Roman spielt im Bonn der 1970er Jahre: Beueler Autor Bernhard Hagemeyer schreibt über Hauptstadt-Jahre

Roman spielt im Bonn der 1970er Jahre : Beueler Autor Bernhard Hagemeyer schreibt über Hauptstadt-Jahre

Bernhard Hagemeyers neuer Roman spielt im Bonn der Hauptstadt-Jahre und in Argentinien vor dem Militärputsch.

An der Fährstraße beginnt der neue Roman „Kellergeschoss“ von Bernhard Hagemeyer. Der 78-jährige Autor steht an der Oberdollendorfer Fährstation. Von drüben, von Plittersdorf aus, setzt die Rheinfähre über - wie in der Rahmenhandlung seines Buches, als er seine Hauptfiguren genau dort zusammentreffen lässt.

Politikberater Felix Krauthner hat sich an Himmelfahrt 1976 auf der „Schäl Sick“ mit dem befreundeten Journalisten Aloisius Plakermann verabredet. Ein Himmelfahrtskommando hat Familienvater Krauthner gerade hinter sich. Im Oktober 1975 hatte er sich von einem Bonner Institut nach Argentinien entsenden lassen, um dort im Zuge deutscher Entwicklungshilfepolitik einen Beitrag zur Stabilisierung der Demokratie zu leisten.

So hatte sich die Hauptfigur in Hagemeyers Roman diesen Karrieresprung zumindest schön geredet und damit die indirekten Warnungen des investigativen Journalisten in den Wind geschlagen.

Der Freund hatte ihm nämlich am zweiten lokalen Treffpunkt im damaligen Hauptstadt-Bonn, im Godesberger Journalisten- und Politikerlokal „Maternus“ am Bahnhof, gesteckt, dass einer der Akteure seinen neuen Arbeitgebers, des Instituts, auch Jahrzehnte nach der Nazi-Diktatur immer noch im „moosbraunen Sumpf“ agiere.

Bekannte Bonner Schauplätze

Hagemeyer lässt die legendäre Wirtin Ria Maternus auftreten und sich mütterlich um ihre Gäste kümmern. Von seltsamen Wirtschaftsbeziehungen zu auswärtigen Regierungen wird im „Maternus“ getuschelt, von mutmaßlicher Korruption und Veruntreuung deutscher Steuergelder.

Waren vielleicht auch bekannte Personen in dunkle Geschäfte verwickelt? Hagemeyer lässt die gespannte Atmosphäre unter Journalisten im damaligen Bonn an bekannten Schauplätzen gekonnt aufleben.

Zweifellos hat der Autor einen spannenden Plot geknüpft. Wie berichtet, veröffentlichte der Diplomkaufmann bis 2014 politische Fachliteratur. Dann zog es den Beueler ins Fiktionale. Mit seinem Erstling „Balkenstube“ stöberte er 02015 auf Dachböden in der deutschen Historie.

2016 kratzte Hagemeyer mit „Chalet Grunewald“ vor dem Hintergrund einer Familiengeschichte jüdischer Emigranten am brisanten Thema Nazi-Täterschaft.

Der dritte Roman nun lässt den Hauptakteur wieder nach Südamerika, in das Argentinien kurz vor dem Militärputsch 1976 reisen. Dort holt Krauthner sich Blessuren fürs Leben und lädt sich selbst Schuld auf. Mit einem blauen Auge kehrt er zurück: Sein Traum ist in dem Land, das bürgerkriegsähnliche Zustände schüttelt, zum Albtraum mutiert.

Die Charaktere seiner neuen Geschichte seien fiktiv, der Roman habe keine autobiografischen Züge, versichert Hagemeyer. „Ich berichte nur auf der Grundlage von Informationen in Briefen und Unterlagen“, sagt der Autor, der Südamerika dennoch gut kennt. Auch das Bonner Institut sei selbstverständlich fiktiv.

„Ähnlichkeiten mit der Wirklichkeit sind nicht beabsichtigt, es sei denn, sie sind der Allgemeinheit zeitgeschichtlich bekannt.“ Sein schizophrener „Held“, der auf dem Rhein noch nicht einmal merkt, wie seine Fähre beinahe von einem Frachter gerammt wird, ist fürs Leben gezeichnet.

Er wird im Jahr 2017 die Kiste mit „dem verstaubten Erinnerungskram“ schließlich ins dunkle Kellergeschoss verbannen. Nicht so Autor Hagemeyer. Er hat den „Erinnerungskram“ bewusst aus dem Keller geholt. „Denn Vergangenes darf doch nicht vergessen werden.“

Bernhard Hagemeyer, „Kellergeschoss“, Tredition Verlag, Hamburg 2018, 19 Euro.

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