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Schiffer-Verein gibt Skulptur in Auftrag : Beueler Familie bekommt Denkmal am Rheinufer

Schiffer-Verein gibt Skulptur in Auftrag : Beueler Familie bekommt Denkmal am Rheinufer

Schon viele Stars der Schäl Sick sind am Beueler Rheinufer verewigt: Kniepes, Bröckemännche und Waschfrau. Jetzt hat der Schiffer-Verein bei Künstlerin Sigrid Wenzel eine lebensgroße Bronzeskulptur für die Beueler Familie in Auftrag gegeben.

Los Angeles und Beuel haben eine Gemeinsamkeit: Beide haben einen „Walk of Fame“. Am Hollywood Boulevard finder man Größen wie Elvis Presley und Louis Armstrong. Am Beueler Rheinufer sind es die Stars der Schäl Sick: Kniepes, Bröckemännche und Waschfrau – allesamt verewigt als Bronzetafeln und -skulpturen in der Hochwasserschutzmauer aus Basalt.

Im nächsten Jahr wird die Beueler Variante der berühmten Star-Meile Zuwachs bekommen. Der Schiffer Verein Beuel plant die Aufstellung einer lebensgroßen Bronze-Skulptur. Sie wird den Namen „Beueler Familie“ tragen und nahe des Nepomuk-Denkmals in Höhe der Johannesstraße plaziert.

Geistiger Vater des Vorhabens ist Claus-Werner Müller. Als Vorstandsmitglied des Schiffer-Vereins Beuel konnte er seinen Vorsitzenden, Käpt’n Reiner Burgunder, von der Idee überzeugen. Mit Sigrid Wenzel aus Thomasberg war auch schnell die passende Künstlerin gefunden. Sie hat in Bonn und Umgebung bereits eine Vielzahl von Kunstwerken geschaffen – zum Beispiel viele der Bronzetafeln am Beueler Rheinufer sowie den „Beueler Stadtbrunnen“ am Doktor-Weis-Platz.

 „Zur Stärkung der Heimatverbundenheit und des Wir-Gefühls wollen wir  die Bronzeskulptur auf dem Nepomukplatz aufstellen. Die ‚Beueler Familie’, bestehend aus einem Schiffer (Vater), einer Wäscherin (Mutter) und einem Fischer (Sohn), wird auf einer Bank sitzend dargestellt“, erklärte Claus-Werner Müller im Gespräch mit dem GA. Ursprung der Aktion ist laut Müller die Tatsache, dass es in Beuel bislang kein Denkmal zum Thema Familie gibt.

 Der Vater wird durch einen Schiffer verkörpert, der die mehr als 1000 Jahre alte Fährgerechtsame zwischen Beuel und Bonn symbolisiert und auf die Gierponte – die schwimmende Rheinbrücke –  verweist.

Die Mutter, eine Wäscherin, die mit Bügeleisen in der Hand auf das wichtige Wäschereihandwerk in Beuel hinweist. Der „Beueler Duft“ war in früheren Jahrzehnten Qualitätsmerkmal für saubere Wäsche aus Beuel, denn Rheinauen und Sonne auf der rechten Rheinseite sorgten für besonders frisch duftende Wäsche.

Der Sohn wird als Fischer mit Fischkorb, Bollerwagen und Hund verkörpert und erinnert an das Fischereigewerbe der damaligen Zeit.  Besonders der Maifisch ist es gewesen, der dem Beueler Fischereigewerbe Einnahmen und den Familien die Ernährung sicherte.

„Die neue Skulptur am Beueler Rheinufer soll neben dem Schiffermast  ein beliebtes Fotomotiv werden. Daher bleibt zwischen den dargestellten Personen so viel Platz, dass sich Besucher dort niederlassen können, um sich mit der Beueler Familie fotografieren zu lassen, um so die Verbindung von geschichtlichen Traditionen mit dem heutigen Heimatgedanken herzustellen“, betonte Reiner Burgunder.

Gefragt, warum der Nepomukplatz Standort für die „Beueler Familie“ sein soll, antwortete Müller: „Der Stadtbezirk litt in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder unter verheerenden Hochwässern. Das veranlasste die Stadt Bonn, gefördert vom Land NRW, für Beuel einen Hochwasserschutz bis zu einer Höhe von 9,50 Meter Bonner Pegel in die Tat umzusetzen. Mit dieser Hochwasserschutzmaßnahme einhergehend, erfolgte bis 2011 auch eine landschaftliche Neugestaltung des Beueler Rheinufers. In diesem Hochwasserschutzbereich haben sich viele Beueler Vereine, einer Wandzeitung gleich, dargestellt, um so das Leben in ihrer Heimat einer breiten Öffentlichkeit mit Bronzetafeln vorzustellen.“

Zu diesen Vereinen zählen die Bonner Rudergesellschaft, die 2019 ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert hat, der Schiffer-Verein Beuel von 1862, der Heimat- und Geschichtsverein Beuel, das Alte Beueler Damenkomitee und die Beueler Stadtsoldaten. Die Fischereibruderschaft zu Bergheim an der Sieg weist auf die über 1000 Jahre bestehenden Fischereirechte und Fischereigrenzen hin. Außerdem hat der Schiffer-Verein auf dem Nepomukplatz die Statue ihres zweiten Schutzpatrons, des Heiligen Nepomuk, sowie einen der schönsten Schiffermasten am Rhein aufgestellt.

Für die Umsetzung des Vorhabens benötigt der Schiffer-Verein rund 80.000 Euro. Vor wenigen Tagen gab es diesbezüglich gute Nachrichten aus der Landeshauptstadt: Das NRW-Heimatministerium hat eine Förderung in Höhe von 40.000 Euro zugesagt. Die Stadt Bonn hat weitere 8000 Euro in Aussicht gestellt. Will heißen: Ungefähr 30.000 Euro muss der Verein selbst aufbringen. Deshalb wird derzeit intensiv nach Sponsoren gesucht. Gespräche mit Banken, Geschäftsleuten und Privatpersonen haben begonnen. Sobald der Vereinsvorstand das Startzeichen gibt, wird Sigrid Wenzel mit der Kreativarbeit beginnen.

Die Einweihung der Skulptur soll beim Anhissen des Schiffer-Vereins an Karsamstag 2021 oder bei der Mundartmesse im Mai 2021 erfolgen.