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Karneval und Umweltschutz: Beueler Stadtsoldaten testen Elektro-Kutsche im Zoch

Karneval und Umweltschutz : Beueler Stadtsoldaten testen Elektro-Kutsche im Zoch

Das Traditionscorps der Beueler Stadtsoldaten nahm das Elektro-Gefährt in der Jahrmarktshalle entgegen. Es soll in Zukunft regelmäßig im Karnevalszug zum Einsatz kommen.

Der Automobilpionier Carl Benz, der 1885 das erste praxistaugliche Auto vorgestellt hat, wäre begeistert gewesen: Die Beueler Stadtsoldaten haben am Mittwoch in Pützchen an der Jahrmarktshalle eine Elektro-Kutsche in Empfang genommen, die dem ersten Benz-Automobil sehr ähnlich sieht. Mit diesem weinroten Gefährt nimmt das Corps an den Karnevalsumzügen in Beuel (Weiberfastnacht), in Liküra (Karnevalssonntag) und in Bonn (Rosenmontag) teil – eine nachhaltige Premiere für den bönnschen Fastelovend.

„Als Reaktion auf den Klimawandel haben wir versucht, CO2-freundliche Motorantriebe zu finden. Auf meiner Suche im Internet bin ich auf die Firma Myetours in Köln gestoßen“, erklärte Hans Hallitzky, Kommandant der Beueler Stadtsoldaten. Dann ging alles ganz schnell: Hallitzky fuhr nach Köln zu einer Probefahrt durch die Innenstadt. Anschließend wurde der Mietvertrag unterschrieben. „Kurzzeitig haben wir sogar überlegt, uns eine solche Kutsche anzuschaffen. Aber der Kaufpreis von fast 70.000 Euro schreckte uns dann doch etwas ab“, sagte Hallitzky im Gespräch mit dem GA.

Jetzt wollen die Mitglieder des Corps einmal die Karnevalstauglichkeit der Kutsche testen. Sollte sich nach den drei Umzügen herausstellen, dass Elektromotoren praxistauglich sind, will das Corps testen, ob der eigene Fuhrpark nach und nach umgerüstet werden kann. „Diese Kosten und diesen Einsatz scheuen wir für unsere Umwelt nicht“, so der Kommandant.

E-Kutsche für Beueler Stadtsoldaten

Vorkenntnisse und Tipps machen Sinn

Peter Czwiertnia, Gründer und Chef der 2017 in Köln gegründeten Firma Myetours, kam eigens mit nach Beuel, um an der Einführung in die Technik und an der Probefahrt auf dem Innenhof teilzunehmen. „Es ist nicht schwierig, die Kutsche zu fahren, aber gewisse Vorkenntnisse und Tipps machen durchaus Sinn“, sagte der Entwickler. Mittlerweile bietet das Unternehmen acht Elektrokutschen zur Vermietung an. Allerdings kann man auch den Bau einer Kutsche in Auftrag geben und das Gefährt dann kaufen.

Nach Auskunft von Peter Czwiertnia ist der Einsatz seiner E-Kutsche im Karneval eine Premiere. „Wir haben zwar schon mal das aktuelle Kölner Dreigestirn in einer unserer Kutschen chauffiert, aber ansonsten gab es noch keine Kontakte zum Karneval“, sagte der Kölner.

Diese E-Kutschen bieten seiner Ansicht nach die Chance, dass die Kutschentradition auch in Zeiten des Klimawandels im Karneval dauerhaft fortbestehen kann. Die Reichweite der E-Motoren hängt von der Fahrweise des Kutschers ab, beträgt in der Regel aber 60 bis 80 Kilometer. Ist eine Batterie leer, dauert die Aufladezeit bis zu zehn Stunden.

Die Kutsche kann maximal acht Personen transportieren, weshalb der Fahrer einen Personenbeförderungsschein benötigt. Die Kutsche wiegt leer 1,5 Tonnen. In den drei Zügen wird Peter Czwiertnia selbst auf dem Kutschbock sitzen und das Vehikel durch die Menschenmassen manövrieren. „Ich bin sehr gespannt, wie sich Ecarus im Fastelovend schlägt“, sagte der Kölner.