Oberholtorfer Ortsgeschichte: Bischofsstab ist wieder deutlich zu erkennen

Oberholtorfer Ortsgeschichte : Bischofsstab ist wieder deutlich zu erkennen

Michael Niesen säuberte und sanierte den alten Grenzstein an der ehemaligen Saalkirche in Oberholtorf.

Nur mit Muskelkraft und Spucke kam Michael Niesen bei diesem Bauprojekt nicht weiter. „Nein“, lacht der Oberholtorfer. „Dafür musste ich schon auf neuzeitliches Baumaterial zurückgreifen.“ In unmittelbarer Nähe der frühmittelalterlichen Saalkirche hob er zunächst ein tiefes Loch aus und verfüllte es mit Zement. Anschließend setzte er den rund 75 Kilogramm schweren Grenzstein ein. Auch Heimatforscher Horst Wolfgarten ist zufrieden. „Ich freue mich nicht nur darüber, dass der Stein jetzt an diesem bedeutenden Ort steht. Sondern es ist auch schön zu sehen, dass die Inschrift wieder lesbar ist.“

Dafür musste der gräuliche Grenzpfosten, den Wolfgarten zufällig bei Feldarbeiten entdeckt hatte, gründlich gesäubert werden. „Man sah gleich auf den ersten Blick, dass die verschiedenen Ackergeräte, die über Jahrhunderte darüber hinweg gefahren waren, Spuren hinterlassen hatten.“ Anschließend zeichnete Niesen, der auch regelmäßig Reparaturarbeiten am Grundriss der Saalkirche durchführt, die Inschrift nach. Jetzt sind die Initialen „HB“ für Heisterbach sowie der Bischofsstab wieder deutlich zu erkennen.

Doch nicht nur den restaurierten Grenzstein ließen die beiden Oberholtorfer Heimatforscher mit Unterstützung des Bürgervereins auf dem Gelände, das fast 500 Jahre im Besitz der Zisterziensermönche von Kloster Heisterbach war, aufstellen. Um Besuchern und Spaziergängern einen Überblick über die Historie der Region und speziell dieses Ortes zu geben, haben sie die Schautafel mit aktuellen Bildern und Texten bestückt. „Wir befinden uns hier auf sehr geschichtsträchtigem Boden“, erzählt Wolfgarten, der sich seit Jahrzehnten mit der Historie und der Vergangenheit seines Heimatortes beschäftigt und heute ein anerkannter Experte auf dem Gebiet der Altertumsforschung ist. Wolfgarten war es auch, der im Sommer 2000 bei Feldarbeiten auf Reste eines bedeutenden Sakralbaus stieß.

Dabei handelt es sich um eine Saalkirche von erstaunlichen Ausmaßen, deren Fundamente bis heute erhalten sind. Wahrscheinlich ist sogar, dass es sich um einen der ältesten Sakralbauten in der gesamten Region handelt. Bei den Grabungen stießen die Archäologen auf zwei frühmittelalterlichen Kirchen – eine ältere, die später auf eine für damalige Zeiten ungewöhnliche Größe erweitert wurde. „Die Vorgängerkirche ist wahrscheinlich in der späten Merowingerzeit errichtet worden“, erklärt Horst Wolfgarten.

Im Chor der erweiterten Kirche wurde ein Kindergrab mit zwei Skeletten gefunden. Entsprechende Untersuchungen ergaben, dass es sich um ein vierjähriges Kind handelt, das 1024 beigesetzt wurde, sowie einen Säugling, den man 1161 bestattet hatte.

Heinrich I. von Löwenburg als Besitzer der Flächen in Holtdorf hatte 1333 – lange, nachdem das Kirchengebäude verfallen und abgetragen war – diese Parzelle von etwa 70 000 Quadratmetern den Zisterziensern „Zum Heile seiner Seele und seiner Gemahlin Agnes“ vermacht.

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