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Wissenschaftspark in Beuel: Bonns größte Freifläche für Gewerbe

Wissenschaftspark in Beuel : Bonns größte Freifläche für Gewerbe

Der gescheiterte Wissenschaftspark in Beuel wird zu einem elf Hektar großen Standort für Handwerk und Büros. 2017 wird geklärt, ob Bonn Förderungsmittel zurückzahlen muss.

Im Laufe des Jahres 2017 werden sich Vertreter der NRW-Landesregierung und der Stadt Bonn an einen Tisch setzen, um die Abrechnung für die Entwicklungsmaßnahme „Wohn- und Wissenschaftsparks (WTP)“ zu analysieren und über mögliche Rückzahlungen von Städtebauförderungsmitteln zu verhandeln. Wie viele Millionen Euro die Bundesstadt an das Land NRW zurückzahlen muss, bleibt abzuwarten.

Warum muss die Bundesstadt überhaupt Fördermittel zurückzahlen? Die Antwort liefert Jutta Strubelt, zuständige Projektleiterin der NRW.Urban (Nachfolgerin der Landesentwicklungsgesellschaft): „Durch die nachträgliche Aufnahme des Projekts Wohnpark II in die Entwicklungsmaßnahme hat die Stadt Bonn deutlich mehr Einnahmen zu erwarten als ursprünglich geplant. Deshalb stehen der Bundesstadt grundsätzlich weniger Städtebauförderungsmittel zu. Genaueres kann man erst sagen, wenn die Abrechnung der Gesamtmaßnahme zum 31. Dezember 2016 erfolgt ist.“

Nach der jährlich fortzuschreibenden Kosten- und Finanzierungsübersicht stehen derzeit den Gesamtentwicklungskosten von 82 Millionen Euro Einnahmen in Höhe von rund 80,4 Millionen Euro gegenüber (Stand 31. Dezember 2015). Damit würden sich die mit Maßnahmenbeginn (1999) kalkulierten unrentierlichen Kosten von 5,94 Millionen Euro auf 1,6 Millionen Euro reduzieren.

Will heißen: Die Stadt Bonn hat nach heutigem Stand zu viel Städtebaufördermittel erhalten. Allerdings: Die Abwicklung der Entwicklungsmaßnahme wird aller Voraussicht nach bis 2021 dauern.

Grund: Der Grundstücksverkauf im Wohnpark II in Vilich-Müldorf beginnt erst in der zweiten Jahreshälfte 2016, und die Vermarktung des Büro- und Gewerbeparks Pützchen beginnt frühestens 2017, weil eine erneute Offenlage des Bebauungsplans plus Bürgerbeteiligung erforderlich ist. Erst wenn diese beiden letzten Stadtentwicklungsprojekte abgeschlossen sind, wird man auf Euro und Cent wissen, was die gesamte WTP-Maßnahme den Steuerzahler gekostet hat.

Zögerliche Projektumsetzung

1995 haben Stadtplaner mit den ersten vorbereitenden Untersuchungen für den Wohn- und Technologiepark Bonn/Sankt Augustin begonnen. Vier Jahre später wurde die Satzung für das interkommunale Projekt beschlossen. Vor dem Hintergrund des Bonn-Berlin-Beschlusses zielte die Maßnahme auf die Entwicklung eines neuen Standortes für die Errichtung von zukunftsträchtigen, innovativen Arbeitsstätten und Wohnungen ab.

Die rund 70 Hektar umfassenden Fläche bestand damals aus folgenden Teilbereichen: die Wohngebiete Wohnpark I und Ziegelfeld in Vilich-Müldorf, das Wohngebiet Buschweg in Sankt Augustin und den Wissenschaftspark, zunächst aufgeteilt in West und Ost. Der Realisierungszeitraum war zunächst für die Jahre 2000 bis 2011 vorgesehen.

Aber die zögerliche Projektumsetzung sowie die kritische Kosten- und Erlössituation veranlassten die Stadt Bonn im Jahr 2008, bei der Bezirksregierung Köln einen Antrag auf Verlängerung der Maßnahme und Einbeziehung der Flächen des Wohnparks II in die Gesamtmaßnahme zu stellen.

Im Herbst 2009 stimmte die Bezirksregierung diesem Antrag mit der Maßgabe zu, dass diese Verlängerung ohne zusätzliche Landesförderung durchzuführen sei und die Stadt die nicht vermarkteten Grundstücke des damaligen Wissenschaftsparks-West (heute: Büro- und Gewerbepark Pützchen) nach und nach bis 2017 zum Verkehrswert übernimmt.

Warum ist das Projekt Wissenschaftspark gescheitert?

Zum 31. Dezember 2015 sind die Wohngebiete Buschweg und Ziegelfeld komplett und der Wohnpark I zu 95 Prozent abgeschlossen. Im Baugebiet Am Mühlenbach sind alle Grundstücke veräußert und die Erschließung baureif hergestellt.

Die Mitglieder der Bezirksvertretung Beuel werden sich in ihrer heutigen Sitzung mit einer umfassenden Mitteilung der Stadtverwaltung zu dieser Entwicklungsmaßnahme beschäftigen. „Wir werden sicherlich einige Fragen zu diesem Papier haben, vor allem zu den Städtebauförderungsmitteln, die die Stadt Bonn zurückzahlen soll“, erklärte gestern Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus im Gespräch mit dem GA.

Gefragt, warum das Projekt Wissenschaftspark gescheitert ist, antwortete Déus: „Es gab keine Interessenten aus diesem Sektor für die Flächen an der Autobahn. Lärmemissionen und Erschütterungen durch den Verkehr haben potenzielle Firmen und Institute abgeschreckt.“