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Geburtstag von Erna Neubauer: Beuels Ehren-Obermöhn wird 90 Jahre alt

Geburtstag von Erna Neubauer : Beuels Ehren-Obermöhn wird 90 Jahre alt

Erna Neubauer verkörperte ein Vierteljahrhundert die Obermöhn der Beueler Weiberfastnacht. An diesem Samstag feiert die heutige Ehren-Obermöhn ihren 90. Geburtstag mit Familie und Freunden.

Sie war 25 Jahre lang die Mutter der Kompanie. Ihr Name stand im rheinischen Karneval für Mutterwitz, Galionsfigur und Vollblutkarnevalistin. Erna Neubauer verkörperte ein Vierteljahrhundert die Obermöhn der Beueler Weiberfastnacht. An diesem Samstag feiert die heutige Ehren-Obermöhn ihren 90. Geburtstag mit Familie und Freunden.

Die Entwicklungen in der Beueler Weiberfastnacht verfolgt Erna Neubauer immer noch aufmerksam. Sie nimmt hier und da auch noch an einigen wenigen Sitzungen teil. Der Beueler Rathaussturm ist für sie natürlich ein Muss: "Aber den verfolge ich aus Distanz. Da stehe ich nicht mehr in der Menge." Die jetzige Amtsinhaberin, Ina Harder, bezeichnet Neubauer als einen Hauptgewinn für das Beueler Brauchtum: "Sie hat das Herz auf der Zunge, ist schlagfertig und überall gerne gesehen."

Und gibt es einen Unterschied zu ihrer Amtszeit? Antwort: "Ja, der Karneval wird immer professioneller. Heute steckt noch mehr Arbeit in diesem Ehrenamt. Aber die Beueler Weiberfastnacht befindet sich auf einem guten Weg und bereitet sich auf das große Jubiläum im Jahr 2024 vor." Dann feiert der Wievefastelovend seinen 200. Geburtstag.

Anekdoten gibt es viele über die Jubilarin zu berichten. Zum Beispiel ritt sie 1975 auf einem Elefanten im Weiberfastnachtszug mit. "Der muss Alkoholiker gewesen sein", erinnerte sich Erna Neubauer. Kaum sah der Elefant einen Mann mit einer Bierflasche in der Hand, riss er diese mit dem Rüssel an sich und trank sie. "Das geschah immer wieder während des Zuges. Das war mir so peinlich. Als ich das später dem Tierpfleger erzählte, sagte der mir, dass der Elefant schon vor dem Zug eine ganze Flasche Cognac getrunken hätte – zur Beruhigung natürlich", so Neubauer weiter.

Dass sie einmal eine einzigartige Karnevalskarriere durchleben würde, damit hatte in ihrer Familie niemand gerechnet. Erna Neubauer kam durch Zufall mit dem Karneval in Kontakt. "1960 bin ich in die CDU eingetreten und lernte Maria Balzer kennen. Sie war die Vorsitzende der Frauen Union, Präsidentin des Alten Beueler Damenkomitees und auch amtierende Obermöhn." 1965 lockte Balzer die junge Erna Neubauer ins Damenkomitee. Sie übernahm schnell die Vize-Positionen Balzers, und 1973 auch die Führung des Damenkomitees und die Funktion der Obermöhn. Was folgte, war eine 25-jährige Erfolgsgeschichte. 1998 löste Evi Zwiebler Erna Neubauer ab

Erna Neubauer hat die Beueler Weiberfastnacht hoffähig gemacht. Internationale Fernsehsender haben durch die Übertragung des Beueler Rathaussturms das einmalige Brauchtum in der ganzen Welt bekannt gemacht. Bei den Empfängen im Bonner Bundeskanzleramt stand die jeweilige Wäscherprinzessin oftmals im Mittelpunkt und im Blitzlichtgewitter der Fotografen. "Als wir 1994 bei Bundeskanzler Helmut Kohl waren, hatte dieser nur Augen für Lucie I." Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft mit Mirecourt hatten sich die Beueler für eine französische Tollität entschieden. "Und Kohl war von dieser Idee begeistert. Er sagte, das sei gelebte Völkerverständigung im besten Sinne", erinnerte sich Neubauer.

Wenn sie ins Erzählen kommt, sind schnell einige Stunden verflogen. Viele Zimmer ihres Wohnhauses in Pützchen gleichen einem Karnevalsmuseum. Fotos, Geschenke, Andenken und besonders seltene Auszeichnungen schmücken die Wände. Stolz ist Erna Neubauer auf die höchste Auszeichnung des Bundes Deutscher Karneval (BDK): Sie ist Trägerin des goldenen BDK-Ordens mit Brillanten.

Zwischen den Erinnerungsfotos hängen auch immer wieder Bilder von Ehemann Franz. "Ohne meinen Mann im Hintergrund hätte ich das alles nicht geschafft. Er war der ruhende Pol, hat die Auftrittspläne geschrieben, Telefondienst erledigt und mich immer dann aufgemuntert, wenn ich Zuspruch benötigte", erzählte die Ehren-Obermöhn. Franz Neubauer starb vor 19 Jahren. Auf die Frage, was ihr in der 25-jährigen Amtszeit am wichtigsten war, antwortete sie: "Ich wollte den Menschen unser Brauchtum nahe- bringen. Da Karneval für alle Schichten und Gruppen da sein soll, bin ich besonders gerne in Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten und Schulen gegangen. Überall dort habe ich Dankbarkeit erlebt."