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Stammzellen gespendet: Beueler rettet englischem Jungen das Leben

Stammzellen gespendet : Beueler rettet englischem Jungen das Leben

Der Beueler Michael Mertens hat Stammzellen für den leukämiekranken Jack aus Birmingham gespendet und dem Jungen damit das Leben gerettet.

Michael Mertens reagiert immer noch sehr emotional, wenn er an die vergangenen Monate zurückdenkt. Der kleine Jack aus Birmingham hat sein Herz berührt – und sein Leben verändert. „Es geht mir nach wie vor sehr nahe, wenn ich das Video sehe, das Jacks Familie ins Netz gestellt hat“, erzählt der 30-Jährige, der in Beuel aufgewachsen ist und dessen Vater seit mehr als 30 Jahren für den reibungslosen Ablauf des Weiberfastnachtszuges zuständig ist.

In dem Film berichtet Mutter Joe vom Schicksal ihrer Kinder, von der ältesten Tochter Lauren und den heute 13-jährigen Zwillingen Emily und Jack. Tochter Emily erkrankte als kleines Kind an Krebs, vor drei Jahren schlug das Schicksal dann erneut erbarmungslos zu: Bei Bruder Jack wurde eine besonders aggressive Leukämie diagnostiziert – mit niederschmetternder Prognose: Wenn der Junge nicht innerhalb weniger Wochen eine Stammzellenspende bekommt, ist er in sechs Monaten tot. „Ich kann mir gar nicht ausmalen, wie sich die Familie und vor allem Jack gefühlt haben muss“, sagt Michael Mertens.

Er wurde vor ein paar Jahren selbst mit dem Thema Krebs konfrontiert, als in seinem Freundeskreis ein Mädchen erkrankte. Kurzerhand organisierten damals Freunde eine Typisierungsaktion für die DKMS, und so war auch Michael Mertens in der Knochenmarkspenderdatei registriert. Wie wichtig die harmlose Speichelprobe einmal für einen Menschen werden würde, das ahnte Mertens nicht.

2015 änderte sich dann von einem Tag auf den anderen das komplette Leben des städtischen Angestellten. „Ich bekam einen Anruf, dass ich eventuell als Spender infrage komme“, erinnert er sich. Weitere Untersuchungen folgen und schließlich war im November 2015 klar, dass der 30-Jährige einen Menschen retten könnte. „Ich habe keine Minute gezögert“, verrät er. Allerdings gab es eine einzige Bedingung für die Entnahme. „Der Eingriff durfte nicht Weiberfastnacht stattfindet. Alles andere war mir egal“, kam trotz aller Dramatik sein „jeckes“ Naturell durch.

"Geweint wie die Schlosshunde"

Über den Empfänger wusste er aus datenschutzrechtlichen Gründen nichts. „In den Gesprächen habe ich nur herausgehört, dass es sich um ein Kind handelt, das im Ausland lebt.“ Am 3. Januar 2016 wurden ihm dann in Köln Stammzellen entnommen. Lediglich zwei kleine Einstiche am Rücken blieben zurück. Nach der Transplantation erfuhr er, dass seine Zellen für einen zehnjährigen Jungen in Birmingham bestimmt sind, kurze Zeit dann die knappe Nachricht, dass alles gut gegangen sei. Kontakt zu seinem genetischen Zwilling durfte Mertens jedoch nicht aufnehmen. Nur anonym schrieben sich Spender und Empfänger über die DKMS Brief und Mails. „Meine waren immer mit 'My hero' adressiert“, erzählt Mertens tief bewegt.

Am 3. Januar 2018 war die vorgeschriebene Kontaktsperre schließlich vorbei und Mertens erfuhr endlich mehr über den Empfänger. „Unser erstes Gespräch war wirklich unglaublich. Wir haben beide am Telefon geheult wie die Schlosshunde. Ich bin so dankbar, dass ich ihm helfen konnte“, erzählt der 30-Jährige. Kurze Zeit später trafen sie sich erstmals persönlich.

Zur großen Spendengala der DKMS in London reiste Jack mit Mutter, Stiefvater und seinen Schwestern an, Mertens kam in Begleitung von Mutter Marieluise, Schwester Stephanie Wenzel und Freundin Sabrina Brück. „Man kann sich nicht vorstellen, wie dankbar mir die ganze Familie begegnet ist“, erinnert sich Mertens gerne zurück. Schnell entdeckten Spender und Empfänger, dass nicht nur ihre Genmerkmale perfekt zueinander passen, sondern dass sie die gleichen Hobbys teilen. „Wir sind beide Fußballfans und engagieren uns bei der Feuerwehr.“ Daher hatte Mertens einen FC-Schal für den Jungen im Gepäck.

Seit 2016 hat Jack zweimal im Jahr Geburtstag. „Der Tag, an dem er meine Stammzellen bekam, wird in der Familie groß gefeiert“, freut sich Mertens, dass es dem 13-Jährigen mittlerweile wieder sehr gut geht. Denn: „Ich wäre nicht damit zurechtgekommen, wenn Jack nicht geheilt worden wäre. Auch wenn mich keine Schuld getroffen hätte“, sagt er. Doch diese Sorgen sind überflüssig. In den nächsten Monaten wird Mertens gemeinsam mit seiner Freundin wieder nach Birmingham reisen. „Mutter Joe hat mir versprochen, dass sie mir das Autofahren in England beibringt“, lacht er. Und er möchte seinen kleinen Zwillingsbruder bald ins Rheinland einladen. „Vielleicht zu Pützchens Markt. Das würde ihm sicher sehr gefallen.“