Gotteshaus: Beueler Versöhnungskirche kostete damals 19.000 Mark

Gotteshaus : Beueler Versöhnungskirche kostete damals 19.000 Mark

Vor 125 Jahren weihten Protestanten die Versöhungskirche in Beuel ein. Am Wochenende wird das Jubiläum an drei Tagen mit Konzerten und Gottesdiensten gefeiert.

„Jauchzet dem Herrn alle Welt. Dienet dem Herrn mit Freude.“ Bereits bei der Einweihung der kleinen Kapelle im Zentrum Beuels am 14. März 1894 ertönte die Motette des hundertsten Psalms von Felix Mendelssohn Bartholdy durch das Gewölbe. Und auch beim Festgottesdienst zum Kirchenjubiläum wird die Gemeinde die Feier wieder mit diesem Loblied eröffnen. „Als wir das alte Gesangsblatt von der damaligen Einweihung im Archiv in Oberkassel entdeckten, haben wir sofort entschieden, dass wir unseren Festgottesdienst mit dem gleichen Psalm eröffnen werden“, sagt Pfarrerin Heike Lipski-Melchior, die mit ihrem Mann Christoph Melchior den Pfarrbezirk Beuel-Mitte leitet und damit für die Versöhnungskirche zuständig ist.

Seit Jahrzehnten ist das weiße Kirchlein an der Neustraße mit dem markanten Rundfenster in der Eingangsfassade Hingucker und Kleinod zugleich. Zwar gab es in den vergangenen 125 Jahren einige bauliche Veränderungen, doch für Lipski-Melchior ist die Versöhnungskirche immer noch ein ganz besonderer Ort: „Der Raum vermittelt durch seine Schlichtheit Ruhe, Stille und Geborgenheit. Die Atmosphäre ist wirklich einzigartig“, sagt sie. Mit dieser Einschätzung steht sie offenbar nicht alleine da. Zwölf Paare werden sich allein in diesem Jahr in der Versöhnungskirche trauen lassen.

In der Zeit der Industrialisierung siedelten sich ab 1860 viele evangelische Familien im Ort an. Offiziell der Kirchengemeinde Oberkassel zugeordnet, trafen sich die Gläubigen anfangs im Haus von Ottilie Sander in der damaligen Wilhelmstraße zum Gebet. Dort fand am 12. Februar 1882 auch der erste evangelische Gottesdienst statt. Allerdings wuchs die Gemeinde weiter, sodass es Anfang der 1890er Jahre erste Überlegungen für den Bau einer eigenen Kirche gab.

Im Altarraum gab es früher Fenster

Am 12. Februar 1882 war es dann soweit, und der Grundstein für ein Gotteshaus wurde gelegt. Der Bonner Architekt Otto Penner errichtete schließlich den Backsteinbau als Saalkirche mit drei Achsen und einjochigem Vorbau. Das Satteldach wird von einem Dachreiter gekrönt. An der Nordostfront gibt es drei Rundbogenfenster. Die Kosten für den Bau betrugen damals 16 000 Mark, 3 000 Mark mussten noch einmal für die Inneneinrichtung ausgegeben werden. In einer großen Prozession zogen die Gemeindemitglieder von ihrem alten Betsaal durch die geschmückte Wilhelmstraße in ihr neues Gotteshaus. Auf alten Bildern ist zu erkennen, dass ursprünglich hinter dem Altar drei große Fenster in der Fassade eingelassen waren. Dieser Bereich ist mittlerweile zugemauert.

Auf den ersten Blick eher schlicht und unscheinbar, weist die Pfarrerin gleich auf ein paar Besonderheiten hin. „Jedes Fenster hat ein anderes christliches Symbol im kleinen Rundbogen“, erklärt sie und lenkt den Blick nach oben. Eindrucksvoll ist ebenso die große Rosette über dem Eingangsportal. Die bunten Scheiben sind noch aus der Bauzeit und müssen jetzt dringend saniert werden. „Wir sind froh, dass wir einen Fachmann gefunden haben, der sie restauriert“, so die Pfarrerin.

1959 wurde ein modernes Seitenschiff mit vorgesetztem Treppenhaus angebaut. Gleichzeitig erhielt der Innenraum eine Empore. Dort oben steht die Orgel mit 16 Registern und einem aus 39 Glocken bestehenden Glockenspiel. Beim letzten Umbau 1981 wurden die Glasbausteinfenster im Seitenschiff durch Holzfenster ersetzt. Betritt man das kleine Gotteshaus, so fällt der Blick sofort auf den Altartisch, das Taufbecken in der Apsis und das seitlich an der Wand hängende Holzkreuz.

Am 19. Mai 1985 erhielt die Kirche ihren heutigen Namen Versöhnungskirche. Anlässlich des Besuchs von Emilio Castro, dem damaligen Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, hatte das Presbyterium der Kapelle beschlossen, den Namen Versöhnungskirche zu wählen.

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