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Bonn-Beuel: Neue Wohnformen im Ledenhof

Interview mit Alexandra Quindt : Neue Wohnformen im Ledenhof in Beuel

Das neue Quartier an der Stiftsstraße, das im Herbst bezugsfertig sein soll, ermöglicht nachbarschaftliches Leben für Menschen mit und ohne Behinderung. Über das Konzept sprach GA-Mitarbeiter Rainer Schmidt mit HPH-Regionalleiterin Alexandra Quint

Seit Oktober 2016 ist Alexandra Quint im Ledenhof in Vilich tätig. Sie trägt jedoch nicht nur die Verantwortung für das Quartier an der Stiftsstraße in Vilich, sondern ist auch Leiterin aller Angebote des LVR-Verbunds HPH (Heilpädagogische Hilfen) in der Stadt Bonn. Über ihre verschiedenen Aufgaben, ihre spezielle Rolle in Vilich und den Stand des Neubaus sprach sie mit GA-Mitarbeiter Rainer Schmidt.

Frau Quint, was hat sie nach Vilich gebracht?

Alexandra Quint: Beim LVR selber bin ich seit 28 Jahren tätig. Innerhalb des LVR-Verbundes HPH bin ich nach Vilich gewechselt. Hier hatte sich eine Vakanz ergeben, und es war notwendig, die Position der Regionalleitung schnell neu zu besetzen. Nach ein paar Wochen wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, auf Dauer hierzubleiben, was ich sehr gerne angenommen habe. Denn obwohl ich nicht hier wohne, gefällt es mir in Bonn sehr gut.

Regionalleitung und Leitung der Liegenschaft in Vilich, können Sie das bitte erklären!.

Quint: Wir haben eine dreistufige Leitungsstruktur. Jedes einzelne Haus und auch das ambulant betreute Wohnen hat eine Teamleitung vor Ort. Auf der zweiten Ebene gibt es die Regionalleitungen, zu der ich gehöre, die für alle Angebote in einer Region zuständig sind. Die Gesamtleitung des LVR-Verbund HPH wird durch den Vorstand sichergestellt.

Wofür genau sind sie zuständig?

Quint: Wir unterstützen erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung in allen Bereichen, wo sie Hilfe benötigen, um möglichst selbstbestimmt in der Gesellschaft leben zu können. Außer in Vilich bin ich noch zuständig für unser Angebot in Castell, wo wie in Vilich derzeit neu gebaut wird, so wie in Poppelsdorf. Wir bieten auch ambulant betreutes Wohnen und Tagesstruktur an. Ich bin dafür verantwortlich, unsere Angebote so zu organisieren, dass unsere Bewohner das bekommen, was ihnen aufgrund ihrer Unterstützungsbedarfe zusteht, und dass dabei alle rechtlichen Bestimmungen berücksichtigt werden.

Können Sie dabei noch in Ihrem studierten Beruf als Heilpädagogin arbeiten?

Quint: Sicher, denn ich übernehme auch Fachberatungen vor Ort. Ich schaue, welche Bedarfe es in der Region gibt, wie sich die Angebote konzeptionell verändern und entwickeln müssen. Und ich bin für den Bereich Personal, wozu Mitarbeitergespräche und Einstellungen gehören, zuständig. Insgesamt unterstützen wir in der Region mit 100 Mitarbeitern 120 Personen.

Sind Sie da nicht weit weg von den Bewohnern?

Quint: Überhaupt nicht. Ich kenne jede einzelne Bewohnerin und jeden Bewohner, bin in der Regel häufig vor Ort. Wenn ich jemanden treffe, dann weiß ich, wer das ist und wo sie oder er wohnt, sowie welche Unterstützung er oder sie benötigt. Noch besser kennen natürlich unsere Mitarbeiter die Menschen, die sie direkt unterstützen.

Kommen wir konkret auf den Ledenhof zurück. Wieviel Personen wohnen derzeit hier?

Quint: In drei Häusern wohnen momentan 54 Personen.

Und wie viele werden hier wohnen, wenn die Neubauten fertig sind?

Quint: 50.

So wenig? Und wo bleiben die restlichen vier?

Quint: Einige Bewohnerinnen und Bewohner wollen nach Castell ziehen, wo bereits ehemalige Ledenhofbewohner wohnen. Im Vordergrund steht der Quartiersgedanke. Menschen mit und ohne Behinderung werden hier wohnen und sich im Quartier begegnen. Es soll ein aktives Miteinander gelebt werden. Insgesamt werden hier 350 Menschen wohnen. Die LVR hatte das Grundstück dem Investor verkauft. Die Häuser für unsere Angebote für Menschen mit Behinderung mieten wir mit sehr langfristigen Mietverträgen an. Die anderen Häuser vermarktet der Investor.

Was ist denn hier beim neuen Ledenhof die Herausforderung für den LVR?

Quint: Hier betreten auch wir Neuland. Dieses kleinteilige Wohnen im Quartier für Menschen mit und ohne Behinderung setzen wir in der Form sonst noch nirgendwo so um. Positiv dabei ist: Unsere Bewohnerinnen und Bewohner bleiben in ihrem Stadtteil, sie können problemlos weiter zu ihrem Arzt oder Friseur gehen. Sie ziehen nicht in eine neue Umgebung, sondern sie ziehen in ihrem Quartier in neue Wohnungen. Die Planungen für den Bezug der Wohnungen machen wir zusammen mit den Bewohnern, und wir werden in den Wohngemeinschaften nur die zusammenbringen, von denen wir überzeugt sind, dass es zwischenmenschlich stimmig ist. Es wird auch ein zentrales Quartiershaus geben, wo wir Angebote für alle Quartiersbewohner machen werden.

Wann werden die Neubauten fertig sein?

Quint: Trotz Corona spricht nichts dagegen, dass wir die neuen Räumlichkeiten im Herbst dieses Jahres beziehen können.