Technik im Trafohäuschen: Beueler Ehepaar wirft Stadt die Gefährdung ihrer Gesundheit vor

Technik im Trafohäuschen : Beueler Ehepaar wirft Stadt die Gefährdung ihrer Gesundheit vor

Direkt neben dem Haus von Renate und Helmut Lange in Schwarzrheindorf steht ein altes Trafohäuschen. Entgegen erster Ankündigungen soll die Technik darin nun doch nicht verlegt werden. Grund ist eine Mietforderung der Stadt.

Der schmucke blaue Altbau von Renate und Helmut Lange sticht schon von weitem ins Auge: Direkt vis à vis der Schwarzrheindorfer Doppelkirche hat sich das Rentnerpaar ein kleines Idyll geschaffen. Wenn da nur nicht die benachbarte Trafostation der Stadtwerke-Tochter Bonnnetz wäre: "Das starke Magnetfeld ist gesundheitsschädlich", sind sich die ehemalige Angestellte im Innenministerium und der pensionierte Postbeamte sicher.

Ganz neu ist diese Problematik allerdings nicht: "Das Trafohäuschen wurde 1903 errichtet", weiß Veronika John, stellvertretende Pressesprecherin der Bonner Stadtwerke, deren Tochter Bonnnetz seit der Übernahme von der RWE im Jahr 2015 für die Trafostation zuständig ist. 1902, also unmittelbar vor dem Bau des Trafohäuschens, wurde das Haus der Langes nach deren eigenen Angaben gebaut. Grundsätzlich hatten die beiden weder beim Einzug - das Paar bewohnte das Gebäude zunächst als Mieter - noch später beim Kauf große Gedanken an die Technik hinter ihrer Wohnzimmerwand verschwendet: "Die alte Dame, von der wir das Haus zunächst gemietet und später dann erworben haben, hat uns erzählt, dass sie quasi als Kompensation kostenlose Strom bezogen habe."

Das haben die Langes nie und dass die mit dem Betrieb eines Transformators verbundenen Magnetfelder potentiell gesundheitsgefährdend seien, hätten sie erst Zug um Zug realisiert: Nachdem sich Meldungen um elektromagnetische Strahlen und deren Folgen gemehrt hätten und beide an Krebs erkrankt seien, habe man sich an den Wissenschaftsladen Bonn gewandt, der dem Ehepaar in Verhandlungen mit der RWE hilfreich zur Seite gestanden habe. Weder die in Deutschland geltenden gesetzlichen Grenzwerte noch die wesentlich strengeren Schweizer Vorsorgegrenzwerte wurden jedoch überschritten.

Neuer Trafo wird an der selben Stelle installiert

Dennoch seien sie sehr erfreut gewesen, als sich nach der Übernahme durch Bonnnetz vor drei Jahren die neuen Betreiber bei Ihnen gemeldet und die Modernisierung und gleichzeitige Verlegung der Anlage ankündigt hätten. Die bestehenden Anlagen seien veraltet und müssten daher ohnehin erneuert werden. Und um so enttäuschter seien sie nun, nachdem Bonnnetz ihnen mitgeteilt habe, dass zwar das Häuschen wie geplant abgerissen und ein neuer Trafo installiert werde, dies aber doch wieder an der selben Stelle geschehen müsse. "Man hatte uns versprochen, den Transformator etwas weiter entfernt von unserem Haus aufzustellen", so Renate Lange. Das sei ja wohl auch problemlos möglich, weil der direkt angrenzende Friedhof Platz genug biete und die Anlieger dort wohl keine Beeinträchtigungen mehr zu gewärtigen hätten.

Was nach einer guten und folgerichtigen Idee klingt, birgt aber offensichtlich in der Realisierung einige Tücken: Eine Verlegung sei nun doch nicht möglich habe man ihnen seitens des Betreiber mitgeteilt, weil die Stadt dafür Mietzahlungen verlange, während die kleine Parzelle zwischen dem Haus der Langes und dem Friedhof sich bereits im Eigentum von Bonnnetz befinde. Als Betroffene können die beiden Rentner dieses Argument allerdings nur schwer nachvollziehen: "Schließlich gehören die Stadtwerke als Mutterkonzern doch auch der Stadt." Auch Klaus Trost vom Wissenschaftsladen sieht den schwarzen Peter nun ebendort: "Es ist doch unglaublich, dass die Stadt Miete von einem stadteigenen Unternehmen verlangt und so eine mögliche Gesundheitsgefährdung von Bürgern in Kauf nimmt. Sicher wäre es besser für die Bewohner, wenn der neue, nur drei mal 1,4 mal 1,3 Meter messende, Trafo ein paar Meter weiter von der Hauswand entfernt aufgestellt würde, als die nun geplanten 50 Zentimeter", so der Fachmann.

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