Alaaf et Bonjour à Mirecourt: Beueler Jecken ziehen durch französische Partnerstadt

Alaaf et Bonjour à Mirecourt : Beueler Jecken ziehen durch französische Partnerstadt

550 Beueler Karnevalisten boten vor 25 Jahren ein närrisches Spektakel in der in der französischen Partnerstadt Mirecourt. Das jecke Treiben war seinerzeit Auftakt für die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft.

Der 27. Februar 1994 spielt in der deutsch-französischen Freundschaft zwischen Mirecourt und Beuel eine ganz besondere Rolle. Damals waren 550 Karnevalisten von der schääl Sick in die Vogesenstadt gereist, um als Botschafter des rheinischen Brauchtums einen Karnevalszug in Beuels französischer Partnerstadt Mirecourt durchzuführen. Damit ging ein Wunsch von Lucie I. (Claude) in Erfüllung. Die junge Französin war für die Session 1993/94 als Wäscherprinzessin nach Beuel „ausgeliehen“ worden.

Das närrische Treiben war der Auftakt für die Feierlichkeiten anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Städtefreundschaft. Die damalige Obermöhn Erna Neubauer, die sonst nicht aus der Ruhe zu bringen war, konnte in der Nacht vor dem großen Ereignis nicht schlafen. Die sattelfeste Karnevalistin zweifelte noch am Vortag: „Ob die Franzosen überhaupt an unserem Karneval Spaß haben werden?“ Den hatten sie und wie. Das Echo war überwältigend. Tausende Mirecourter säumten die Straßen der historischen Innenstadt.

Mit großen Augen und französischem Temperament verfolgten die neugierigen Bürger das närrische Treiben. Hier und da erhallte der Ruf „Kamelle“ mit französischem Akzent. Die Kinder bückten sich nach dem Wurfmaterial und waren begeistert ob der Süßigkeiten-Flut. Was die Beueler freute: Jung und alt waren kostümiert und die Hausfassaden mit Luftballons geschmückt. Die beiden Zugleiter, Joachim Mertens aus Beuel und René Fritz, für die Städtepartnerschaft zuständiger Beigeordneter der Stadt Mirecourt, hatten alle Hände voll zu tun, um den närrischen Lindwurm sicher durch die engen Straßen zu lotsen.

Falsches Abbiegen tat der dem Spaß keinen Abbruch

Die Begeisterung der französischen „Laien-Jecken“ schwappte manchmal derart über, dass sich Zugteilnehmer und Zaungäste in einem großen bunten Knubbel vermischten. Am „Place du Général de Gaulle“ war das liebenswerte Chaos perfekt. Plötzlich sahen die Zugleiter den Wagen von Wäscherprinzessin Lucie I. (Claude) von hinten. Irgendwer war irgendwann irgendwo falsch abgebogen. Das tat dem Spaß aber keinen Abbruch. Für die Narrenfürstin aus Mirecourt war das Heimspiel ein bewegender Moment: „Ich hätte nicht gedacht, dass meine Landsleute so zahlreich erscheinen würden. Es war formidabel.“ Ihre Lieblichkeit war Garant für den Erfolg. Schon in Beuel hatte sie eine tolle Session hingelegt.

Mirecourts damaliger Bürgermeister Jacques Zimmermann kredenzte seinen Gästen einen Vogesen-Wein. Der Maire war damals sichtlich zufrieden: „Dieser Karnevalszug bringt eine neue Ebene in unsere Beziehung. Fast die ganze Stadt war auf den Beinen. Ich kann mir vorstellen, dass irgendwann noch einmal eine solche Veranstaltung bei uns stattfindet.“ Bei dem Empfang kam es zu einer bewegenden Begegnung. Beuels Ex-Bürgermeister Hans Steger, einer der Väter der Städtepartnerschaft, war mit den Schwarz-Gelbe-Jonge nach Mirecourt gekommen, um das einmalige Spektakel miterleben zu können. Er traf einige alte Bekannte; man lag sich herzlich in den Armen. „Wir haben die Jumelage ins Leben gerufen, und ihr erfüllt sie mit Leben“, freute sich damals Steger gemeinsam mit Ehefrau Mathilde.

Heute, 25 Jahre später, wird eine Delegation aus Mirecourt zur Weiberfastnacht nach Beuel reisen. 44 Personen werden beim Zug und beim Rathaussturm dabei sein, darunter die beiden Vorsitzenden der Partnerschaftskomitees, Bernhard Schmitt und Klaus Ebert, sowie die stellvertretende Bürgermeisterin Nathalie Babouhot. Die Gruppe wird rote Ponchos und Bérets auf dem Kopf tragen. Als Bagagewagen dient eine alte „Ente“. Und was macht Lucie? Sie kommt auch nach Beuel und hat beim Nähen der roten Ponchos geholfen. „Ich habe stets ein Bett in Beuel“, sagte Lucie. Die einfache Erklärung: Bei Freundin Jutta aus Beuel steht für Lucie immer die Haustür offen.

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