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Seit Tagen verschwunden: Beueler sorgen sich um Obdachlosen Werner W.

Seit Tagen verschwunden : Beueler sorgen sich um Obdachlosen Werner W.

Nach Einsatz des Ordnungsamtes ist der Obdachlose Werner W. vom Platz unter der Südbrücke in Ramersdorf verschwunden. Sorgen machen sich jetzt viele Bürger, die ihn als freundlichen Mann seit vielen Jahren schätzen.

Die Empörung in der Beueler Bevölkerung ist riesig: Der Obdachlose Werner W. soll Opfer einer behördlichen Zwangsräumung geworden sein. Vermutlich mehr als acht Jahre hat er unter dem Brückenbogen der Südbrücke auf der Beueler Seite campiert. Zwischen ihm und täglich vorbeikommenden Passanten waren über die Jahre freundschaftliche Kontakte entstanden. Manche schenkten ihm Lebensmittel, Decken oder andere Gegenstände des täglichen Bedarfs.

Seit Tagen nun erreichen die Lokalredaktion des General-Anzeigers zahlreiche E-Mails und Anrufe mit vielen Fragen: Warum haben die Ordnungsbehörden das gemacht? Wo ist Werner W. geblieben? Protestzettel wurden von Passanten an der Brückenrampe auf der Ramersdorfer Seite befestigt. Augenzeugen berichten, dass Werner W. vom Ordnungsamt der Stadt Bonn und der Polizei aus seinem Quartier unter der Südbrücke vertrieben worden sei.

Die Bonner Polizei hat auf Bitten des GA die Einsatzprotokolle der vergangenen Tage gesichtet und erklärte anschließend, dass Polizeibeamte bei diesem Vorgang nicht beteiligt gewesen seien. Michael Beyer von der Polizeipressestelle: „Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand war das Ordnungsamt in seiner Zuständigkeit vor Ort. Wegen der Ähnlichkeit der Dienstkleidung sind Passanten wahrscheinlich davon ausgegangen, dass die Polizei dort einen Einsatz hatte.“

Auf Nachfrage des GA bestätigte die Stadt Bonn den Einsatz unter der Südbrücke. Andrea Schulte vom Presseamt betonte aber: „Es hat keine Zwangsräumung stattgefunden. Mitarbeiter des Ordnungsamts haben den Obdachlosen aufgefordert, seine Schlafstelle aufzuräumen und zu verkleinern.“ Grund für diese Aufforderung sei gewesen, dass Campieren im öffentlichen Raum verboten ist. Dem Mann sei kein Platzverbot erteilt worden. „Aus Sicht der Stadt Bonn hätte er dort bleiben können“, erklärte die Mitarbeiterin des Presseamts. Auf die Frage, wo sich Werner W. jetzt aufhält, antwortete Andrea Schulte: „Das wissen wir nicht.“ Eine Anzeige oder eine Beschwerde aus der Bevölkerung habe nicht vorgelegen. Bei dem Einsatz des Ordnungsamts habe es sich um eine routinemäßige Kontrolle gehandelt. Laut Presseamt sollen die Mitarbeiter der Stadt dem Obdachlosen beim Aufräumen geholfen haben.

"Werner W. war ein Teil von Oberkassel"

Auch am Montag war der Platz von Werner W. unter der Brücke leer. Wo er sich derzeit befindet, ist aktuell nicht zu klären. Auch Passanten haben ihn seit vergangener Woche nicht mehr gesehen. Mittlerweile hat sich eine bürgerschaftliche Bewegung formiert, die offiziell bei der Stadt Bonn Protest gegen das Vorgehen des Ordnungsamts eingereicht hat. Die Gruppe soll bereits mehr als 250 Unterstützer groß sein.

Ein Mitarbeiter des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) an der Universität Bonn, dessen Name der Redaktion bekannt ist, fährt täglich mit dem Fahrrad von Oberkassel nach Bonn zur Arbeit. Er hat den Einsatz unter der Südbrücke beim Vorbeifahren gesehen und sich gewundert, warum der Obdachlose kontrolliert wird. „Werner W. war ein Teil von Oberkassel. Man konnte ihn regelmässig in Geschäften in Oberkassel oder an anderen Stellen der Rheinaue treffen. Von daher begreife ich nicht, warum er nun vertrieben wurde. Des Weiteren frage ich mich, ob die Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Moment nicht Wichtigeres zu tun haben, als ein Mitglied der Oberkasseler Gemeinschaft zu vertreiben“, schrieb der ZEF-Mitarbeiter dem GA.