Aussichtsplattform an der Rabenlay: Bonner Plattform bietet spektakulären Blick ins Rheintal

Aussichtsplattform an der Rabenlay : Bonner Plattform bietet spektakulären Blick ins Rheintal

Die Aussichtsplattform an der Rabenlay oberhalb von Oberkassel wird nächste Woche freigegeben. Der Skywalk im Ennertwald ist zwar schon seit acht Wochen fertig, es mussten jedoch noch Versicherungsfragen geklärt werden.

Seit mehr als acht Wochen ist die spektakuläre Aussichtsplattform am Rheinhöhenweg fertig. Aber – und das wundert Wanderer und Radfahrer gleichermaßen – sie ist immer noch gesperrt. Wer im Ennertwald in Höhe der Felswand Rabenlay unterwegs ist, stößt auf Metallzäune, die mit stabilen Fahrradschlössern an der hölzernen Absturzsicherung befestigt sind. Allein der optische Eindruck vermittelt dem Betrachter die Vermutung: Hier ist alles fertig, aber irgendetwas stimmt wohl nicht.

Martin Bredenbeck, Geschäftsführer des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, dessen Verein der Hauptinitiator der Plattform ist, sagte dem GA bei einem Besichtigungstermin an der Rabenlay: „Baulich hat alle bestens geklappt und wir sind seit gut zwei Monaten fertig. Es gab aber zwei Gründe, weshalb wir die Aussichtsplattform bislang nicht öffnen konnten.“ Zum einen habe sein Verein den Bau der Plattform zum Anlass genommen, den Versicherungsschutz für Haftpflichtschäden anzupassen, und zum anderen habe es einen Wechsel im Vereinsvorstand gegeben.

Der neue Vorstand habe sich am Dienstag zur konstituierenden Sitzung getroffen und entschieden, dass die Plattform ab nächster Woche für die Nutzer zugänglich sein wird. „Der neue Versicherungsvertrag wird in den nächsten Tagen von unserem neuen Vorsitzenden Professor Christoph Zöpel unterschrieben, und dann können wir die Aussichtsplattform freigeben“, so Bredenbeck. Am Sonntag, 17. September, wird es ab 14 Uhr ein offizielles Einweihungsfest an der Rabenlay mit allen beteiligten Firmen, Vereinen und Bürgern geben.

In der Steilwand brüten Uhus und Falken

Auf die Frage, warum die Holzbrücke nicht weiter über die Steilwand der Rabenlay herausragt, antwortet Bredenbeck: „Bautechnisch hätten wir die Plattform wie einen Skywalk errichten können, aber dagegen haben sich die Vertreter des Naturschutzes ausgesprochen. Und der Grund ist auch nachvollziehbar. In der Steilwand brüten nämlich Uhus und Falken, die sich durch eine längere Brücke gestört fühlen würden.“

Wie gesagt, Bauherr ist der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, der das Vorhaben in enger Abstimmung mit dem LVR-Landesmuseum Bonn umgesetzt hat. Auf insgesamt 16 Tafeln, die am Geländer der Plattform angebracht wurden, gibt es Informationen zur Fundstelle „Oberkasseler Mensch“, zum Naturschutzgebiet Siebengebirge, der Geologie und verschiedenen Themen der Kulturlandschaft geben, die von diesem spektakulären Punkt oberhalb des Steinbruchs bei einem Blick in das Rheintal zu sehen sind.

„Wir wollen durch die Plattform den Besucherstrom aus dem Tal auf die Anhöhe locken. Das macht Sinn, weil es an der Fundstelle nichts mehr zu sehen gibt und dort auch keine offiziellen Wege existieren“, erklärte Professor Michael Schmauder, Archäologe der Universität Bonn. Deshalb werde man noch Hinweisschilder in Oberkassel aufstellen, die zur Aussichtsplattform führen werden.

Archäologische Funde im Steinbruch

Bereits weit im Vorfeld der Feierlichkeiten anlässlich der 100. Wiederkehr der Entdeckung der berühmten späteiszeitlichen Doppelbestattung von Oberkassel im Jahr 2014 gab es Überlegungen, im Umfeld der einstigen Fundstelle einen Ort zu schaffen, an dem die herausragende Bedeutung des Fundes in angemessener Weise gewürdigt werden sollte. Immerhin zählt die 1914 im Zuge von Steinbrucharbeiten im Bereich der Rabenlay geborgene Doppelbestattung eines männlichen und eines weiblichen Individuums aus der Zeit um 14.000 vor Christus zu den bedeutendsten altsteinzeitlichen Funden Europas.

Und das nicht zuletzt aufgrund der weiteren Grabbeigaben: ein Knochenstab mit Tierkopfverzierung, ein Geweihstück in Form einer Elchkuh und der Penisknochen eines Bären sowie die Reste eines der frühesten Haushunde weltweit. Die Originalfunde werden heute mitsamt der in den letzten Jahren im Rahmen der umfassenden Neubearbeitung gewonnenen Ergebnisse im LVR-Landesmuseum Bonn präsentiert.

Am Anfang stand ein Workshop

Am Beginn des Projektes stand ein mit der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft durchgeführter Workshop, der sich mit der Aufwertung der bestehenden Informationssituation unterhalb der Rabenlay befasste. Die Quintessenz des Workshops war, dass der bisherige Platz als Vermittlungsort aufgrund seiner unzureichenden Einbindung in das Wegenetz und seiner versteckten Lage kaum dafür geeignet ist, diesen einzigartigen Fundplatz stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Bereits während des Workshops wurden von studentischer Seite daher Überlegungen formuliert, den Aussichtspunkt oberhalb der Fundstelle zu positionieren, wo sich bereits Tafeln zur Doppelbestattung befanden. Diese Überlegungen wurden dann seit 2013 konsequent weitergeführt.

Getragen wird die Initiative seitdem durch ein breites vor allem bürgerschaftliches Bündnis, zu dem der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, der Heimatverein Bonn-Oberkassel, der Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch, der Landesbetrieb Wald und Holz NRW, das LVR-Landesmuseum Bonn und das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland zählen. Als Förderer für das Projekt konnte die NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege gewonnen werden. Darüber hinaus wird die Realisierung durch das von Beginn an intensiv in das Projekt eingebundene NRW-Ministerium für Bauen, Stadtentwicklung und Verkehr und den Landschaftsverband Rheinland ermöglicht.

Die Landschaftsarchitekten „die3“ haben den Entwurf erarbeitet. Die Realisierung der Plattform lag in den Händen des Ingenieurbüros Miebach, das vor allem im Brückenbau tätig ist und im Ennertwald mit dem Werkstoff Holz vornehmlich gearbeitet hat. Die Kosten liegen bei ungefähr 160.000 Euro.

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