Straßen NRW will billigere Variante: Bonner wollen Kreisel an Kreuzung B56/Reinhold-Hagen-Straße

Straßen NRW will billigere Variante : Bonner wollen Kreisel an Kreuzung B56/Reinhold-Hagen-Straße

Was passiert an der Kreuzung B56/Reinold-Hagen-Straße? Die Bonner Politiker wollen einen großen Kreisel. Diese Lösung kostet jedoch 7,8 Millionen Euro. Straßen NRW bevorzugt deshalb die günstigere Variante.

Die Baumaschinen sind längst an einem anderen Einsatzort. Die 14 Ampeln an der Kreuzung Sankt Augustiner Straße/Am Herrengarten tun ihren Dienst. Der Verkehr läuft. Das Projekt vierspuriger Ausbau der B 56 bei Vilich-Müldorf ist bis auf „kleinere Nachjustierungen“, wie es Frank Klein von der Bauaufsicht des Landesbetrieb Straßen NRW nennt, nach anderthalbjähriger Bauzeit abgehakt. Rund fünf Millionen Euro hat die Maßnahme laut Klein gekostet.

Aber es ist eben nur ein Teilstück. Der Lückenschluss zur Kreuzung B56/Bundesgrenzschutzstraße/Reinold-Hagen-Straße fehlt. Daher endet für Radfahrer Richtung Siegburg der Radweg abrupt einige Meter hinter der Kreuzung Am Herrengarten vorm Sperrschild. Dahinter ist Stoppelwiese.

„Die Vorplanung ist in Arbeit“, sagt Bernd Egenter, Abteilungsleiter Planung beim Landesbetrieb. „Vorsichtig geschätzt“, rechnet er nicht vor 2020 mit einem Ergebnis. „Denn es sind viele Detailfragen zu klären, alles muss geprüft werden vom Baurecht über Kostenbeteiligungen Dritter bis hin zum Gewässerschutz.“ Ausdrücklich plant der Landesbetrieb lediglich den Neubau einer Kreuzung mit Ampeln. Und da liegt der Knackpunkt: Bonn will eine andere Lösung: einen großen Kreisel mit einer kreuzungsfreien Unterführung für den Geradeaus-Verkehr auf der B 56. Eine Ampelkreuzung würde rund 2,9 Millionen Euro kosten, ein großer Kreisverkehr dagegen 7,8 Millionen Euro.

„Der Bund hat eindeutig signalisiert, dass er lediglich die Kosten für eine Kreuzung trägt. Was darüber hinausgeht, muss Bonn bezahlen“, steht für Egenter fest. Die Stadt müsse sich also auf die Suche nach zahlungskräftigen Partnern machen. Das ist derzeit Stand der Dinge. Verwaltung und Kommunalpolitiker werben auf Bundesebene für den Kreisel. Wie die Chancen stehen? „Es gibt Optionen, aber noch keine Rückmeldungen“ sagt beispielsweise Bezirksbürgermeister Guido Déus.

„Es gibt noch keinen neuen Sachstand“

Für ihn ist ein zugkräftiges Argument, „dass ohne Südtangente alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssen, die B 56 im Gegenzug leistungsfähiger zu machen. „Selbstverständlich müssen auch Sankt Augustin und der Rhein-Sieg-Kreis als die Nachbarn mit ins Boot. Sind da überhaupt schon Gespräche geführt worden?“ Das städtische Presseamt vermeldet auf GA-Anfrage: „Es gibt noch keinen neuen Sachstand.“ Fest steht, für Radler wird es also noch einige Jahre dauern, bis sie ihre Fahrt nach Sankt Augustin nach der Kreuzung Am Herrengarten direkt an der B 56 fortsetzen können.

Ungeachtet dessen hat der Baubetrieb für die neue Tankstelle im Dreieck zwischen Siegburger Straße, Reinold-Hagen-Straße und B 56 vergangene Woche begonnen. Die Treibstofftanks sind bereits eingelassen. Die Fundamente für das Tankstellendach und das Shop-Gebäude sind frisch gegossen, die Stützen für die vier Zapfsäulen eingelassen. Im November sollen die Fertigbauteile für die Gebäude angeliefert werden. Betreiber Thomas Scherer (39) rechnet im Frühjahr 2019 mit der Eröffnung. „Wir arbeiten mit hoch spezialisierten Firmen, die stark nachgefragt sind, daher sind wir froh, wenn der Zeitplan nicht ins Stocken gerät.“ Für ihn mache es keinen Unterschied, ob der Knotenpunkt B 56/Reinold-Hagen-Straße durch Kreuzung oder Kreisel geregelt werde. Die Tankstellenaus- und einfahrt führt von der Siegburger Straße über die Fränkische Straße auf das knapp 5000 Quadratmeter große Gelände.

„Viel Geduld“ hat es gebraucht, bis Scherer endlich seine Pläne für eine Tankstelle realisieren kann. „Seit 2007 bemühen wir uns um dieses Areal.“ 2017 wurde es schließlich von der landeseigenen Entwicklungsgesellschaft NRW-Urban im Rahmen der Planung des Büro- und Gewerbeparks treuhänderisch für die Stadt auf den Markt gebracht. „Die Sache stand lange auf Messers Schneide“, sagt der studierte Volkswirt. Hintergrund für die Verlagerung der Tankstelle ist die Prognose, dass der jetzige Standort des Familienunternehmens an der Holtorfer Straße in Pützchen „durch den Autobahn-anschluss Maarstraße in der Existenz gefährdet ist“.

Wegen der daraus resultierenden geänderten Verkehrsführung und der Schließung der Abfahrt Pützchen werde der Ortsteil abgebunden, „so dass die Kunden uns nicht mehr erreichen können“. Daher befürwortet Thomas Scherer den Erhalt der Abfahrt.

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