: Der Betrieb lief über dezentrale Notstromaggregate. Zudem wurde in einer Art Notbetrieb geklärt, damit kein dreckiges Abwasser in den Rhein fließen konnte. Als wieder alles lief, konnte mit den Aufräumarbeiten begonnen werden: Seitdem werden große Teile der Verkabelung ersetzt und die zerstörten Schaltkästen wieder eingerichtet. Kostenpunkt: schätzungsweise eine Million Euro. "Wir gehen davon aus, dass beim ersten Vorfall eine Verbindungsmuffe im Kabelschacht undicht war. An dem Tag regnete es stark. Durch die Feuchtigkeit auf einer winzigen blanken Stelle am Stromkabel entstanden Funken, in der Folge Hitze, es schwelte, dann kam es zu Kurzschlüssen", erklärte Tiefbauamtsleiter Peter Esch damals. Die Muffen, die aus den 1970er Jahren stammten, wurden daraufhin komplett ausgetauscht.

Auch an anderen Stellen des Klärwerks wird vieles erneuert. Das größte Projekt ist das Hochwasserpumpwerk 1, das nach 50 Jahren im Betrieb einen Generationswechsel durchmacht. Es fängt den Ablauf aus der Kläranlage auf, wenn der Rhein über die Ufer tritt. Auch das Hochwasserpumpwerk 2 wird ertüchtigt, allerdings nur die elektrische Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, kurz EMSR.

Abwasser von Phosphor, Kohlen- und Stickstoff befreien

"Ziel ist, das Abwasser von Phosphor, Kohlen- und Stickstoff nahezu zu befreien", sagt Höcherl. So sorgten die Anlagen dafür, "dass die Bürger in einer luxuriösen Atmosphäre leben und das tolle Gefühl genießen dürfen, ohne Gestank am Rhein spazieren gehen zu können". Auch, dass kein Dreck aus dem Abwasser in den Fluss gelangt, sei den Anlagen zu verdanken. Gereinigt wird in drei Stufen: mechanisch, biologisch und chemisch. Zunächst wird das Abwasser von großen Feststoffen befreit, danach werden kleinere Teile wie Sand herausgesaugt und -geschoben. Gelöste Stoffe, die zwei Drittel der Verunreinigungen ausmachen, werden in der biologischen Reinigungsstufe entfernt. Mikroorganismen fressen diese auf und wandeln sie in so genannten Belebtschlamm um. Der wird in der Nachklärung aus dem Abwasser entnommen. Weitere biochemische Reaktionen sorgen dafür, dass auch Stickstoff und Phosphor nahezu verschwinden.

Zuletzt stehen chemische Reinigung und Filtration auf dem Programm. Dabei wird der Rest-Phosphor durch zugegebene Salze gebunden und dann entzogen, auch die letzten feinsten Schwebeteilchen werden entfernt. Medikamentenrückstände verbleiben im Abwasser, so Höcherl. Es sei zwar technisch kein Problem, die Anlagen um diese vierte Reinigungsstufe zu erweitern. Bisher allerdings gebe es dazu keinen gesetzlichen Auftrag. Der aber sei für die Aufrüstung nötig, stellt der Betriebsleiter fest.

Bei der biologischen Stufe will die Stadt aufrüsten, mit der "Umstellung der Verfahrenstechnik Biologie von einer vorgeschalteten auf eine intermittierende Denitrifikation", wie es im Fachjargon heißt. Im intermittierenden Betrieb wird eine Belüftung immer wieder ein- und ausgeschaltet. Ist die Denitrifikation vorgeschaltet, wird ein Becken ohne Sauerstoff, das andere mit Sauerstoff betrieben. Mit dem Umbau erhöht die Stadt auch die Leistungsfähigkeit der Kläranlage, von derzeit 80.000 auf 98.000 Einwohner.

Was die Beueler Kläranlage besonders macht, ist ihre Verbindung zur Anlage am Salierweg. Durch den Rhein führt ein Rohr, in dem Klärschlamm transportiert wird. "Der Düker, sowie die dazugehörigen Schächte einschließlich der Armaturen und Messeinrichtungen werden halbjährlich kontrolliert und überprüft", erklärt Esch. Die Leitung wurde schon 1977 in Betrieb genommen, Stücke aber bereits ausgetauscht – damit sie noch lange hält.

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