BND-Chef Bruno Kahl besucht das Kardinal-Frings-Gymnasium in Bonn

Wie Spione arbeiten : BND-Chef Bruno Kahl besucht seine alte Schule

BND-Präsident Bruno Kahl hat seine alte Schule, das Kardinal-Frings-Gymnasium, besucht. In erster Linie sollte er über den Arbeitgeber informieren. Die Schüler hatten aber auch kritische Fragen.

Wie viele Undercover-Agenten beschäftigt der Bundesnachrichtendienst in fremden Ländern? Präsident Bruno Kahl weiß es, aber konkret beantworten wollte er diese Frage eines Schülers am Kardinal-Frings-Gymnasium natürlich nicht. „Das ist geheim!“, konterte er verschwörerisch bei der Diskussions- und Berufsorientierungsveranstaltung, die er am Donnerstag besuchte. Denn er war selbst Schüler dort: 1981 hat Kahl sein Abitur am KFG abgeschlossen.

Sein erster Weg zu Beginn der Veranstaltung in der Aula führte ihn deshalb zu einigen seiner ehemaligen Lehrer, die es sich nicht nehmen ließen, ihren heute prominenten Schüler zu sehen. Danach stellte er den Oberstufenschülern sich selbst und die Aufgaben des BND vor, dessen Präsident er seit 2016 ist – eine Berufung, die für ihn überraschend kam, sagte er. Kahl hat in Bonn Jura studiert und war danach unter anderem 15 Jahre lang Mitarbeiter von Wolfgang Schäuble – er kennt den neuen BND-Standort Berlin und den Politikdschungel gut.

Oft in gepanzerten Fahrzeugen unterwegs

Der BND sammelt Informationen für Kanzleramt, Außen- und Verteidigungsministerium sowie von Geschehen in anderen Ländern zu Themen, die die Sicherheit Deutschlands von außen bedrohen würden, unter anderem durch IS-Terroristen. Sein Arbeitsalltag als BND-Präsident, erklärte Kahl, bestehe zu je einem Drittel aus dem Leiten der Behörde, der Pflege von Kontakten zu anderen Nachrichtendiensten weltweit und dem Umgang mit der Politik. Dafür sei er oft in gepanzerten Fahrzeugen und mit Personenschutz unterwegs – beim KFG aber nicht.

Die Themen der Schülerfragen waren weit gestreut. Wie viele Anschläge der BND in diesem Jahr vereitelt hat, ob BND-Mitarbeiter diplomatische Immunität besitzen, wie unangenehm es Kahl war, als seine Behörde zugeben musste, dass sie auch andere Regierungen abhört, und was er über den Whistleblower Edward Snowden denkt.

Agenten haben keine „Lizenz zum Töten“

Aus Sicht des BND-Präsidenten konnte er NSA und CIA nur zustimmen, dass sie Snowdens Verhalten verurteilen. „Wenn er ein Mitarbeiter des BND gewesen wäre, hätte er bei uns sehr großen Schaden angerichtet.“ Die Gymnasiasten wollten außerdem wissen, welche außenpolitischen Themen für den BND künftig besonders relevant sein werden. „Bestimmte Großmächte werden uns Sorgen machen, weil sie große Anstrengungen unternehmen, andere Länder zu dominieren“, antwortete Kahl.

Der BND habe die Befugnis, Informationen auf heimliche Art und Weise zu beschaffen, sagte Kahl. „Das ist das, was man klassisch Spionage nennt.“ Eine „Lizenz zum Töten“ hätten die deutschen Agenten aber nicht. „Ich bin persönlich sehr froh, dass wir das nicht dürfen.“ Und man sei immer auf der Suche nach kompetenten Mitarbeitern, derzeit besonders nach Cyberspezialisten und arabischen Sprachvermittlern. Generell sei aber eine große Bandbreite an unterschiedlichen Berufen in seiner Behörde vertreten.

Wer beim BND eingestellt werden will, werde ausgiebig überprüft. Man wolle vor allem herausfinden: „War man schon mal irgendwie in Versuchung, sich von ausländischen Geheimdiensten anwerben zu lassen?“ Spione in den eigenen Reihen, das wäre peinlich und könne ihn den Job kosten. „Dieses Risiko ist mit eingepreist.“

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